Unterdrückte Emotionen fördern Selbstmord

In Thailand steigt die Zahl der Suizide

Große Verzweiflung und unlösbar erscheinende Probleme treiben immer mehr Menschen in den Suizid. Foto: Romolo Tavani / Fotolia.com
Große Verzweiflung und unlösbar erscheinende Probleme treiben immer mehr Menschen in den Suizid. Foto: Romolo Tavani / Fotolia.com

THAILAND: Nach Krebs und Verkehrsunfällen stellt Suizid global die dritthäufigste Todesursache dar. Alle 40 Sekunden stirbt nach Aussage der Weltgesundheitsorganisation auf der Welt ein Mensch durch Selbstmord. Auch in Thailand ist die Zahl der Selbsttötungen in den vergangenen Jahren angestiegen. Über 3.500 Personen suchten im Jahr 2011 den Freitod und rund 4.000 im Jahr 2015.

Als die häufigsten Gründe für Selbstmord gelten psychosoziale Stressfaktoren wie Liebeskummer oder Ärger in der Familie, berufliche Perspektivlosigkeit, Krankheiten (wie Depression, narzisstisches oder schizoides Persönlichkeitsprofil), Alkohol- und Drogenabhängigkeit sowie Verschuldung. So stieg die Zahl der Selbstmorde signifikant nach der asiatischen Finanzkrise 1997/ 1998 in Nord- und Zentral-Thailand, gefolgt von der globalen Finanzspekulationskrise im Jahr 2008/ 2009. Jetzt seien es laut Dr. Somrak Chuwanichawong von der psychiatrischen Klinik Sri Thanya in Bangkok im Jahr 5.000 Menschen, die vor allem wegen tiefer Depression den Freitod suchten.

Männer am meisten gefährdet

Studien belegen, dass die meisten Suizide in Thailand von Männern vollzogen werden. Besonders die Altersgruppe zwischen 25 und 29 Jahren (20 Prozent) ist stark vertreten. Als Motive werden chaotische Sexualbeziehungen, HIV-Infektionen und Alkoholabhängigkeit benannt. Die häufigsten Suizidarten sind Erhängen (70 Prozent), Trinken giftiger Pestizide (20 Prozent) und Schusswaffengebrauch (10 Prozent). In Bangkok kommen Sprünge von den Hochbahn-Stationen, aus Hochhäusern und von Brücken hinzu.

Als eindeutig regionaler Suizid-Schwerpunkt gilt Nordthailand mit Chiang Mai und Lamphun an der Spitze, gefolgt von Phayao, Chiang Rai und Phrae. Die Zahl der Suizide korreliert dabei mit der hohen Zahl an HIV-Infektionen im Norden. Die wenigsten Selbstmorde werden statistisch betrachtet im Nordosten, dem Isaan, verübt.

Psychologen folgend fördert die Mentalität – wie auch in anderen asiatischen Ländern – Suizide. So kennen Theravada-buddhistische und meta-konfuzianische geprägte Gesellschaften kein Konzept der Konfliktverarbeitung, woraus ein Aggressionsstau resultieren kann. Emotionen werden unterdrückt und nicht nach außen gezeigt.

Hotline für lebensmüde Ausländer

In Touristengebieten steigt zudem die Zahl der Ausländer, die sich das Leben nehmen. In Pattaya sind fast ausschließlich Männer gefährdet. Im Hintergrund steht meist große Verzweiflung und unlösbar scheinende Probleme: Krankheit und Gebrechlichkeit, Armut, Verlust der Partnerin, Betrug. Das Gefühl, der Traum vom Leben im Paradies, der viele nach Thailand gezogen hat, sei geplatzt – und ein Zurück nach Deutschland gibt es entweder nicht mehr oder es wäre eine unerträgliche Demütigung. Dabei ist oft Einsamkeit das Hauptproblem – niemanden zu haben, der zuhört, der zu einer anderen Sicht auf die Situation einlädt, zu möglichen Schritten in eine neue Richtung ermutigt

Hier setzt die EXIT-Gruppe des Begegnungszentrums Pattaya mit einem Notruf-Telefon und einer E-Mail-Hotline an. Dahinter steht ein kleines, engagiertes Team psychologisch geschulter, verständnisvoller und kommunikationsfähiger Mitmenschen, die das Gespräch mit suizidgefährdeten Menschen suchen. Das Beratungs-Angebot der EXIT-Gruppe richtet sich an Menschen, die in eine Sackgasse geraten sind und nicht mehr ein und aus wissen. Aber auch, wenn man von einem Freund oder einem Bekannten hört, dass er nicht mehr weiterweiß und Schluss machen möchte, kann Sie sich an EXIT wenden.

Kontakt, Tel.: 094-692.0366, E-Mail: begegnungszentrum.exit@gmail.com. Selbstverständlich wird Anonymität respektiert.

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