«Sind hier, um Weltmeister zu werden»

​Van Gaal nach Glanzlos-Sieg  

Louis van Gaal, Cheftrainer der niederländischen Nationalmannschaft. Foto: epa/Maurice Van Steen
Louis van Gaal, Cheftrainer der niederländischen Nationalmannschaft. Foto: epa/Maurice Van Steen

DOHA: Das politische Zeichen von Titelanwärter Niederlande blieb aus, das sportliche kam spät. Bondscoach van Gaal ist trotzdem zufrieden und bleibt in seiner dritten Amtszeit ungeschlagen.

Eigentlich wollte Louis van Gaal nur noch über Fußball reden, doch dann holte den genervten Bondscoach das tagelange Dauer-Thema um die symbolträchtige Kapitänsbinde wieder ein. «Wir tragen nicht die Binde, wenn wir eine Gelbe Karte bekommen. Wir sind hier, um Weltmeister zu werden», sagte der Bondscoach nach dem glanzlosen 2:0 (0:0) am Montag zum WM-Auftakt gegen Afrikameister Senegal und kritisierte den Weltverband: «Eine Sache ist klar. Wir müssen fragen, ob es ein korrekter Akt vonseiten der FIFA ist.»

Das Sportliche war angesichts des Zwists um die «One Love»-Binde in den Hintergrund gerückt. Zusammen mit weiteren europäischen Ländern hatte Holland eigentlich politisches Zeichen mit Blick auf die fragwürdige Menschenrechtssituation im Gastgeberland Katar setzen wollen, doch die FIFA stoppte die Aktion durch die Androhung von Sanktionen. So lief Oranje-Kapitän Virgil van Dijk gemäß den Richtlinien mit einer gelben Binde und der Aufschrift «No Discrimination» auf. «Das ist total lächerlich, mit einer Strafe zu drohen wegen eines Armbands. Ich verstehe das nicht», sagte Liverpools Starverteidiger.

Das politische Zeichen der Elftal blieb also aus, das sportliche ließ lange auf sich warten. Cody Gakpo (84.) und der Ex-Bremer Davy Klaassen (90.+9) retteten - auch bedingt durch einen Torwartfehler von Edouard Mendy - mit ihren späten Toren den WM-Start des selbsternannten Titelanwärters. Weltmeisterlichen Glanz konnte Oranje aber noch nicht versprühen, was van Gaal egal war. «Es war ein schweres Spiel, aber wir waren effektiv und am Ende fitter als der Gegner», analysierte der 71-Jährige.

Damit bleibt Holland in der dritten Amtszeit unter van Gaal ungeschlagen. Am Ende soll endlich der erste WM-Pokal für Oranje stehen. 2014 war unter van Gaal der Traum im Halbfinale geplatzt. Bis dahin gibt es aber noch einiges zu tun. Offensiv war es ein müder Auftritt des Favoriten. Defensiv ließen van Dijk und Co. dagegen wenig zu. Aber schließlich wurde bei Senegal auch der verletzte Bayern-Stürmerstar Sadio Mané schmerzlich vermisst.

Und wenn doch mal ein Ball auf das Tor kam, war noch Keeper Andries Noppert da. Der Schlussmann gab mit 28 Jahren sein Debüt im holländischen Tor. Der Mann vom SC Heerenveen ist ein Spätstarter, auch in der Liga. Doch van Gaal hat an ihm Gefallen gefunden: «Er hat eine offene Persönlichkeit, ist sehr direkt.»

Die Senegalesen bekamen indes Anschauungsunterricht in Sachen Effizienz. Bekommen sie ihre Abschlussschwäche gegen Katar oder Ecuador nicht in den Griff, ist das Turnier für den Afrikameister schnell vorbei. An ihren Fans lag es jedenfalls nicht. 90 Minuten lang wurden die Löwen von Teranga nach vorne getrommelt.

Den Gästen blieb immerhin nach Mané der zweite WM-Ausfall vor Turnierbeginn erspart. Kurz vor dem Spiel erhielt der gebürtige Kölner Ismail Jakobs die Spielgenehmigung von der FIFA. Der Außenverteidiger, der 2021 noch mit der deutschen U21 Europameister geworden war, hatte die Nationalität seines Vaters angenommen. Jakobs kam in der zweiten Halbzeit ins Spiel. Aber zwei weitere Verletzungen des Leipzigers Abdou Diallo und Cheikhou Kouyaté bereiten Nationaltrainer Aliou Cissé Sorgen.

Überzeugen Sie sich von unserem Online-Abo:
Die Druckausgabe als vollfarbiges PDF-Magazin weltweit herunterladen, alle Artikel vollständig lesen, im Archiv stöbern und tagesaktuelle Nachrichten per E-Mail erhalten.
Pflichtfelder
Norbert K. Leupi 23.11.22 00:20
Die Armband-Affäre
Sieben Nationen wollten ihre Captains mit der " ONE LOVE " - Armbinde in die Stadien einlaufen lassen und eine Botschaft gegen Diskriminierung übermitteln ! Die FIFA aber griff sofort ein und es ist nicht überraschend , dass es ihr , wie immer gelang , Widerstände zu brechen ! Und warum wohl knicken die Verbände ein ? Weil das Argument um das es im Spitzenfussball immer geht : der " Mammon " , denn es werden bei dieser WM wieder 440 Mil.Dollar verteilt !
Ingo Kerp 22.11.22 13:30
Das Geld den Vorrang vor allem hat, zeigt spätestens die Fußball WM in Katar. Auch die niederl. Mannschaft knickt ein, wie alle anderen ebenfalls. Man darf gespannt sein, welche Vorschriften Saudi-Arabien bei der Winter-Olympiade durch den "Säger" Salman hervorbringen wird.