Ukrainekrieg: Neueste Meldungen am Freitag

Foto: epa/dpa Fotomontage
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Niederlande liefern Ukraine weiteres Patriot-Flugabwehrsystem

DEN HAAG: Immer wieder greift Russland die Ukraine aus der Luft an und zerstört Anlagen und Städte. Nun bekommt Kiew aber weitere Unterstützung bei der Flugabwehr. Aus den Niederlanden kommt ein Patriot-System.

Die Niederlande liefern nach eigenen Angaben zusammen mit einem anderen Land der Ukraine ein weiteres Flugabwehrsystem vom Typ Patriot. Es sei gelungen, einen vollständigen Komplex zusammenzustellen, sagte die niederländische Verteidigungsministerin Kasja Ollongren am Freitag der Nachrichtenagentur ANP zufolge. Die Flugabwehr ist für die Ukraine eins der wichtigsten Themen in diesem Krieg, um sich gegen die ständigen russischen Angriffe aus der Luft zur Wehr setzen zu können.

Ende Mai hatte die niederländische Regierung angekündigt, ein Flugabwehrsystem für die Ukraine aus verschiedenen Teilen zusammenbauen und dabei «Kernelemente» liefern zu wollen. Zugleich hatte Ollongren damals europäische Partnerländer dazu aufgerufen, ebenfalls Teile zuzuliefern. Nun nannte sie das Land nicht, das bei der Zusammenstellung der Patriot-Batterie geholfen hatte. Die Bekanntmachung sei Angelegenheit der dortigen Regierung, sagte Ollongren. Die Flugabwehr sei aber wichtig für die angegriffene Ukraine, betonte die Ministerin.

Das Patriot-System aus den Niederlanden ist bereits das zweite in dieser Woche für Kiew, nachdem zuvor bereits Rumänien eins abgegeben hatte.


Russland setzt neue tonnenschwere Bombe im Krieg gegen Ukraine ein

CHARKIW: Seit zwei Jahren zerstört Russland in seinem Angriffskrieg systematisch die Ukraine. Nun setzt Moskau dabei auf noch schwerere Bomben.

Das russische Militär setzt bei seiner Offensive im Gebiet Charkiw im Nordosten der Ukraine offenbar auf eine neue superschwere Bombe. «Angesichts des bedeutenden Zerstörungseffekts dieses Sprengsatzes kann man den Einsatz als erfolgreich bezeichnen», zitierte die staatliche Nachrichtenagentur Tass am Freitag den kremlnahen Militäranalysten Igor Korotschenko. Mit dem Einsatz gegen die wichtigsten Infrastrukturobjekte der ukrainischen Streitkräfte könne der Vormarsch gelingen, sagte er. Medienangaben nach wurde beim ersten Abwurf freilich ein Krankenhaus bombardiert.

Die von russischen Militärbloggern veröffentlichten Bilder zeugen von einer gewaltigen Sprengwirkung. Bislang sind zwei Einsätze dokumentiert. Nach dem ersten Bombardement eines Krankenhauses in Lypzi am Donnerstag wurde am Freitag mit einer zweiten Bombe ein Schulgebäude in derselben Ortschaft zerstört. Das russische Militär behauptet, dass sich dort Soldaten aufgehalten hätten, es sich also um militärische Ziele handle.

Die aus Flugzeugen abgeworfene Gleitbombe vom Typ FAB-3000 ist drei Tonnen schwer, wobei allein der Sprengkopf rund 1200 Kilogramm wiegen soll. Da sich die Bombe dank ihrer Flügel ins Ziel lenken lässt, kann sie aus einer Entfernung von mehr als 30 Kilometern abgeworfen werden. Die russischen Piloten klinken die Bomben daher zumeist noch über russischem Gebiet aus. Auch deswegen hat Kiew neben einer verstärkten Flugabwehr auch immer wieder gefordert, mit westlichen Waffen auch militärische Ziele über russischem Gebiet angreifen zu können.


Belarus beginnt größeres Militärmanöver

MINSK: Die belarussische Armee übt in zwei Regionen - eine an der Grenze zu Polen, die andere dicht bei Russland. Doch beide liegen auch an der Grenze zur Ukraine.

Russlands enger Verbündeter Belarus hat ein größeres Militärmanöver begonnen. Das Verteidigungsministerium in Minsk machte am Freitag keine Angaben zur Zahl der eingesetzten Soldaten und Technik. Beteiligt seien Einheiten der operativen Führung, Spezialtruppen, Raketentruppen, Artillerie, Luftwaffe sowie Flugabwehr, wurde in Minsk mitgeteilt. Im ersten Teil der Übung sollten die Truppen in die vorgegebenen Manövergebiete verlegt werden und ihre Stellungen dort befestigen. Danach sollten die eigentlichen Gefechtsübungen beginnen, hieß es.

Genannt wurden Truppenübungsplätze im Gebiet Brest an der Westgrenze von Belarus zu Polen sowie im Gebiet Gomel im Osten an der Grenze zu Russland. Beide Regionen grenzen zugleich von Norden an die Ukraine. Belarus ist unter dem diktatorischen Machthaber Alexander Lukaschenko eng mit Russland verbündet. Moskau hat taktische Atomwaffen in Belarus stationiert und hat das Nachbarland auch als Aufmarschgebiet für den Krieg gegen die Ukraine genutzt.


Abkommen mit Nordkorea: Südkorea bestellt Russlands Botschafter ein

SEOUL: Russlands Partnerschaftsabkommen mit Nordkorea lässt in Südkorea die Alarmglocken schrillen. Seoul bestellt deswegen den russischen Botschafter ein.

Südkoreas Regierung hat bei Russland offiziell Protest gegen sein neues Partnerschaftsabkommen mit Nordkorea eingelegt und zum unverzüglichen Stopp der militärischen Zusammenarbeit mit dem abgeschotteten Nachbarland aufgerufen. Zwei Tage nach dem Besuch des russischen Präsidenten Wladimir Putin in Nordkorea bestellte Südkoreas Außenministerium am Freitag den russischen Botschafter in Seoul, Georgi Sinowiew, ein. Vizeaußenminister Kim Hong Kyun habe die Position der Regierung übermittelt, wonach sie in Zusammenarbeit mit der internationalen Gemeinschaft entschieden gegen jedes Verhalten vorgehen wolle, das die Menschen in Südkorea bedrohe, teilte das Ministerium mit. Nordkorea entwickle seit Jahrzehnten illegal Atomwaffen und Raketen und drohe damit, diese gegen Südkorea zu verwenden.

Jede Kooperation, die Nordkorea direkt oder indirekt helfe, seine militärischen Fähigkeiten zu erweitern, stelle eine Verletzung von Resolutionen des UN-Sicherheitsrats gegen Pjöngjang dar, wurde Kim zitiert. Der Vizeaußenminister warnte demnach auch vor negativen Folgen für das russisch-südkoreanische Verhältnis. «Russland sollte verantwortungsvoll handeln.»

Südkorea hatte bereits am Donnerstag das Abkommen Russlands mit Nordkorea über eine umfassende strategische Partnerschaft, das beide Seiten in Pjöngjang unterzeichnet hatten, verurteilt. Der Vertrag sieht auch einen gegenseitigen Beistand im Kriegsfall vor. Der Vertrag hat aus Sicht Südkoreas das Ziel, auch die militärische Zusammenarbeit zu stärken. Südkoreas Nationaler Sicherheitsberater Chang Ho Jin hatte angedeutet, dass sein Land die bisherige Ablehnung einer Waffenlieferung an die Ukraine ablegen könne. Wegen des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine beteiligt sich Südkorea an den Finanzsanktionen gegen Moskau. Es exportiert aber keine Kriegswaffen an Kiew. Putin hatte Südkorea im Fall von Waffenlieferungen an die Ukraine mit schweren Konsequenzen gedroht.


Russland meldet ukrainische Drohnenangriffe auf Öl-Raffinerie

KRASNODAR: Nach einem nächtlichen mutmaßlich ukrainischen Drohnenangriff ist nach offiziellen Angaben auf dem Gelände einer Ölraffinerie im südrussischem Gebiet Krasnodar ein Brand ausgebrochen. Zwei Menschen seien dabei verletzt worden, der Brand aber bereits wieder gelöscht, teilte das Krisenreaktionszentrum der Region am frühen Freitagmorgen laut staatlicher Nachrichtenagentur Tass mit. Ein Nebengebäude sei beschädigt worden. Darüber hinaus seien infolge eines massiven Drohnenangriffs auf die Region in den frühen Morgenstunden der Busbahnhof in Juschny und ein Kesselwerk in der Stadt Krasnodar beschädigt worden. Durch herabstürzende Fragmente einer Drohne seien mindestens vier Menschen verletzt worden.

Seit mehr als zwei Jahren führt Russland einen Angriffskrieg gegen das Nachbarland. Mit westlicher Militärhilfe wehrt sich die Ukraine gegen die Invasion. Dabei werden auch immer wieder Ziele auf russischem Gebiet angegriffen, um den militärischen Nachschub zu verhindern oder zu erschweren. Seit Monaten werden neben rein militärischen Objekten verstärkt selbst Ölraffinerien und Transportinfrastruktur in Russland angegriffen. Dies soll Moskau die Kriegsführung wirtschaftlich und logistisch erschweren. Die Zahl der Opfer und die Schäden auf russischem Gebiet stehen in keinem Verhältnis zu den massiven Zerstörungen und Tausenden Toten und Verletzten in der Ukraine.

Die ukrainische Luftwaffe teilte am Freitagmorgen mit, Russland habe in der Nacht vier Marschflugkörper auf die Ukraine abgefeuert. Alle vier seien abgefangen worden.


«de Volkskrant»: Nato-Generalsekretär muss Konsens fördern

AMSTERDAM: Zur absehbaren Ernennung des Niederländers Mark Rutte zum neuen Nato-Generalsekretär heißt es am Freitag in der Amsterdamer Zeitung «de Volkskrant»:

«Mark Rutte wird Generalsekretär der Nato zu einem entscheidenden Zeitpunkt in der Geschichte des Bündnisses, Europas und der transatlantischen Beziehungen. Zehn Jahre nach der Annexion der Krim durch Russland erlebt Europa den größten Krieg seit 1945. Ein entscheidender Faktor für den Ausgang der Kämpfe in der Ukraine ist die Haltung der Nato-Verbündeten. Werden sie die Ukraine auch nach der US-Präsidentschaftswahl im November weiter unterstützen? Und wenn ja, in welchem Umfang? (...)

Der Nato-Generalsekretär kann Themen auf die Tagesordnung setzen, aber seine Hauptaufgabe ist es, Konsens zu erleichtern (und zu fördern) - insbesondere in Zeiten des Krieges und der offenen Zweifel über die Zukunft des amerikanischen Bekenntnisses zu Artikel 5 des Nordatlantikvertrags: der Verpflichtung zum gegenseitigen Beistand im Falle eines bewaffneten Angriffs auf einen Verbündeten. (...) In den USA steht die Präsidentschaftswahl vor der Tür. Die Möglichkeit, dass Donald Trump sie gewinnt, ist real. Und Trumps erste Präsidentschaft hatte die Beziehungen innerhalb des Bündnisses bereits stark belastet.»

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Konrad Stoll 21.06.24 14:00
Ukraine
Das wird danach in absehbarer Zeit das ende des Krieges bedeuten, ausser Deutschland ist niemand in der lage den Krieg zu stemmen und auch Deutschland wird das mit der heutigen wirtschaftlichen Lage überfordern.