Unglaublich aber wahr

Seit vielen Jahren schreibe ich Kolumnen für den FARANG. Mal besser, mal schlechter, mal gelobt, mal kritisiert. Das ist so völlig in Ordnung und hat auch mit Meinungsfreiheit zu tun. Auf kritische Einwände habe ich in all den Jahren nur einmal reagiert. Und dabei will ich es auch belassen. Die Freiheit, die der FARANG mir dabei lässt, ist natürlich von besonderer Bedeutung. Nur ein einziges Mal wurde ich gestoppt, als ich den damaligen deutschen Präsidenten Christian Wulff kritisierte. Das sei nicht das Thema für den FARANG, teilte man mir mit, und damit hatten sie natürlich auch völlig Recht.

Oft werde ich gefragt: Wie kommst du auf diese Themen? Weiß ich auch nicht. Manchmal  höre ich  ein Wort, sehe ein Bild oder treffe einen Menschen, der mir seine Geschichte erzählt. Und schon beginnt es im Hirn zu rattern, und eine neue Story entsteht. Dabei bemühe ich mich stets, so nahe an der Wirklichkeit zu bleiben wie möglich. Auch in der jetzt folgenden Geschichte, die ebenso wahr ist wie sie unglaublich klingt:

Ich lernte einen deutschen Auswanderer kennen. Er hieß Harald, war 42 Jahre alt und unverheiratet. Er hatte wohl etwas geerbt und lebte sechs Jahre lang mit der 26-jährigen Nai in Chonburi glücklich zusammen. Aber als das Geld aufgebraucht war und er keinen angemessenen Job fand, wurde er depressiv. Das Leben, das die beiden vorher geführt hatten, war nicht mehr möglich. Nai suchte einen Job für sich und landete als Kellnerin in einem Thai-Restaurant, wo es, zu dem kargen Gehalt, kaum Trinkgeld gab. Nein, das war es nicht, was sie sich für ihr Leben vorgestellt hatte. Dabei lernte sie viele Männer kennen, bis sie ihrem bisherigen Lebensabschnittsgefährten mitteile, dass sie aus der gemeinsamen Wohnung ausziehen wollte. Eine Katastrophe, denn der Verlassene sprang vom Condo in den Tod. Auch für Nai war das eine Katastrophe. Sie verließ ihren neuen Lover und ging in ein Kloster, ließ sich die Haare scheren und trug weiße Gewänder. Nun, keiner weiß, welches Schicksal für uns vorgesehen ist. Für Nai war es ein Mönch aus einem benachbarten Wat. Sie sahen sich häufig, immer häufiger, und daraus entstand schließlich Liebe. Für beide war es ein schwieriger Weg, sich vom klösterlichen Leben zu entfernen. Aber es gelang und sie heirateten. Sie bekamen zwei Kinder und lebten in Buriram. Sie fand einen Teilzeitjob in einem Reisebüro, er arbeitete in einer Gärtnerei. Soweit alles okay. Aber irgendwie kam der ehemalige Mönch mit der neuen Freiheit nicht zurecht. Mal trank er zu viel, mal meldete er sich krank. Doch dann entdeckte er etwas Unglaubliches. In den angelieferten Blumenkisten fand er Säcke mit diversen Drogen. Was sollte er machen? Mit seinem geringen Gehalt kämpfte er gegen die Versuchung an, sich daran zu bereichern. Anfangs nahm er nur ein Paket mit, dann wurden es mehrere. Sein Chef bemerkte es, konnte dagegen aber nichts machen, weil er selbst seit Jahren zutiefst in diesem Geschäft verwurzelt war. Sein Angestellter war leider etwas unvorsichtig. Er wollte schnell zu Geld kommen und konzentrierte sich auf den Handel mit diesen Drogen. Er hatte Erfolg, verdiente so viel Geld, dass seine Frau nicht mehr arbeiten musste. Er kaufte sich ein Haus und kurz darauf ein Auto. Die Nachbarn wurden natürlich darauf aufmerksam und achteten auf die Personen, die bei ihm ein- und ausgingen. Irgendwann lieferten sie der Polizei wohl einen Hinweis. Derweil lebte der ehemalige Mönch ein Leben wie im Paradies. Er prahlte damit und glaubte, endlich den Höhepunkt seines Lebens erreicht zu haben. Aber Glück und Glas… Eines Morgens standen einige Polizisten bei ihm vor der Tür und nahmen ihn fest. Er wehrte sich nach Kräften, aber die Beweislage stand eindeutig gegen ihn. Dann entschied er sich, gegen seinen Arbeitgeber auszusagen, der im weitaus größeren Rahmen mit Drogen handelte. Der wurde nach einem längeren Prozess zu lebenslanger Haft verurteilt. Chan, der ehemalige Mönch kam als Kronzeuge mit fünf Jahren Haft davon. Und was machte Nai? Sie ließ sich scheiden und lebt jetzt mit einem Schweizer zusammen, der zwar geizig ist, aber das war ihr von Anfang an klar, zumindest verdient er sein Geld auf legale Art. Eigentlich ist dies eine zwar etwas ungewöhnliche, aber nicht außergewöhnliche Geschichte in Thailand. Aber diese Geschichte ist noch nicht zu Ende, denn es gibt noch eine Pointe, die ich nicht erfunden habe,  genauer gesagt, es ist ein Gerücht, das ich von anderen Thais erfahren habe, die diesen Leuten nahe standen. Sven, der neue Lebenspartner von Nai verspielte ein Vermögen in den Casinos von Kambodscha und trank bis zum Umfallen. Nai wusste nicht mehr, wie sie ein normales Leben führen sollte. Als Sven wieder einmal stockbesoffen heimkam, lockte sie ihn mit einer Zigarette auf den Balkon und schubste ihn über die Absperrung. Keiner hat etwas gesehen, keiner kann etwas dazu sagen. Die Polizei stellte abschließend fest, dass es sich um einen Unfall handelte. Alles andere hätte ja auch nur unnötige Arbeit bedeutet.

Und wer will schon arbeiten, wenn es auch ohne geht?

Überzeugen Sie sich von unserem Online-Abo:
Die Druckausgabe als vollfarbiges PDF-Magazin weltweit herunterladen, alle Artikel vollständig lesen, im Archiv stöbern und tagesaktuelle Nachrichten per E-Mail erhalten.

Leserkommentare

Für unabhängige Themen senden Sie einen Leserbrief an die Redaktion. Allgem. Kommentardiskussion

Pflichtfelder
Mike Dong 22.10.17 18:37
Farang Ehemann begeht Selbstmord, Sie wird Nonne u heiratet einen Mönch, der wird Drogenhändler, Scheidung, nächster Farang u den schubst sie von Balkon. Klar, hört sich plausibel an, passiert sicherlich jeden Tag.
Dracomir Pires 22.10.17 13:51
Mir hat nur der Satz ...
... nicht gefallen, dass dieser Schweizer "geizig" sei. Ich würde es eher als vorsichtig, erfahren, gebrannt oder weitsichtig bezeichnen. Es sind schon viel zu viele (nicht geizige) Farangs auf den Knien heimgekehrt.
winfried zietlow 22.10.17 13:49
Ich denke...
...ein ganz normaler Vorgang in Thailand vom Anfang bis zum Ende. Sonderschülerkarriere in Farangland, Alkohol, Spielsucht, Drogen, Party, Dummheit wie sie im Buche steht. Wer zu blöd ist, die Vorteile des Landes einfach zu genießen und sich gehen lässt, sich mit superschönen Vorzeige-ex-prostituierten einlässt und nicht rechtzeitig die Kurve kriegt, der hat es nicht besser verdient. Ein anderes Beispiel sind auch diese alten verarmten, unzufriedenen, ungepflegten ewig in Selbstmitleid versinkenden Nörgler, die hier dahinvegetieren und alle normalen Menschen verrückt machen mit ihren Sonderschülerweisheiten und die in Farangland nichtmal als chlaochards durchgehe würden! Sorry, kein Mitleid mit ihrem Schicksal.
Wolf yahoo.de 22.10.17 13:44
Bravo! Mitten aus dem Leben.
Dieses Mal finde ich Ihren Artikel sehr Interessant Herr Ce-eff Krüger! ich will gar nicht wissen wie oft, wenn mal wieder einer versuchte wie Superman zu fliegen, solche eine oder eine ähnliche Geschichte dahinter steckt. Zum Leben gehören nun mal Höhen und Tiefen und der alte Spruch trifft immer wieder zu "Wer hoch fliegt, kann auch tief fallen". Also immer aufpassen, dass man nicht zu hoch fliegt, dann wird der Aufprall nicht so schmerzhaft. Gruß Wolf