Vanille aus dem eigenen Garten gewinnen

Bis man Vanille ernten kann, vergehen Jahre, Handbestäubung ist nötig

Frische Vanillestangen hatte ich noch nie im eigenen Garten, das interessante Bild habe ich in Mexiko geschossen. Fotos: hf
Frische Vanillestangen hatte ich noch nie im eigenen Garten, das interessante Bild habe ich in Mexiko geschossen. Fotos: hf

Aufwendige Handbestäubung.
Aufwendige Handbestäubung.

Der Preis von Vanille ist explodiert. Vor fünf Jahren kostete das Kilo noch 20 US-Dollar, im Juni 2018 bereits 515 US-Dollar. Das gleiche gilt für den Preis für Pflanzen, die in Thailand zudem kaum zu finden sind.

Wir hatten lange Zeit einen Vanille-Lieferanten in der Umgebung von Chiang Mai, der uns die Pflanze – eine Orchideenart – per Meter liefern konnte. Doch im Gefolge der oben erwähnten Preisexplosion hat er offenbar Raubbau betrieben, er hat heute nur noch wenige, kleine Ableger anzubieten, und der Preis hat sich mehr als verzwanzigfacht.

Auch wir haben Raubbau betrieben

Früher waren große Vanillemengen im Verkauf.
Früher waren große Vanillemengen im Verkauf.

Vor zwei, drei Jahren haben wir im Discovery Garden Pattaya eine Vanillewand angelegt und mit Sprinkler versehen. Regelmäßig soll einer unserer Gärtner diese Kletterpflanze mit Flüssigdünger besprühen, was er regelmäßig vergisst, wenn ich ihn nicht regelmäßig erinnere (was ich regelmäßig tue). Dank der regelmäßigen Pflege sind unsere Pflanzen an der Mauer im hinteren Teil des Grundstücks schnell gewachsen.

Wenn ein Gartenfreund ein paar Meter von uns beziehen wollte, konnten wir problemlos liefern, auch nach dem Ausfall des einzigen uns bekannten Lieferanten aus dem Norden. Doch irgendwann wurde die Nachfrage so groß, dass die Vanille-Pflanzen an unserer Wand immer weniger wurden. Es kam noch dazu, dass die Gänse am zweiten Ort, wo wir Vanille-Pflanzen zogen, diese aufgefressen haben, der Schaden war – auch finanziell gesehen – beträchtlich. Sie haben auch an der Vanillewand voll zugeschlagen, im unteren Bereich, wo sie leichten Zugang hatten, alles abgefressen. Deswegen und zusammen mit unserem Raubbau, haben wir nun für mehrere Monate keine Vanille-Pflanzen mehr im Angebot, mindestens so lange, bis sich die Bestände deutlich erholen.

Aufwendige Handbestäubung

Die Gänse haben im unteren Teil der Wand gewütet.
Die Gänse haben im unteren Teil der Wand gewütet.

Bis anfangs des 19. Jahrhunderts kamen die meisten Vanillestangen aus Mexiko, weil es da zu einer relativ häufigen Bestäubung durch eine nur dort ansässige Bienenart kam. Ab 1819 begannen die Franzosen Vanille-Pflanzen in ihre Kolonien auf Réunion und Mauritius zu bringen, und später auch nach Madagaskar. Erst 1841 erfand der damals 12-jährige schwarze Sklavenjunge Edmond Albius auf Réunion eine simple und produktive Handbestäubung, die heute noch weltweit so betrieben wird (sogar in Mexiko). Die Hauptmenge der heutzutage produzierten Vanille kommt heute deshalb aus Madagaskar, wo die Pflanze bestens gedeiht.

Auch dieses Bild stammt aus Gärten in Mexiko.
Auch dieses Bild stammt aus Gärten in Mexiko.

Wer hier in Thailand Vanille ernten will, muss sich gewissermaßen „warm anziehen“. Erstens ist es momentan äußerst schwierig, Pflanzen aufzutreiben und außerdem kann es gut drei oder auch fünf Jahre dauern bis die Vanille-Pflanzen die ersten Blüten liefern. Im Discovery Garden hatten wir bis jetzt jedenfalls noch keine Blüten und deshalb auch keine Vanillestängel, was auch mit dem vergangenen Raubbau zu tun hat. Wir haben fast jeden Tag Nachfragen aus Thailand, aber auch Kambodscha, eine sogar aus Brasilien.

Sorry, bis auf Weiteres sind keine Vanille-Pflanzen lieferbar. Anschauen können unsere Gartenbesucher die so wertvolle Pflanze allerdings schon.

Hans Fritschi, Jahrgang 1957, ist ehemaliger Journalist und Buchautor, er lebt seit 1991 in Thailand. Mehrere Monate des Jahres reist er in der Welt herum, den Rest verbringt der Hobbygärtner in Pattaya und Nong Khai. Falls Sie Fragen und Anregungen an unseren Gartenkolumnisten haben, oder seinen Garten mal anschauen möchten, schicken Sie ihm eine E-Mail an hansfritschi1957@gmail.com oder besuchen Sie seine Webseite www.discovery-garden.net oder Facebookseite.

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Leserkommentare

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Jens Schinke 10.02.19 17:48
Danke für den sehr interessanten Beitrag!
Das ist echte Weiterbildung!