UN-Entwicklungschef: Deutschland sollte Vorbild und Investor sein

Der deutsche Achim Steiner, Untergeneralsekretär und Exekutivdirektor des UN-Umweltprogramms (UNEP), spricht während eines Pressegesprächs über die Aufnahme neuer Chemikalien in das Stockholmer Übereinkommen. Foto: epa/Martial Trezzini
Der deutsche Achim Steiner, Untergeneralsekretär und Exekutivdirektor des UN-Umweltprogramms (UNEP), spricht während eines Pressegesprächs über die Aufnahme neuer Chemikalien in das Stockholmer Übereinkommen. Foto: epa/Martial Trezzini

STOCKHOLM: Deutschland kann nach Ansicht des Leiters des UN-Entwicklungsprogramms UNDP, Achim Steiner, sowohl als Vorbild als auch als Geldgeber beim weltweiten Klima- und Umweltschutz dienen. Vereinfacht formuliert könnten reiche Länder wie die Bundesrepublik drei Dinge tun, um ärmeren Ländern unter die Arme zu greifen, sagte der Deutsch-Brasilianer am Freitag am Rande des Umweltgipfels Stockholm+50 der Deutschen Presse-Agentur: «Mit gutem Beispiel vorangehen, Verantwortung übernehmen und vor allem den Ländern zur Seite zu stehen, von denen wir heute Dinge erwarten, die wir selber jahrzehntelang nur sehr bedingt leisten konnten, nämlich die großen Sprünge zum Beispiel bei Klimawandel, Energiewende, Verkehrswende.»

Man stehe beim Thema Klima wirklich mit dem Rücken zur Wand, betonte Steiner. Gleichzeitig erwarte man von Entwicklungsländern, dass sie Erstaunliches leisten sollten. Gerade ein Land wie Deutschland, das zu den reichsten Staaten der Erde zähle, müsse sich an Investitionen beteiligen. «Das sind keine Almosen, sondern wir sind sozusagen Co-Investor.» Letztlich profitiere auch die Bundesrepublik davon, wenn Entwicklungsländer den Übergang schneller schafften.

Der zweitägige Umweltgipfel Stockholm+50 findet seit Donnerstag in der Heimatstadt von Klimaaktivistin Greta Thunberg statt. 50 Jahre nach der ersten UN-Umweltkonferenz ging es dabei vor allem um die Frage, wie das Tempo beim Kampf für Klima und Artenvielfalt sowie gegen die Verschmutzung des Planeten beschleunigt werden kann.

Stockholm sei 1972 Ausgangspunkt einer modernen Umweltpolitik gewesen, sagte Steiner. Mit Blick auf Thunberg sagte er, es sei interessant, dass fast fünf Jahrzehnte später wieder eine ganz neue erstaunliche Bewegung aus der schwedischen Hauptstadt gekommen sei. «Das Wunderbare an der Geschichte von Greta ist ja, dass sie mit einer Idee letztlich Millionen von Gretas mit auf die Straße gebracht hat.» Der Klimawandel sei heute ein zentrales Thema geworden, das die gesamte Weltwirtschaft und Energiepolitik verändere.

Seit 1972 seien zwar kleinere und große Durchbrüche im Umweltschutz erreicht worden, sagte Steiner. Diese reichten aber nicht aus. Immer wieder seien dabei Krisen dazwischengekommen. Die Corona-Pandemie habe letztlich dazu geführt, dass man zwar immer noch zu langsam, aber schneller vorangehe als zuvor. Angesichts des Ukraine-Kriegs sei die größte derzeitige Gefahr, dass man sich durch kurzfristiges Krisenmanagement von dem Übergang zu einer kohlenstoffärmeren Energiewirtschaft ablenken lasse. «Wenn das geschieht, dann wird die Menschheit wirklich einen sehr teuren Preis zahlen, der weit noch über das hinausgeht, was die Ukrainer im Augenblick erleiden müssen.»

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Jürgen Franke 06.06.22 16:40
Selbstverständlich könnte Deutschland das machen,
was Herr Steiner vorschlägt, denn Geld ist reichlich vorhanden, da es laufend gedruckt wird. Die Medien werden, wie immer, dafür sorgen, dass auch die Menschen im Lande diesen Vorschlag gut und richtig erachten.