US-Experte: komplette atomare Abrüstung kaum machbar

US-Politikprofesser und Nordkorea-Experte Bruce Cumings. Foto: Wikimedia/Jimiwo
US-Politikprofesser und Nordkorea-Experte Bruce Cumings. Foto: Wikimedia/Jimiwo

SINGAPUR (dpa) - Der renommierte US-Politikprofesser und Nordkorea-Experte Bruce Cumings hält eine komplette atomare Abrüstung auf der koreanischen Halbinsel für kaum machbar.

«Ich glaube nicht, dass irgendeine Führungsfigur in Pjöngjang sich komplett seiner hart erkämpften Fähigkeiten entblößen will», sagte Cumings der Deutschen Presse-Agentur. Frieden im nuklearen Zeitalter bedeute unter anderem gegenseitige Abschreckung. Eine Restunsicherheit stehen zu lassen, versetze Nordkorea auch in die Lage, einen Plan B zu entwickeln, falls die Vereinbarungen mit den USA platzen sollten. Nordkorea habe 15.000 unterirdische Einrichtungen unter dem Siegel der Nationalen Sicherheit.

Cumings war Leiter der historischen Fakultät an der Universität Chicago und hat sich auf moderne koreanische Geschichte und internationale Beziehungen spezialisiert. Er gilt als einer der führenden Nordkorea-Experten in den USA.

«Die USA haben Atombomber, die können im Mittleren Westen abheben, Nordkorea treffen und zurückkehren, ohne jemals zu landen», sagte Cumings. Mit Atomwaffen bestückte US-U-Boote könnten jederzeit in der Region patrouillieren. Auf der anderen Seite sei es praktisch unmöglich, das Wissen der nordkoreanischen Atomwissenschaftler zu beseitigen. «Soll man sie alle auf eine einsame Insel schicken und ihnen die Telekommunikation verweigern», fragte Cumings.

Cumings hält es für einen Erfolg, wenn es beim Gipfel in Singapur zu einem ein Moratorium für Tests von Raketen und Atomwaffen käme. «Es wäre noch besser, wenn man es schaffen würde, Nordkorea in den Vertrag über das umfassende Verbot von Atomtests zu bekommen», sagte Cumings. «Aber wir werden nie wissen, ob wir jede einzelne Atombombe erfassen können.» Er halte den Begriff Denuklearisierung für falsch.

Hinsichtlich eines künftigen Friedensabkommens mit Nordkorea zeigte sich Cumings optimistisch. «Es könnte sein, dass Trump in der Lage ist, hier einen echten Durchbruch zu erzielen», sagte der Professor. Die USA hätten über Jahrzehnte auf ernsthafte Versuche in diese Richtung verzichtet, weil sie auf einen Kollaps des Systems in Pjöngjang gehofft hätten und eine Anerkennung Nordkoreas hätten verhindern wollten. «Trump hat Recht, wenn er das beschämend nennt.»

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Leserkommentare

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Ingo Kerp 11.06.18 13:30
Diese Meinung, Herr Professor, teilt fast die gesamte Welt. Nur Trump ist von sich überzeugt, das er als der große Dealmaker es jetzt schafft.