USA kritisieren Iran bei IAEA-Treffen deutlich

Zu Gesprächen bereit

Foto: epa/Christian Bruna
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WIEN (dpa) - Die USA haben dem Iran vorgeworfen, mit seinem Teilausstieg aus dem Atomabkommen die internationale Gemeinschaft erpressen zu wollen. «Irans aktuelle Position in Atomfragen zielt klar auf eine Eskalation der Spannungen statt auf deren Entschärfung», sagte die US-Botschafterin Jackie Wolcott am Mittwoch beim Treffen des Gouverneursrats der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) in Wien. Wolcott rief den Iran daher auf, den Teilausstieg rückgängig zu machen.

Gleichzeitig betonte Wolcott, dass die USA «zu Verhandlungen ohne Vorbedingungen» bereit sei und bot dem Iran die Möglichkeit zu einer vollständigen Normalisierung des Verhältnisses an. «Wir sind weiterhin bereit und warten auf entsprechende diplomatische Bemühungen», sagte Wolcott. Der einzige Weg, um eine Entlastung von den Sanktionen zu erreichen, sei über Verhandlungen und nicht über eine «atomare Erpressung».

Der Gouverneursrat war auf Wunsch der USA zusammengekommen, um über die ungewisse Zukunft des Atomabkommens mit der Islamischen Republik zu beraten. IAEA-Chef Yukiya Amano sollte das Leitungsgremium mit Diplomaten aus 35 Ländern über die jüngsten Erkenntnisse der UN-Behörde bei der Kontrolle des iranischen Atomprogramms unterrichten. Teheran hatte zuletzt höhere Uranvorräte als erlaubt. Auch die Obergrenze bei der Anreicherung des Urans war überschritten worden. Damit droht mehr denn je das Scheitern der Vereinbarung von 2015, die den Iran am Bau einer Atombombe hindern sollte. Die USA waren bereits vor einem Jahr aus dem Abkommen ausgestiegen.

Kazim Gharibabadi, Irans Botschafter bei der Internationalen Atomenergiebehörde in Wien, sagte der Wochenzeitung «Die Zeit», dass sein Land nur unter gewissen Umständen zu Verhandlungen bereit sei. «Wir sprechen mit niemandem, der uns die Pistole auf die Brust setzt», sagte Gharibabadi demnach und kritisierte vor allem die Sanktionen gegen den obersten iranischen Führer Ajatollah Ali Chamenei. Diese Sanktionen zeigten, dass der Pfad der Diplomatie geschlossen bleibe. Der Vertrag sei tot, wenn die Sanktionen nicht aufgehoben würden.

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Thomas Knauer 11.07.19 15:23
Das sind doch schon Anzeichen von Realitätsverlust, ich kündige einen Vertrag einseitig auf und der Partner hält sich nach einiger Zeit auch nicht mehr dran, dann wundere ich mich darüber. Mal abgesehen ob ich dieses Regime für gut finde oder nicht, Es handelt sich um einen souveränen Staat der entwickeln kann was er will, zudem haben in der Region Pakistan Indien und Israel Atomwaffen.