Fast die Hälfte der Graslandschaften in schlechtem Zustand

Schafe ziehen durch das karge Weideland des Schafzüchters Wayne Smiths Nahe Pooncarie. Foto: Dean Lewins/Aap/dpa
Schafe ziehen durch das karge Weideland des Schafzüchters Wayne Smiths Nahe Pooncarie. Foto: Dean Lewins/Aap/dpa

BONN: Fast die Hälfte der weltweiten Landflächen sind Graslandschaften. Sie dienen Wildtieren als Lebensraum und Vieh als Weidegebiete. Doch ihre Bodenqualität schwindet, warnt ein UN-Bericht.

Die natürlichen Graslandschaften - mehr als die Hälfte der globalen Landfläche - sind in großen Teilen in schlechtem Zustand. Bei bis zu 50 Prozent dieser Rangelands genannten Gebiete sei die Bodenqualität vermindert, schreiben Fachleute in einem UN-Bericht, der am Dienstag veröffentlicht wurde.

Es handle sich um «eine ernsthafte Bedrohung für die Nahrungsmittelversorgung der Menschheit und das Wohlergehen oder gar Überleben von Milliarden von Menschen», teilte das Sekretariat des Übereinkommens der Vereinten Nationen zur Bekämpfung der Desertifikation (UNCCD) in Bonn mit.

«Wenn wir einen Wald abholzen, wenn wir einen 100 Jahre alten Baum umfallen sehen, löst das bei vielen von uns zu Recht eine emotionale Reaktion aus. Die Umwandlung uralter Weideflächen hingegen geschieht in aller Stille», sagte UNCCD-Exekutivsekretär Ibrahim Thiaw.

Unter Rangelands versteht man verschiedene, von Wild und Vieh beweidete Landschaften mit vorrangig natürlicher Vegetation. In Deutschland gibt es solche Flächen nach der UNCCD-Definition nicht, wie eine Karte in dem Bericht zeigt. Zwar gebe es hierzulande auch Grasland, sagte Grünlandexpertin Anja Schmitz vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) der Deutschen Presse-Agentur. Es mache etwa ein Drittel der landwirtschaftlichen Nutzfläche aus. Bis auf wenige Ausnahmen sei die hiesige Graslandvegetation jedoch nicht natürlich, sondern durch landwirtschaftliche Nutzung entstanden.

Weltweit machen Rangelands laut UN-Bericht rund 54 Prozent der Landfläche aus. «Sie stehen für ein Sechstel der weltweiten Nahrungsmittelproduktion und stellen fast ein Drittel des Kohlenstoffspeichers der Erde dar», schreibt die UNCCD. Rund zwei Milliarden Menschen seien auf die Gebiete angewiesen.

Als Hauptgründe für die schlechte Situation gibt die UNCCD vor allem Änderungen der Landnutzung an. So werden Weiden in Ackerland umfunktioniert, auch getrieben von der rasant wachsenden Nachfrage nach Nahrungsmitteln, Textilfasern und Biosprit. Zudem ist es demnach problematisch, wenn Weiden übermäßig durch Tierherden beansprucht werden - oder sie nicht mehr durch Hirten gepflegt werden und verwildern. Auch die Klimakrise und der Verlust der biologischen Vielfalt machten Weidelandschaften zu schaffen, so die UNCCD.

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