Ukraine-Krise: Aktuelles Geschehen am Sonntag

Foto: epa/dpa
Foto: epa/dpa

Selenskyjs Appell an Belarus: Lasst Euch nicht in Krieg hineinziehen

KIEW: Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat die Menschen im Nachbarland Belarus aufgerufen, sich nicht in den russischen Angriffskrieg in der Ukraine hineinziehen zu lassen. «Der Kreml hat bereits alles für Sie entschieden», sagte er am Sonntag mit Blick auf Moskau in seiner abendlichen Videoansprache. «Aber Ihr seid keine Sklaven und Kanonenfutter. Ihr dürft nicht sterben.» Die Menschen sollten nicht andere für Belarus entscheiden lassen.

Am Samstag hatte sich der belarussischen Machthaber Alexander Lukaschenko abermals mit Russlands Präsident Wladimir Putin getroffen. Dabei kündigte der Kremlchef die Lieferung von Raketensystemen vom Typ Iskander-M nach Belarus an, die auch mit nuklearen Sprengköpfen bestückt werden können. Nach jüngsten Angaben aus Kiew griffen russische Truppen die Ukraine zuletzt auch von Belarus aus an. Das Land ist ein enger Verbündeter Russlands.

«Ich weiß, dass die Menschen in Belarus uns unterstützen, nur uns, nicht den Krieg. Und deshalb will die russische Führung Sie in einen Krieg hineinziehen», sagte Selenskyj.

Zugleich forderte er mit Blick auf russische Angriffe abermals mehr Waffen. Jede Verzögerung von Waffenlieferungen an die Ukraine sei eine Einladung an Russland, weiter zuzuschlagen. «Wir brauchen eine schlagkräftige Luftverteidigung - modern, wirksam.» Es gebe bereits Vereinbarungen mit Partnern, doch die müssten sich schneller bewegen.


Krim-Vertreter: Erneut Bohrinsel im Schwarzen Meer angegriffen

KIEW: Im Schwarzen Meer ist erneut eine Gasförderplattform angegriffen worden. Das teilten Vertreter der von Russland einverleibten Halbinsel Krim am Sonntagabend mit, wie die russische Staatsagentur Tass meldete. Sie machten die Ukraine für den Angriff verantwortlich. Das ließ sich nicht überprüfen. Es habe keine Verletzten gegeben, hieß es. Unklar war, ob ein Feuer ausbrach.

Erst am Montag waren drei Bohrinseln im Schwarzen Meer mit Raketen attackiert worden. Die ursprünglich ukrainischen Anlagen waren im März 2014 im Zuge der Annexion der Krim besetzt worden. Ende Februar dieses Jahres marschierten russische Truppen in die Ukraine ein. Auch das Seegebiet des Schwarzen Meeres ist dabei von Kämpfen betroffen.


Russland will Süden der Stadt Lyssytschansk blockieren

LYSSYTSCHANSK: Nach der Einnahme der Stadt Sjewjerodonezk in der Ostukraine durch russische Truppen gehen die Kämpfe um die Stadt Lyssytschansk weiter. Der Feind versuche verstärkt mit Unterstützung der Artillerie, die strategisch wichtige Stadt aus südlicher Richtung zu blockieren, teilte der ukrainische Generalstab am Sonntagabend mit. Dabei seien auch zivile und militärische Infrastruktur getroffen worden. Das ließ sich nicht unabhängig überprüfen.

Russland war vor vier Monaten in die Ukraine einmarschiert und hat seitdem weite Teile des Ostens und Südens des Landes erobert. Im Gebiet Luhansk kontrollieren ukrainische Truppen nur noch die Großstadt Lyssytschansk. Auch dort sind russische Soldaten allerdings schon bis an den Stadtrand vorgedrungen. Das russische Verteidigungsministerium hatte die Einnahme von Sjewjerodonezk am Samstag bekannt gegeben. Die Ukraine räumte den Verlust ebenfalls ein.


Von der Leyen: G20 nicht von Putin kaputt machen lassen

ELMAU: EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat sich gegen einen Boykott des G20-Gipfels im Herbst ausgesprochen - auch wenn Russlands Präsident Wladimir Putin am nächsten Treffen teilnehmen sollte. «Wir müssen sehr genau überlegen, ob wir die gesamte G20 lahmlegen, da plädiere ich nicht dafür», sagte von der Leyen am Sonntagabend dem ZDF-«heute journal». «Meines Erachtens ist G20 zu wichtig, auch für die Entwicklungsländer, die Schwellenländer, als dass wir uns dieses Gremium kaputt machen lassen sollten auch wieder von Putin.» Das Interview fand am Rande des G7-Gipfels auf Schloss Elmau in Bayern statt.

Der nächste Gipfel der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer findet Mitte November auf der indonesischen Insel Bali statt. Zu der Gruppe gehört auch Russland - eine Teilnahme Putins ist also möglich. Es sei wichtig, Putin «ins Gesicht zu sagen, was wir von ihm halten und was wir von dieser Art des Handelns halten», sagte von der Leyen mit Blick auf den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine. «Eines ist ganz klar: Es wird kein «business as usual» geben, also nicht Normalität.»


G7-Gipfel berät über Ukraine, Energie, Klimakrise und Hunger

ELMAU: Am zweiten Tag des G7-Gipfels auf Schloss Elmau in Bayern wird der russische Angriffskrieg in der Ukraine eines der beherrschenden Themen sein. Gleich am Montagvormittag soll der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj zu den Beratungen der Staats- und Regierungschefs zugeschaltet werden. Bereits am Sonntag hatte Selenskyj erneut mehr Militärhilfe für sein Land gefordert.

Anschließend hat Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) die Staats- und Regierungschefs von fünf Gastländern zur Teilnahme an den Beratungen eingeladen: Indien, Indonesien, Südafrika, Senegal und Argentinien. In der größeren Runde sollen unter anderem die Klimakrise sowie die Themen Energiesicherheit und Gesundheit diskutiert werden. Später am Tag soll auch UN-Generalsekretär Antonio Guterres zugeschaltet werden, etwa zu Beratungen über die drohende Hungerkrise.

Der Gipfel der sieben wichtigen demokratischen Industriestaaten hatte am Sonntagmittag begonnen und dauert noch bis Dienstag. Zur G7 gehören neben Deutschland und den USA auch Kanada, Großbritannien, Frankreich, Italien und Japan. Zudem nehmen EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und Ratspräsident Charles Michel am Gipfel teil.


Weißes Haus: G7 starten globale Infrastruktur-Initiative

ELMAU: Die G7-Gruppe führender demokratischer Industriestaaten will China mit einer globalen Infrastruktur-Initiative Konkurrenz machen. Bei ihrem Gipfel in Bayern würden die Staats- und Regierungschefs der G7 eine «Partnerschaft für Globale Infrastruktur» formell ins Leben rufen, teilte das Weiße Haus am Sonntag mit. Das bereits im vergangenen Jahr angekündigte Vorhaben soll eine Alternative zu dem 2013 von China gestarteten Projekt «Neue Seidenstraße» sein, mit dem das Land neue Handelswege nach Europa, Afrika, Lateinamerika und in Asien erschließt.

«Gemeinsam mit G7-Partnern wollen wir 600 Milliarden Dollar bis 2027 für weltweite Infrastruktur-Investitionen mobilisieren», teilte das Weiße Haus mit. US-Präsident Joe Biden werde ankündigen, dass die USA in den nächsten fünf Jahren 200 Milliarden Dollar durch Zuschüsse, Bundesmittel und die Mobilisierung von Investitionen des Privatsektors bereitstellen wollten. Damit solle nachhaltige Infrastruktur geschaffen werden, «die das Leben der Menschen auf der ganzen Welt verbessert, unsere Lieferketten stärkt und diversifiziert, neue Möglichkeiten für amerikanische Arbeitnehmer und Unternehmen schafft und unsere nationale Sicherheit fördert».

Ein US-Regierungsvertreter sagte am Sonntag, die von den USA lancierte Initiative ziele auf Länder mit geringem oder mittlerem Einkommen ab. Ziel seien Infrastruktur-Investitionen, «die die Länder brauchen, ohne dass sie von außen diktiert werden». Die Projekte würden an hohe Standards gebunden sein, «um sicherzustellen, dass diese Investitionen wirtschaftlich und kommerziell getrieben sind und nicht in Schuldenfallen führen». Länder mit Mitteln aus dem chinesischen Projekt stellten fest, dass ihre Schulden wüchsen und dass die «sogenannten Investitionen» die Menschen nicht erreichten.

Der Kommunikationsdirektor des Nationalen Sicherheitsrates im Weißen Haus, John Kirby, hatte am Samstag gesagt, China werde «ein wichtiger Schwerpunkt» beim G7-Gipfel in Bayern sein. US-Außenminister Antony Blinken hatte China im vergangenen Monat trotz der akuten Krise durch den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine auf lange Sicht als größte Herausforderung für die internationale Ordnung dargestellt. Zur G7 gehören neben Deutschland und den USA auch Kanada, Großbritannien, Frankreich, Italien und Japan. Der Gipfel auf Schloss Elmau begann am Sonntag und dauert noch bis Dienstag.


Separatisten: 250 weitere Menschen aus Chemiefabrik Azot evakuiert

SJEWJERODONEZK: Prorussische Separatisten haben nach eigener Darstellung 250 weitere Menschen aus den Luftschutzkellern der Chemiefabrik Azot in Sjewjerodonezk im Osten der Ukraine evakuiert. Die Stadt war zuvor von russischen Truppen eingenommen worden. Unter den Evakuierten seien kleine Kinder, sagte der Vertreter der Luhansker Separatisten in Moskau, Rodion Miroschnik, am Sonntag.

Bereits am Samstag seien 200 Zivilisten aus dem Werk geholt worden, schrieb er im Nachrichtenkanal Telegram. Unklar war aber, wohin sie gebracht wurden. Am Samstag war noch eine weitaus höhere Zahl der Evakuierten genannt worden. Das lässt sich nicht überprüfen.

Der ukrainische Militärgouverneur des Gebiets Luhansk hatte die Zahl der Zivilisten in den Schutzkellern des Chemiewerks vor dem Abzug der ukrainischen Truppen mit 568 angegeben.

Das russische Verteidigungsministerium hatte am Samstag die Einnahme der zuletzt hart umkämpften Stadt Sjewjerodonezk bekannt gegeben.


Toter und Verletzte bei Raketenangriffen auf Tscherkassy in Ukraine

TSCHERKASSY: Neben Kiew hat auch die zentralukrainische Region Tscherkassy am Sonntag russische Raketenangriffe gemeldet. Infolge des Einschlags zweier Raketen seien nahe der Gebietshauptstadt ein Mensch getötet und fünf weitere verletzt worden, teilte der Gouverneur des Gebiets Tscherkassy, Ihor Taburez, mit. In sozialen Netzwerken kursierten zudem Videos von einer offenbar beschädigten Eisenbahnbrücke über den Fluss Dnipro. Die ukrainische Eisenbahn kündigte die vorübergehende Einstellung von Regionalbahnen bei Tscherkassy an.

In den frühen Morgenstunden war in Kiew unter anderem ein neunstöckiges Gebäude von einer Explosion erschüttert und teils zerstört worden. Ersten Erkenntnissen zufolge wurden dabei im Bezirk Schewtschenko vier Menschen verletzt und ein Mann getötet.


Scholz betont Geschlossenheit von G7, EU und Nato

ELMAU: Bundeskanzler Olaf Scholz hat die Geschlossenheit von G7, Europäischer Union und Nato angesichts des fortdauernden russischen Angriffskrieges auf die Ukraine unterstrichen. G7, EU und Nato hätten von Anfang an eng zusammen gestanden und geschlossen und entschlossen gehandelt, als es um die Unterstützung der Ukraine gegen den brutalen Angriff Russlands ging, sagte der SPD-Politiker am Sonntag beim Treffen der G7-Runde wirtschaftsstarker Demokratien im bayerischen Elmau. «Man kann sicher sagen, dass Putin nicht damit gerechnet hat und ihm das unverändert Kopfschmerzen bereitet», ergänzte der Kanzler.

Die aktuellen Raketenangriffe auf Kiew zeigten erneut, wie brutal der Krieg Putins sei, sagte Scholz. «Das zeigt, dass es richtig ist, dass wir zusammenstehen und die Ukrainerinnen und Ukrainer dabei unterstützen, ihr Land, ihre Demokratie, ihre Freiheit auf Selbstbestimmung zu verteidigen.»

Er habe sich mit US-Präsident Joe Biden am Vormittag sehr sorgfältig bilateral unterhalten, sagte Scholz. Man sei sich bei den Einschätzungen einig gewesen, was im Zusammenhang mit der Ukraine zu tun sei. «Deutschland und die USA werden immer gemeinsam handeln, wenn es um Fragen der Sicherheit der Ukraine geht.» Das sei von Anfang an so gewesen und das werde auch in Zukunft so bleiben. Man habe sich der gemeinsamen Vorgehensweise und der engen Kooperation erneut versichert.


Demonstrationszug gegen G7 wieder am Ausgangsort angekommen

GARMISCH-PARTENKIRCHEN: Der Demonstrationszug gegen das G7-Treffen hat im bayerischen Garmisch-Partenkirchen wieder seinen Ausgangspunkt erreicht. Dort sollte am Sonntagnachmittag die Schlusskundgebung stattfinden. Nach Polizeiangaben nahmen rund 900 Personen teil. Der Zug hatte zwar zwischenzeitlich wegen Diskussionen um die Auflagen gestockt, war insgesamt aber friedlich. Die Kundgebung wurde von einem massiven Aufgebot an Sicherheitskräften begleitet. In der Region sind insgesamt 18.000 Polizistinnen und Polizisten zum Gipfel im Einsatz.

Zu den zentralen Themen der Kundgebung gehörten die Klimakrise und die Angst vor einer Eskalation des Ukraine-Krieges. «Wir lassen nicht zu, dass sie unseren Planeten und unsere Zukunft zerstören», sagte eine Sprecherin auf der Kundgebung vor Zugbeginn in Richtung der Politik.


Scholz: G7 eint der Glaube an die Demokratie

ELMAU: Bundeskanzler Olaf Scholz hat sich optimistisch gezeigt, dass die G7-Staaten gemeinsam Antworten auf die Energiekrise infolge des russischen Angriffskriegs in Russland finden. «Uns eint der Blick auf die Welt, uns eint der Glaube an die Demokratie und die Rechtsstaatlichkeit», sagte Scholz am Sonntag nach ersten Beratungen auf dem G7-Gipfel im bayerischen Elmau. «Wir wissen, dass da etwas zu tun ist.» Die G7 seien eine «gute Gemeinschaft, um gemeinsame Antworten zu entwickeln auf die Herausforderungen unserer Zeit». Es sei wichtig, dabei entschlossen und geschlossen zu handeln.

Als es um die Unterstützung der Ukraine gegen den brutalen Angriff Russlands ging, hätten die Staaten der G7, die EU und die Nato zusammengestanden. Damit habe Putin nicht gerechnet - und es bereite ihm sicher unverändert Kopfschmerzen, sagte Scholz.


Papst fordert Gebet für Ukraine und Friedensdialog in Ecuador

ROM: Papst Franziskus hat die Menschen aufgefordert, die Leute in der vom russischen Angriffskrieg betroffenen Ukraine nicht zu vergessen. «Dort in der Ukraine geht der Beschuss weiter, der Tote, Zerstörung und Leid für das Volk verursacht», sagte das Oberhaupt der katholischen Kirche am Sonntag zum Abschluss des Weltfamilientreffens beim traditionellen Mittagsgebet in Rom. «Bitte, vergessen wir dieses vom Krieg betrübte Volk nicht», forderte der 85-Jährige.

Der Argentinier äußerte sich außerdem besorgt über die Situation im südamerikanischen Ecuador. Dort protestierten zuletzt indigene Gruppen gegen soziale Missstände, wobei es auch zu Zusammenstößen mit den Sicherheitskräften kam. «Ich ermutige alle Parteien von der Gewalt abzulassen», sagte Franziskus. Er forderte, über den Dialog zum gesellschaftlichen Frieden zurückzufinden, die ärmsten Randgruppen zu beachten und die Rechte aller zu respektieren.


Ukrainischer Außenminister fordert von G7 härtere Russland-Sanktionen

KIEW: Nach neuen Raketenangriffen auf die ukrainische Hauptstadt Kiew hat Außenminister Dmytro Kuleba von den G7-Staaten härtere Sanktionen gegen Russland und zusätzliche Waffenlieferungen gefordert. Kuleba veröffentlichte am Sonntag auf Twitter ein Foto, das zeigt, wie ein Mädchen von Rettungskräften auf einer Trage transportiert wird. «Dieses sieben Jahre alte ukrainische Kind schlief friedlich in Kiew, als ein russischer Marschflugkörper sein Haus in die Luft sprengte», schrieb er dazu.

Die G7-Länder müssten darauf mit weiteren Sanktionen und mehr schweren Waffen für die Ukraine antworten, schrieb Kuleba. Noch bis Dienstag findet in Bayern ein Gipfel der sieben führenden demokratischen Industriestaaten statt, zu denen Deutschland, die USA, Kanada, Großbritannien, Frankreich, Italien und Japan zählen.

Infolge mehrerer Raketeneinschläge war in den frühen Morgenstunden in Kiew unter anderem ein neunstöckiges Gebäude getroffen und teils zerstört worden. Ersten Erkenntnissen zufolge wurden dabei im Bezirk Schewtschenko vier Menschen verletzt, darunter ein siebenjähriges Mädchen. Später sagt Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko in einem «Bild»-Interview, dass der Vater des Mädchens bei dem Angriff gestorben sei.

«Es sieht danach aus, dass Russland bewusst den Start von G7 auf perfide Weise für einen Raketenschlag nutzen wollte», meinte Klitschko. «Die Welt muss endlich verstehen, dass dieser Krieg nur dann beendet werden kann, wenn die Ukraine genügend militärische Unterstützung bekommt, um sich zu verteidigen.»


Selenskyj: Wollen alle Städte zurück - Forderungen vor G7-Treffen

KIEW: Die Ukraine will nach den Worten von Präsident Wolodymyr Selenskyj alle von Russland in vier Monaten Krieg eingenommenen Städte zurückerobern. In einer Videoansprache verwies Selenksyj am Samstagabend auf Städte wie Sjewjerodonezk, Donezk und Luhansk. Auch Melitopol und Mariupol seien nicht in Vergessenheit geraten. «Alle anderen Städte der Ukraine, die vorübergehend besetzt sind, werden ukrainisch sein», versicherte der Präsident. Russland hatte zuvor die Einnahme der einstigen Großstadt Sjewjerodonezk im Osten der Ukraine bekannt gegeben, wo sich heute nur noch einige Tausend Menschen aufhalten.

Selenskyj zufolge wurde die Ukraine am Samstag innerhalb eines halben Tages von 45 russischen Raketen getroffen. Das sei so kurz vor den G7- und Nato-Gipfeln ein klares Signal. «Das bestätigt, dass die Sanktionspakete gegen Russland nicht genug sind.» Erneut forderte er auch mehr Waffen und Luftabwehrsysteme. Die Waffen dürften nicht länger auf Trainingsplätzen oder in Lagerhallen liegen, sondern müssten in die Ukraine gebracht werden, «wo sie gebraucht werden».

Am Montag soll Selenskyj per Video aus Kiew zum Treffen der Staats- und Regierungschefs aus sieben großen Industrienationen (G7) zugeschaltet werden, das auf Schloss Elmau in Bayern stattfindet. Der ukrainische Präsident betonte, sein Land befinde sich in einer moralisch und emotional schwierigen Phase des Krieges. «Wir verstehen, dass wir den Staat immer noch schützen können.» Er wisse aber nicht, wie groß die Verluste und Anstrengungen seien, bis sich ein Sieg am Horizont abzeichne.


Biden und Scholz beschwören vor G7-Gipfel Geschlossenheit

ELMAU: Bundeskanzler Olaf Scholz und US-Präsident Joe Biden haben vor dem G7-Treffen in Bayern die Geschlossenheit des Westens angesichts des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine beschworen. Am Rande ihres bilateralen Treffens am Sonntag auf Schloss Elmau unterstrich Scholz, man müsse weiterhin zusammenstehen. Der russische Präsident Wladimir Putin habe diese Geschlossenheit nicht erwartet. Biden dankte Scholz für die wichtige Rolle, die er dabei gespielt habe. Der US-Präsident betonte: «Wir müssen zusammenbleiben.» Putin habe damit gerechnet, dass die G7 und die Nato gespalten würden. Das sei nicht geschehen und werde auch nicht geschehen.

Biden war in der Nacht auf Sonntag auf Schloss Elmau eingetroffen. Es ist sein erster Besuch in Deutschland seit seiner Amtsübernahme im Januar 2021. Der Gipfel der sieben führenden demokratischen Industriestaaten auf Schloss Elmau dauert bis Dienstag.

Zur G7 gehören neben Deutschland und den USA auch Kanada, Großbritannien, Frankreich, Italien und Japan. Nach dem G7-Treffen will Biden zum Nato-Gipfel nach Madrid weiterreisen, bevor er am Donnerstag nach Washington zurückkehrt.


Erstmals seit drei Wochen wieder Raketen auf Kiew

KIEW: Die ukrainische Hauptstadt Kiew ist von Russland erstmals seit drei Wochen wieder mit Raketen angegriffen worden. Am frühen Sonntagmorgen gab es in der Millionen-Metropole mehrere Explosionen. Eine Rakete habe ein neunstöckiges Wohnhaus getroffen, schrieb Anton Heraschtschenko, ein Berater des ukrainischen Innenministers, im Nachrichtendienst Telegram. Eine weitere Rakete sei auf dem Gelände eines Kindergartens im Bezirk Schewtschenko eingeschlagen. Dort hielten sich zu diesem Zeitpunkt keine Kinder auf.

In dem Wohnhaus wurden nach Angaben von Bürgermeister Vitali Klitschko mindestens vier Menschen verletzt. Aus den Trümmern wurden demnach auch ein sieben Jahre altes Mädchen und seine Mutter geborgen. Das getroffene Wohnhaus befindet sich in unmittelbarer Nähe der Rüstungsfabrik Artem, die bereits zum dritten Mal mit Raketen angegriffen wurde.

Der Abgeordnete Olexij Hontscharenko berichtete, insgesamt hätten russische Truppen in den Morgenstunden 14 Raketen auf Kiew und Umgebung abgefeuert. Auch mehrere Stunden nach den Angriffen gab es in weiten Teilen der Ukraine Luftalarm. Bereits am Samstag hatte es einen Raketenangriff auf die westukrainische Stadt Sarny gegeben, bei dem Behördenangaben zufolge mindestens drei Menschen getötet wurden.

Russland führt seit mehr als vier Monaten Krieg gegen die Ukraine. Mittlerweile konzentrieren sich die russischen Truppen auf Kämpfe im Osten des Nachbarlandes. Auf Kiew gab es zuletzt nur vereinzelt Angriffe. Zuletzt schlugen Anfang Juni mehrere Raketen in Kiewer Stadtbezirken und Vororten ein.


Russlands Verteidigungsminister besucht Truppen in Ukraine

MOSKAU: Russlands Verteidigungsminister Sergej Schoigu hat in der Ukraine kämpfende russische Soldaten besucht. Das Verteidigungsministerium in Moskau veröffentlichte am Sonntag ein Video, in dem zu sehen ist, wie Schoigu in dunkelgrüner Militärkleidung aus einem Flugzeug steigt und sich dann mit Militärs bespricht. Der Minister habe die Lage inspiziert und sich «Berichte der Kommandeure die über die aktuelle Situation und die Handlungen der russischen Streitkräfte in den Haupteinsatzgebieten angehört», heißt es in einer angehängten Mitteilung.

Zudem habe er einzelne Soldaten für ihren Einsatz in der «militärischen Spezialoperation», wie der Krieg gegen die Ukraine in Russland offiziell genannt wird, mit Orden ausgezeichnet. Wo genau in der Ukraine Schoigu sich aufhielt, wurde nicht mitgeteilt.

Russland, das das Nachbarland vor mehr als vier Monaten überfallen hat, konzentriert seine Angriffe derzeit auf die östlichen Gebiete Luhansk und Donezk. Nach dem Rückzug der ukrainischen Armee aus der in Luhansk gelegenen Großstadt Sjewjerodonezk steht das Gebiet mittlerweile größtenteils unter russischer Kontrolle.


Biden: G7-Staaten wollen Importverbot für russisches Gold verkünden

ELMAU: Die G7-Staaten wollen bei ihrem Gipfel in Bayern nach Angaben von US-Präsident Joe Biden ein Importverbot für russisches Gold verkünden.

Damit würden Russland Dutzende Milliarden Dollar Einnahmen aus diesem wichtigen Exportgut wegbrechen, teilte Biden am Sonntag auf Twitter mit. Wegen des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine haben die G7-Staaten bereits harte Sanktionen gegen Moskau verhängt.


Explosionen in ukrainischer Hauptstadt Kiew

KIEW: In der ukrainischen Hauptstadt Kiew hat es am Sonntagmorgen mehrere Explosionen gegeben.

Krankenwagen und Rettungskräfte seien im Bezirk Schewtschenko im Einsatz, schrieb Bürgermeister Vitali Klitschko im Nachrichtendienst Telegram. Anton Heraschtschenko, ein Berater des ukrainischen Innenministers, schrieb, Augenzeugen hätten von Raketen berichtet. Ob es Verletzte oder Tote gab, war zunächst unklar. Bereits am Samstag hatte es einen Raketenangriff auf die westukrainische Stadt Sarny gegeben, bei dem Behördenangaben zufolge mindestens drei Menschen getötet wurden.


Johnson lobt Deutschlands Unterstützung für die Ukraine

WASHINGTON/ELMAU: Der britische Premierminister Boris Johnson hat die Unterstützung Deutschlands für die Ukraine gelobt und gegen Kritik verteidigt. Deutschland wie auch Frankreich hätten beide «erstaunlich viel getan, wenn man bedenkt, wo sie vor Beginn des Konflikts standen», sagte Johnson am Sonntag in einem Interview mit dem US-Fernsehsender CNN am Rande des G7-Gipfels in Bayern. Mit Blick auf Kritik aus der Ukraine, Deutschland tue zu wenig, sagte Johnson, man müsse objektiv betrachten, wie weit Bundeskanzler Olaf Scholz das Land gebracht habe hin zu deutlich größeren Verteidigungsausgaben. «Niemals in meinem Leben hätte ich erwartet, dass Deutschland einen direkten militärischen Beitrag zur Unterstützung eines anderen europäischen Landes leisten würde, so wie es jetzt der Fall ist.»

Angesichts der Ukraine-Krise hatte Deutschland zuletzt mehrere politische Kehrtwenden vollzogen und etwa beschlossen, schwere Waffen an Kiew zu liefern und die Bundeswehr massiv aufzurüsten.

Mit Blick auf die Unterstützung der USA für die Ukraine sagte Johnson, die Vereinigten Staaten seien bereits in der Vergangenheit mehrfach das «Arsenal für die Demokratie» gewesen. Angesichts der immensen US-Ausgaben für die Ukraine sagte der britische Premier an die amerikanische Bevölkerung gewandt: «Ich würde argumentieren, dass dies ein Preis ist, der es wert ist, ihn für Demokratie und Freiheit zu zahlen.» Johnson betonte: «Das ist etwas, was Amerika historisch gesehen tut und tun muss: nämlich für Frieden, Freiheit und Demokratie einzutreten.» Wenn die Welt den russischen Präsidenten Wladimir Putin gewähren lasse mit seinem Angriff auf die Ukraine, dann würde dies Aggression auch anderswo legitimieren. Die Folgen für die Welt wären «absolut katastrophal».

Die USA haben gewaltige Summen zur Unterstützung der Ukraine bereitgestellt: Seit Beginn des russischen Angriffskrieges auf das Land haben die USA Kiew allein Waffen und Ausrüstung im Wert von 6,1 Milliarden US-Dollar (5,8 Milliarden Euro) zugesagt oder geliefert.

Überzeugen Sie sich von unserem Online-Abo:
Die Druckausgabe als vollfarbiges PDF-Magazin weltweit herunterladen, alle Artikel vollständig lesen, im Archiv stöbern und tagesaktuelle Nachrichten per E-Mail erhalten.
Pflichtfelder

Es sind keine Kommentare zum Artikel vorhanden, bitte schreiben Sie doch den ersten Kommentar.