Ukraine-Krise: Aktuelles Geschehen am Sonntag

Foto: epa/dpa
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Kreml wirft Europaparlament Hass auf Russland vor

MOSKAU: Als Reaktion auf die Verurteilung Russlands als staatlichen Unterstützer von Terrorismus hat der Kreml dem Europaparlament eine «ungezügelte Russophobie und Hass auf Russland» vorgeworfen. Es gebe im EU-Parlament ein «riesiges Defizit an Professionalität», sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow am Sonntag laut Agentur Itar-Tass im russischen Staatsfernsehen. Die Parlamentarier seien von Emotionen geleitet. Ohnehin sei die Resolution rechtlich nicht bindend und Moskau nehme sich die Verurteilung «nicht zu Herzen».

Eine große Mehrheit der Abgeordneten des Europaparlaments hatte am Mittwoch einer Resolution zugestimmt, die Russland als einen «terroristische Mittel einsetzenden Staat» bezeichnet.

Bisher kennt das europäische Recht keine Kategorie oder Liste für Staaten, die Terrorismus unterstützen. Das EU-Parlament hatte auch gefordert, die diplomatischen Beziehungen zu Russland weiter einzuschränken. Zudem werden in der Resolution weitere Strafmaßnahmen wie ein Embargo gegen russische Diamanten gefordert. Russland hatte vor gut neun Monaten einen Angriffskrieg gegen das Nachbarland Ukraine begonnen.


Russland will Leihmutterschaften für Ausländer verbieten

MOSKAU: Das russische Parlament will Leihmutterschaften für ausländische Eltern in Russland verbieten. Die Staatsduma werde Anfang Dezember ein entsprechendes Gesetz auf den Weg bringen, kündigte Parlamentschef Wjatscheslaw Wolodin am Sonntag im Nachrichtenkanal Telegram an. In den vergangenen Jahren seien rund 45.000 von Leihmüttern in Russland geborene Babys ins Ausland gebracht worden, sagte er. Dies sei «ein großes illegales Geschäft», dessen Umsatz auf mehr als zwei Milliarden Euro geschätzt werde. «Kinderhandel ist inakzeptabel», schrieb Wolodin.

In Deutschland ist die Leihmutterschaft verboten. Hierzulande tätige Vermittler und behandelnde Ärzte müssen mit Strafen rechnen. Nicht strafbar machen sich hingegen sogenannte Wunscheltern, die ins Ausland gehen. In Russland ist die Leihmutterschaft bisher erlaubt, so dass manche deutsche Paare und auch Alleinstehende dort ihren Kinderwunsch mit Hilfe einer Leihmutter verwirklichen. Als ein Zentrum der kommerziellen Leihmutterschaft gilt auch die Ukraine.

Leihmütter sind mit dem Kind, das sie austragen, nicht genetisch verwandt - ihnen werden ein Embryo oder mehrere Embryonen eingesetzt, die durch künstliche Befruchtung erzeugt wurden.


Militärgouverneur: Massive russische Angriffe auf Cherson

KIEW: Die russische Armee hat das von ukrainischen Truppen zurückeroberte Gebiet Cherson nach Angaben der regionalen Militärverwaltung seit Samstag mehr als 50 Mal beschossen. Militärgouverneur Jaroslaw Januschewitsch warf Russland am Sonntag Terror und gezielte Angriffe auf Zivilisten vor. Im Nachrichtenkanal Telegram berichtete er von einem Toten und zwei Verletzten. Granaten hätten auch Wohnhäuser getroffen. Mehrere Ortschaften entlang dem nordwestlichen Ufer des Flusses Dnipro seien unter Beschuss. Die Angaben waren nicht unabhängig überprüfbar.

Die Lage in der Stadt Cherson ist auch wegen der Zerstörungen der Stromleitungen und der Infrastruktur kritisch. Nach und nach werden nach Angaben der Militärverwaltung die Haushalte wieder an das Stromnetz angeschlossen. Fünf Prozent der Bewohner hätten wieder Licht in ihren Wohnungen. Auch ein Krankenhaus habe wieder Strom. Wegen der schwierigen Lage hatte die ukrainische Regierung vor wenigen Tagen erste Zivilisten aus der zurückeroberten Stadt evakuiert. Mit dem Zug wurden rund 100 Menschen nach Chmelnyzkij in den Westen des Landes gebracht.

Unter dem Druck ukrainischer Angriffe hatten russische Truppen Cherson nach mehr als acht Monaten Besatzung Mitte November geräumt.


London: Russland mit schweren Verlusten in Region Donezk

LONDON: Russland hat nach Einschätzung britischer Geheimdienste in der schwer umkämpften Region Donezk viele Gefallene zu beklagen. Rund um die Städte Pawliwka und Wuhledar im Süden der Region habe es in den vergangenen zwei Wochen intensive Kämpfe mit schweren Verlusten für die russische Marineinfanterie gegeben, hieß es am Sonntag in einem Bericht des britischen Verteidigungsministeriums. London wertet die Kämpfe auch als Zeichen dafür, dass Russland die Region als möglichen Startpunkt einer Offensive Richtung Norden sieht.

Das britische Verteidigungsministerium veröffentlicht seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine Ende Februar unter Berufung auf Geheimdienstinformationen täglich Informationen zum Kriegsverlauf. Damit will die britische Regierung sowohl der russischen Darstellung entgegentreten als auch Verbündete bei der Stange halten. Moskau wirft London eine Desinformationskampagne vor.


Fast überall in Kiew wieder Strom

KIEW: Vier Tage nach schweren russischen Angriffen gibt es in der ukrainischen Hauptstadt Kiew fast überall wieder Strom. Seit Sonntagmorgen sei die Versorgung mit Strom, Wasser, Wärme und Mobilnetz in der Drei-Millionen-Einwohner-Metropole nahezu vollständig wiederhergestellt, teilte die Militärverwaltung im Nachrichtenkanal Telegram mit. Die Reparaturarbeiten am Stromnetz befänden sich in der Endphase. Aufgrund der hohen Belastung könne es noch zu lokalen Ausfällen kommen.

Wegen der tagelangen Stromausfälle in Kiew hatte zuvor Präsident Wolodymyr Selenskyj Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko ungewöhnlich offen kritisiert. Der ehemalige Box-Weltmeister warnte daraufhin vor politischem Streit und rief zu Zusammenhalt auf. Klitschko versicherte in der «Bild am Sonntag», dass in «Rekordtempo» an der Wiederherstellung der Stromversorgung gearbeitet werde.

Mit Dutzenden Raketen und Marschflugkörpern hatte Russland am Mittwoch gezielt die Energie-Infrastruktur des Nachbarlandes beschossen und schwere Schäden angerichtet. Auch in vielen anderen Landesteilen fielen Strom, Wasser und Wärmeversorgung aus. Russland führt seit dem 24. Februar einen Angriffskrieg gegen die Ukraine.


Luftalarm in der Ukraine - Raketen treffen Stadt Krywyj Rih

KIEW: Bei einem russischen Raketenangriff ist nach ukrainischen Angaben die Großstadt Krywyj Rih im Süden des Landes getroffen worden. Zwei Raketen hätten am Sonntagmorgen eine Verkehrsinfrastruktureinrichtung zerstört, teilte Militärgouverneur Walentyn Resnitschenko im Nachrichtenkanal Telegram mit. Einzelheiten nannte er nicht. Die Militärverwaltung rief die Bevölkerung auf, sich in Luftschutzkellern in Sicherheit zu bringen. In der Stadt sei es zu Explosionen gekommen. Über Opfer wurde zunächst nichts bekannt.

In mehreren Gebieten im Osten und Süden der Ukraine wurde Luftalarm ausgelöst. Auch der Bezirk Nikopol nördlich des Flusses Dnipro wurde nach ukrainischen Angaben mit Granaten und schwerer Artillerie beschossen. In der Nacht zum Sonntag trafen außerdem zwei Raketen einen landwirtschaftlichen Betrieb in einem Vorort der südukrainischen Stadt Saporischschja, wie das Militär mitteilte. Tote oder Verletzte habe es nicht gegeben.

Am Samstag waren bei erneuten russischen Raketenangriffen auf die ukrainische Industriestadt Dnipro nordöstlich von Krywyj Rih laut Militärgouverneur Resnitschenko,mindestens 13 Menschen verletzt worden. Russland führt seit mehr als neun Monaten einen Angriffskrieg gegen das Nachbarland.


Stoltenberg lobt Deutschlands Hilfe für die Ukraine

BERLIN: Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg hat die deutsche Unterstützung für die Ukraine in deren Abwehrkrieg gegen Russland gelobt. «Deutschlands starke Unterstützung macht einen entscheidenden Unterschied», sagte Stoltenberg zu «Welt am Sonntag». Die Waffenlieferungen aus Deutschland retteten Leben, sagte der frühere norwegische Regierungschef zwei Tage vor dem Treffen der Nato-Außenminister in Bukarest. «Wir alle müssen unsere Unterstützung für die Ukraine aufrechterhalten und verstärken.»

Deutschland hat der Ukraine bisher das moderne Luftabwehrsystem Iris-T geliefert, drei weitere sollen im kommenden Jahr folgen. Angesichts der ständigen russischen Raketen- und Drohnenangriffe benötigen die ukrainischen Streitkräfte in erster Linie weitere Luftabwehr-Waffen.

Zur aktuellen Lage in der Ukraine meinte Stoltenberg, dass der russische Präsident Wladimir Putin «mit mehr Brutalität» auf Niederlagen reagiere. Mit Einzug des Winters habe Moskau angefangen, die Energieversorgung der Ukraine zu bombardieren, um das Land in die Knie zu zwingen. «Putin versucht den Winter als Waffe zu nutzen. Aber er wird damit keinen Erfolg haben«, sagte Stoltenberg.

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