Ukraine-Krise: Aktuelles Geschehen am Samstag

Foto: epa/Fotomontage
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61 Prozent fürchten Ausweitung des Ukraine-Kriegs

BERLIN: Eine Mehrheit der Bürger fürchtet einer Umfrage zufolge eine Ausweitung des Kriegs in der Ukraine auf das Gebiet des westlichen Verteidigungsbündnisses Nato. Diese Ansicht vertreten 61 Prozent, ermittelte eine Insa-Befragung im Auftrag der «Bild am Sonntag» (BamS). 31 Prozent hingegen sind der Meinung, dies werde wohl nicht passieren.

Gefragt wurde auch nach der Situation der ukrainischen Flüchtlinge in Deutschland zwei Jahre nach dem russischen Überfall auf das Nachbarland. Nur 28 Prozent der Teilnehmer haben den Eindruck, deren Integration sei geglückt, die Mehrheit (51 Prozent) hält sie für misslungen. Dass die Flüchtlinge hier eher zu viel Unterstützung bekommen, finden 49 Prozent, nur 5 Prozent sagen zu wenig. Mehr als ein Drittel der Befragten (35 Prozent) hält die Leistungen für angemessen.

Befragt wurden 1003 Personen vom 22. bis 23. Februar.


Kiew: Frontlage in der Ukraine «weiterhin schwierig»

KIEW: Die Lage an den Fronten der Ukraine bleibt nach Ansicht des Generalstabs in Kiew auch am zweiten Jahrestag des Kriegsbeginns «schwierig». Im Laufe des Tages seien von den Frontlinien insgesamt 69 Kampfhandlungen gemeldet worden, hieß es am Samstagabend im täglichen Lagebericht, den das Militär auf Facebook veröffentlichte. Zudem seien 54 Luftangriffe sowie 77 Angriffe aus Mehrfachraketenwerfern auf ukrainische Stellungen und Siedlungen registriert worden.

Die heftigsten Kämpfe wurden demnach rund um die Ortschaft Awdijiwka im Osten ausgetragen, die ukrainische Truppen vor wenigen Tagen unter starkem russischem Druck aufgegeben hatten. In der Region Saporischschja seien mehrere russische Angriffe abgewehrt worden. Die Angaben konnten zunächst nicht unabhängig überprüft werden.


Selenskyj zu Abschuss von A-50-Flieger: «Zusammenarbeit mit Partnern»

KIEW: Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat den jüngsten Abschuss eines russischen Aufklärungsflugzeugs vom Typ Berijew A-50 als Ergebnis der «Zusammenarbeit mit Partnern» bezeichnet. Das mit teurer Elektronik gespickte und mit speziell ausgebildeten Experten besetzte Flugzeug war am Vortag nach Angaben aus Kiew von der ukrainischen Flugabwehr über Südrussland abgeschossen worden. Ohne diese Partnerschaft wäre die Ukraine kaum in der Lage, sich in bestimmten Richtungen zu schützen, erklärte Selenskyj am Samstag in Kiew. Details dieser Zusammenarbeit nannte Selenskyj jedoch nicht.

Allerdings trat der ukrainische Staatschef Spekulationen entgegen, dass bei dem Abschuss westliche Waffensysteme, möglicherweise Patriot-Raketen, eingesetzt worden seien. «Die Ukraine hat weder die Möglichkeit noch das Recht, und wird dieses auch nie haben, um Waffen aus Partnerländern über Gebieten außerhalb der gegenwärtig besetzten Regionen des Landes einzusetzen», sagte Selenskyj. In ukrainischen Medien war unter anderem auch über den Einsatz eines Projektils eines modernisierten sowjetischen Flugabwehrsystem des Typs S-200 spekuliert worden.

Der Kreml verfügt Militärexperten zufolge nur über gut ein halbes Dutzend einsatzfähiger Flugzeuge dieses Typs. Mitte Januar hatte das ukrainische Militär nach eigenen Angaben bereits eine der wenigen, überaus wertvollen A-50, die auch als fliegende Kommunikationszentrale dient, und ein weiteres Aufklärungsflugzeug des Typs Iljuschin Il-22 über dem Asowschen Meer abgeschossen.


Baerbock versichert Ukraine Unterstützung - Kuleba kritisiert Westen

ODESSA: Außenministerin Annalena Baerbock hat der Ukraine zwei Jahre nach Beginn des russischen Angriffskrieges anhaltende Unterstützung mit Waffen und auch auf dem Weg in die Europäische Union zugesagt. Solange der russische Präsident Wladimir Putin nicht bereit sei, den Krieg zu stoppen, «unterstützen wir euch jeden weiteren Tag» auch mit Waffenlieferungen, «die nicht nur zurückerobern, sondern die jeden Tag Menschenleben retten», sagte die Grünen-Politikerin am Samstag bei einem gemeinsamen Auftritt mit dem ukrainischen Außenminister Dmytro Kuleba in der südukrainischen Hafenstadt Odessa. Die vergangenen zwei Jahre hätten gezeigt: «Keine Rakete, keine 731 Tage Bombenterror können den Freiheitswillen der Ukraine brechen», so Baerbock.

Kuleba warf Deutschland und dem Westen eine Mitschuld am Krieg durch zögerliches Verhalten vor. «Wenn Deutschland und der Westen nicht vom Beginn der ukrainischen Unabhängigkeit auf die Ukraine über das Prisma Russlands geschaut und uns in die EU und die Nato aufgenommen hätten, dann hätte es diesen Krieg nie gegeben.» Ebenso seien Chancen vor dem Krieg vertan worden, Russland einzudämmen. «Wenn zu Kriegsbeginn alle Entscheidungen zu Waffenlieferungen schnell getroffen und umgesetzt worden wären, dann wären wir heute in Luhansk und würden heute auf der Pressekonferenz über ein Europa von Lissabon bis Luhansk dort reden.»

Seiner Ansicht nach sei Frieden nur über höhere Rüstungslieferungen erreichbar, sagte Kuleba. «Nur indem man Russland auf dem Schlachtfeld schlägt, können wir es zu einem dauerhaften und gerechten Frieden zwingen.» Er drängte erneut auf einen baldigen Nato-Beitritt seines Landes. Die Ukraine sei keine Last, sondern eine Stärkung des Militärbündnisses. Kiew sei in der Lage, den euroatlantischen Raum vor Russland zu schützen. «Niemand in der Nato wird heute besser mit der Aufgabe fertig als die Streitkräfte der Ukraine», unterstrich er. Kuleba hob bei Waffenlieferungen drei benötigte Positionen hervor: «Granaten, Flugabwehr und weitreichende Raketen.»


Selenskyj unterzeichnet Sicherheitsabkommen mit Italien und Kanada

KIEW: Am zweiten Jahrestag des Beginns des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine hat Präsident Wolodymyr Selenskyj Sicherheitsabkommen mit Kanada und Italien unterzeichnet. «Die Ukraine ist heute definitiv stärker als vor zwei Jahren», schrieb Selenskyj dazu auf der Plattform X (vormals Twitter). Der kanadische Premier Justin Trudeau und die italienische Regierungschefin Giorgia Meloni waren am Samstagmorgen nach Kiew gekommen, um ihre Solidarität mit der Ukraine zu bekunden.

«Unsere Treffen sind immer bedeutungsvoll», schrieb Selenskyj zu seiner Unterredung mit Meloni. «Wir garantieren weiterhin unsere Unterstützung für die Ukraine», betonte Meloni. Das Abkommen Italiens mit der Ukraine orientiere sich an den Vereinbarungen der Ukraine mit Deutschland und Frankreich.

Kiew hat bereits eine Reihe von Sicherheitsabkommen mit westlichen Partnern unterzeichnet, darunter mit Paris und Berlin. Am Freitag unterzeichneten Selenskyj und die dänische Regierungschefin Mette Frederiksen ein entsprechendes Abkommen. Neben der politischen Unterstützung sehen die Vereinbarungen unter anderem militärische und finanzielle Hilfen für die Ukraine vor.


Estlands Regierungschefin: Alles für Sieg der Ukraine unternehmen

TALLINN: Estlands Ministerpräsidentin Kaja Kallas hat die Entschlossenheit der Ukraine gewürdigt und zu mehr Unterstützung aufgerufen. Am 106. Jahrestag der estnischen Unabhängigkeitserklärung sagte sie am Samstag in einer Rede in der Hauptstadt Tallinn: «So wie die Esten im Jahr 1918 den Mut aufbrachten, sich zu befreien, erleben wir nun, wie die tapferen Ukrainer im zweiten Jahr für ihre Freiheit kämpfen. Sie kämpfen nicht nur für ihre eigene Freiheit, sondern für die Freiheit ganz Europas.» Russland war am 24. Februar 2022 in das Nachbarland einmarschiert.

Die Ukraine brauche keine unterstützende Worte, wenn diesen keine konkreten Taten folgten. «Wir müssen alle Anstrengungen unternehmen, um den Sieg im Krieg in der Ukraine zu sichern, andernfalls wird die gesamte europäische Sicherheitsarchitektur gefährdet», sagte die Ministerpräsidentin des an Russland grenzenden EU- und Nato-Landes. Kallas warnte zugleich: «Wir dürfen nicht zulassen, dass wir selbst oder unsere Verbündeten taub oder müde werden. Dies ist nicht die Zeit für Selbstzufriedenheit.»

Estland hatte am 24. Februar 1918 zum Ende des Ersten Weltkriegs seine Unabhängigkeit proklamiert. Der Ostseestaat sagte sich damals nach einer rund zwei Jahrhunderte langen Zugehörigkeit vom Russischen Reich los.


Europäische Lösung und Unterstützung für die Ukraine

SOFIA: Zwei Jahre nach Beginn von Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine hat der bulgarische Präsident Rumen Radew zu einer europäischen Lösung für die Ukraine aufgerufen. Unterdessen sicherte Regierungschef Nikolaj Denkow am Samstag der Ukraine die andauernde Unterstützung des Nato- und EU-Mitglieds Bulgarien zu.

«Lasst uns endlich eine autonome europäische Lösung suchen», sagte der als russlandfreundlich geltende Staatschef Radew. Er rief zu Dialog und Mechanismen auf, mit denen die militärischen Handlungen unverzüglich beendet werden und Verhandlungen beginnen sollten. «Der Weg, den wir eingeschlagen haben, eine Lösung zu suchen, die auf einem Sieg auf dem Kampffeld basiert, liefert kein Ergebnis», meinte der frühere Kampfjetpilot und Luftwaffenchef. Der Ukraine-Krieg sei nach zwei Jahren zur «Bedrohung für die globale Sicherheit» geworden, warnte Radew.

Der prowestlich gesinnte Regierungschef Denkow sagte in einem Aufruf: «Vor zwei Jahren erinnerte uns der Kreml, dass wir um den Frieden ringen und unsere Werte verteidigen müssen.» Bulgarien verteidige diese Werte, indem es die Ukraine weiter unterstütze, betonte er. Russland kämpfe gegen «das Recht auf freies, glückliches und vollwertiges Leben» von jedem in Europa, sagte Denkow.

Als Zeichen der Solidarität mit der Ukraine sollten die Gebäude der Regierung und des Parlaments in Sofia am Samstagabend in den Farben der ukrainischen Flagge blau-gelb beleuchtet werden. Bulgarische und ukrainische Aktivisten riefen zu einem Straßenumzug durch die Innenstadt von Sofia auf, um den Kampf der Ukraine «für Leben, Freiheit und Demokratie» zu unterstützen.


Ukrainische Agrarprodukte in Polen aus Güterzug verschüttet

WARSCHAU: Unbekannte haben im polnischen Grenzbahnhof Dorohusk ukrainische Sojabohnen aus einem Güterzug verschüttet. Die Polizei habe Ermittlungen aufgenommen, berichtete die polnische Nachrichtenagentur PAP am Samstag. Man gehe nach ersten Erkenntnissen davon aus, dass rund fünf Tonnen des Lebensmittels beschädigt worden seien. Hintergrund dürften die Proteste polnischer Bauern gegen günstige ukrainische Agrarimporte seien. Es ist nicht der erste Vorfall dieser Art.

Der stellvertretende ukrainische Regierungschef und Infrastrukturminister Olexander Kubrakow forderte die polnischen Strafverfolgungsbehörden zum raschen Handeln auf. «Die systematische Zerstörung ukrainischer Agrarprodukte gleicht einer geplanten Sabotage», kritisierte der Politiker. «Unser Land verteidigt sich und überlebt auch dank der Bauern.»

Zuletzt hatten sich die Protestaktionen polnischer Landwirte verschärft. Sie wollen verhindern, dass billigeres ukrainisches Getreide auf den heimischen Markt gelangt. Nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine vor zwei Jahren hatte Brüssel alle Importzölle und -quoten für landwirtschaftliche Produkte ausgesetzt, um dem Land wirtschaftlich zu helfen.


«Gemeinsam bis zum Sieg!»: Ukraine-Solidaritätskundgebung in Lettland

RIGA: Zwei Jahre nach Beginn des russischen Angriffskriegs haben sich am Samstag in Lettlands Hauptstadt Riga Hunderte von Menschen zu einer Solidaritätskundgebung für die Ukraine am Freiheitsdenkmal versammelt. Unter dem Motto «Gemeinsam bis zum Sieg!» schwenkten die Teilnehmer ukrainische und lettische Fahnen und hielten Plakate hoch, auf denen die russische Aggression verurteilt und zur Unterstützung der Ukraine aufgerufen wurde. Gegenüber der nahegelegenen Deutschen Botschaft standen zudem vereinzelte Plakate, auf denen Deutschland zur Lieferung von Taurus-Marschflugkörpern aufgefordert wurde.

«Lettland hat die Ukraine politisch, militärisch und finanziell unterstützt und wir werden dies auch weiterhin tun», sagte Regierungschefin Evika Silina in ihrer Rede. Auch ihre baltischen Amtskolleginnen, Kaja Kallas (Estland) und Ingrida Simonyte (Litauen), bekräftigten in Videoansprachen die weitere Unterstützung der Ukraine - bis zu deren Sieg.

In Solidarität mit dem ukrainischen Volk und zum Gedenken an die Opfer waren die Menschen in Lettland am Samstag zudem aufgerufen um 9.00 Uhr Ortszeit einen Moment innezuhalten. Weiter sollte es mehrere Wohltätigkeitskonzerte und andere Veranstaltungen zur Unterstützung der Ukraine in dem baltischen EU- und Nato-Land geben.


Macron nimmt nicht an Videokonferenz des G7-Gipfels teil

PARIS: Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron nimmt wegen innerpolitischer Verpflichtungen nicht an der G7-Videokonferenz zum zweiten Jahrestag des russischen Angriffs auf die Ukraine an diesem Samstag in Kiew teil. Der Staatschef habe den ganzen Tag für den Besuch der Landwirtschaftsmesse in Paris reserviert, bestätigte der Präsidentenpalast am Samstag der Deutschen Presse-Agentur. Der Besuch solle bis abends dauern. Bei der Videoschalte werde Macron vom französischen Außenminister Stéphane Séjourné vertreten.

Kurz vor dem offiziellen Besuch Macrons bei der Pariser Agrarmesse war es zu einem Handgemenge zwischen Sicherheitskräften und Landwirten gekommen, die sich gewaltsam Zugang zum Messegelände am Stadtrand verschaffen wollten. Frankreichs Landwirte protestieren seit Wochen für bessere Lebens- und Arbeitsbedingen.

In einer vom Élysée-Palast am Samstag veröffentlichten Nachricht auf X, früher Twitter, erklärte Macron, dass Frankreichs Unterstützung für die Ukraine nicht nachlassen werde und man nicht mit einer Übermüdung der Europäer rechnen dürfe.

Die Videokonferenz der G7-Staats- und Regierungschefs unter dem Vorsitz der italienischen Premierministerin Giorgia Meloni findet anlässlich des zweiten Jahrestages der russischen Aggression gegen die Ukraine statt. Meloni reiste dafür nach Kiew. Auch EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und Kanadas Premierminister Justin Trudeau kamen in die ukrainische Hauptstadt. Es ist das erste Treffen der führenden demokratischen Industrienationen unter italienischer G7-Präsidentschaft.


Polen und Tschechien bekräftigen Solidarität mit Ukraine

PRAG/WARSCHAU: Zwei Jahre nach Beginn des russischen Angriffskriegs haben Politiker in den östlichen Nato-Staaten Polen und Tschechien zu andauernder Solidarität mit der Ukraine aufgerufen. Der polnische Ministerpräsident Donald Tusk schrieb am Samstag bei X (vormals Twitter): «Zwei Jahre ukrainischen Heldentums. Zwei Jahre russischer Barbarei. Zwei Jahre der Schande für diejenigen, die gleichgültig bleiben.»

Polens Staatspräsident Andrzej Duda betonte, man lebe in gefährlichen Zeiten. «Wir können nicht untätig bleiben und deshalb stärken wir unsere Armee hier und jetzt - und werden sie weiter stärken». Der nationalkonservative Politiker mahnte: «Die Sicherheit Polens hängt von unserer Kraft ab, aber auch von unseren Verbündeten.»

Falls die Ukraine in die Hände Russlands falle, sei es nur eine Frage der Zeit, bis weitere Länder bedroht würden, warnte der tschechische Ministerpräsident Petr Fiala in einer Videobotschaft. «Es ist sinnlos, sich einzureden, dass (dem russischen Präsidenten Wladimir) Putin die Ukraine reichen würde», so der liberalkonservative Regierungschef.

Der tschechische Außenminister Jan Lipavsky teilte mit, es sei im Interesse ganz Europas, dass die Ukraine zu einem Mitglied der EU und der Nato werde. Tschechien unterstütze die Beitrittsambitionen Kiews mit ganzem Herzen.


Toter und Verletzte bei Drohnenangriff auf Odessa

ODESSA: Russland setzt seine Drohnenangriffe auf die Ukraine zum zweiten Jahrestag des Angriffskriegs fort. Erneut gibt es zivile Opfer.

Bei Drohnenangriffen auf die ukrainische Hafenstadt Odessa hat es in der zweiten Nacht in Folge Opfer gegeben. Nach Angaben von Behörden und Anwohnern wurde in der Nacht zum Samstag ein Mann in einem einstöckigen Wohnhaus getötet, drei weitere Menschen wurden verletzt und erlitten den Rettungsmannschaften zufolge schwere Brandwunden und Knochenbrüche. Am Samstag liefen Aufräumarbeiten in den Trümmern des Hauses, in dem den Angaben nach ein älteres Ehepaar wohnte. Das Wohnhaus war nach dem Drohnentreffer weitgehend zerstört. Trümmer lagen weit verstreut, auch angrenzende Gebäude waren beschädigt. Der Beginn des russischen Angriffskrieges gegen das Nachbarland jährt sich an diesem Samstag zum zweiten Mal.


Niederlande unterstützen Ukraine: «Ihr seid nicht allein»

DEN HAAG: Der niederländische Premier Mark Rutte hat der Ukraine die andauernde Unterstützung seines Landes zugesichert. «Ihr seid nicht allein. Wir stehen hinter euch», sagte Rutte am Samstag in einer Videobotschaft auf X (vormals Twitter) zum zweiten Jahrestag des Kriegsbeginns. Dies sei nicht nur ein Kampf der Ukraine. «Es geht auch um unsere eigene Sicherheit. Denn wenn Putin in der Ukraine erfolgreich ist, wird er da nicht stoppen.» Der Niederländer gilt auch als Favorit für den Posten des Nato-Generalsekretärs als Nachfolger von Jens Stoltenberg, der zum Oktober aus dem Amt scheidet.

Auch König Willem-Alexander und Königin Máxima bekräftigten ihre Unterstützung der Ukraine. In einer vom Hof verbreiteten Botschaft pries das Paar die «große Standhaftigkeit und den Mut» des ukrainischen Volkes gegen die russische Aggression. «Wir bleiben vereint in unserer Unterstützung der ukrainischen Männer und Frauen, die für Freiheit, Demokratie und Recht kämpfen. Ihre Hingabe ist ein Beispiel und eine Inspiration für uns alle».


Von der Leyen übergibt 50 Fahrzeuge an Ukraine

KIEW: EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat am zweiten Jahrestag des russischen Überfalls auf die Ukraine 50 Fahrzeuge an die ukrainische Nationalpolizei und die Generalstaatsanwaltschaft übergeben.

Die weißen Geländewagen würden den Behörden dabei helfen, «die Gebiete zu stabilisieren, die die ukrainischen Streitkräfte so mutig von der illegalen russischen Besetzung befreit haben», sagte von der Leyen laut einer Mitteilung der Kommission am Samstag. «Die heutige Lieferung schließt sich an die jüngste Lieferung eines modernen Minenräumungsgeräts von der EU an die Ukraine an. Mit dieser Ausrüstung helfen wir der Ukraine, in zurückeroberten Gebieten wieder für Sicherheit zu sorgen.».


Nato-Generalsekretär Stoltenberg: «Ukraine wird der Nato beitreten»

BRÜSSEL: Zum zweiten Jahrestag des russischen Angriffs auf die Ukraine hat Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg einen Eintritt des Landes in das Bündnis bekräftigt. «Die Ukraine wird der Nato beitreten. Es ist nicht die Frage, ob, sondern wann», sagte der Norweger am Samstag in einer Video-Botschaft.

«Während wir sie auf diesen Tag vorbereiten, wird die Nato der Ukraine weiterhin zur Seite stehen», sagte Stoltenberg. Das Ziel von Kremlchef Wladimir Putin, die Ukraine zu beherrschen, habe sich nicht geändert. Der russische Präsident habe diesen Krieg begonnen, weil er der Ukraine die Tür zur Nato verschließen und das Recht verweigern wollte, ihren eigenen Weg zu wählen. Doch er habe genau das Gegenteil erreicht.

Die Nato-Staaten betonten ebenfalls, dass die Zukunft der Ukraine in dem Bündnis liege. Man arbeite eng zusammen, um die weitere Integration der Ukraine in die Nato im Einklang mit den Beschlüssen des Vilnius-Gipfels zu unterstützen, hieß es in einer Erklärung des Nato-Ukraine-Rates vom Samstag. «Russland trägt die volle Verantwortung für diesen Krieg, der einen eklatanten Verstoß gegen das Völkerrecht, einschließlich der UN-Charta, darstellt und für den es voll zur Rechenschaft gezogen werden muss. Wir erkennen Russlands illegale und unrechtmäßige Annexionen, einschließlich der Krim, nicht an und werden dies auch niemals tun.» Die Bündnispartner seien nach wie vor entschlossen, die Ukraine so lange zu unterstützen, wie es für die Ukraine erforderlich ist, um sich durchzusetzen.

Russland hat vor zwei Jahren seinen Angriffskrieg gegen die Ukraine begonnen, sich seither aber immer wieder selbst als Opfer westlicher Aggression inszeniert. Unter anderem hatte Moskau die Invasion damit begründet, einen Nato-Beitritt der Ukraine verhindern zu müssen, der angeblich die Sicherheit Russlands bedrohe.


«Corriere della Sera»: China hält in Ukraine-Konflikt nur Wache

ROM: Die italienische Zeitung «Corriere della Sera» beschäftigt sich am Samstag mit Chinas Rolle bei den internationalen Bemühungen um ein Ende des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine:

«Viele Monate lang haben Amerikaner und Europäer auf die Chinesen gezählt, auf der Grundlage einer linearen Argumentation: Wladimir Putins Aggressivität gefährdet die Stabilität der Märkte und des Welthandels; deshalb wird auch Peking versuchen, die russische Armada einzudämmen. US-Präsident Joe Biden hat (Chinas Staats- und Parteichef) Xi Jinping wiederholt aufgefordert, Druck auf Moskau auszuüben. Außer leeren Worten hat er nichts erreicht.

Konkret hat Xi Jinping jedenfalls nichts getan, um echte Verhandlungen zwischen Moskau und Kiew voranzubringen. Im Gegenteil: Er hat den Kreml weiterhin wirtschaftlich unterstützt. China, wie es ein europäischer Diplomat zusammenfasst, hält Wache. Es beobachtet, es überwacht, aber wenn der Westen in Schwierigkeiten ist, bewegt es sich nicht.»


Baerbock und Kuleba reisen gemeinsam von UN in New York nach Berlin

BERLIN/NEW YORK: Außenministerin Annalena Baerbock und ihr ukrainischer Kollege Dmytro Kuleba sind gemeinsam von den Vereinten Nationen in New York nach Deutschland gereist. Die Grünen-Politikerin und Kuleba landeten am Samstagmorgen an Bord eines Regierungsairbus der Luftwaffe in Berlin. Beide Außenminister hatten am Freitag an Sitzungen der Vereinten Nationen zum zweiten Jahrestag des russischen Angriffs auf die Ukraine am 24. Februar teilgenommen.

Baerbock war direkt von einem Treffen der Außenminister der G20-Runde führender und aufstrebender Wirtschaftsmächte im Rio de Janeiro am Mittwoch und Donnerstag nach New York gereist. Auch in Brasilien waren die Diskussionen vom anhaltenden russischen Krieg in der Ukraine sowie dem Gaza-Krieg im Nahen Osten überlagert worden.

In der Generalversammlung der Vereinten Nationen hatte Baerbock die Weltgemeinschaft am Freitag aufgerufen, den Druck auf den russischen Präsidenten Wladimir Putin zu erhöhen, den vor zwei Jahren begonnenen Angriffskrieg auf die Ukraine zu beenden. «Wenn uns eine Welt am Herzen liegt, in der jedes Leben gleich wichtig ist, liegt es an jedem einzelnen von uns, sich gegen den Krieg Russlands zu wehren», sagte sie. Die Ukraine habe 50 Prozent der von Russland eingenommenen Gebiete sowie das Schwarze Meer wieder freigekämpft und werde zudem bald Mitglied der Europäischen Union sein. Die Unterstützung des Landes in den vergangenen zwei Jahren habe sich nicht nur gelohnt, «sondern das Glas ist halb voll».


Zweiter Jahrestag des russischen Überfalls: von der Leyen in Kiew

KIEW: Zum zweiten Jahrestag des russischen Überfalls auf die Ukraine zeigen westliche Politiker wie EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen ihre Solidarität mit dem osteuropäischen Land.

Am zweiten Jahrestag des russischen Überfalls auf die Ukraine ist EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen (CDU) in der ukrainischen Hauptstadt Kiew eingetroffen. «Mehr als je zuvor stehen wir fest an der Seite der Ukraine», schrieb von der Leyen am Samstag bei der Plattform X (ehemals Twitter). Das sei finanziell, wirtschaftlich, militärisch und moralisch gemeint. «Bis das Land endlich frei ist», betonte die Politikerin.

Vor zwei Jahren startete Russland eine vollumfängliche Invasion der Ukraine. Trotz massiver westlicher militärischer und finanzieller Hilfe wird einschließlich der bereits 2014 annektierten Schwarzmeer-Halbinsel Krim weiter knapp ein Fünftel des ukrainischen Staatsgebiets von Moskau kontrolliert.


Militärexperte: 2024 wird Ukraine-Krieg nicht enden

BERLIN: Nach Einschätzung des Militärexperten Carlo Masala wird der vor zwei Jahren von Russland begonnene Angriffskrieg in der Ukraine auch im Jahr 2024 nicht enden. «Für das Jahr 2024 sehe ich kein Ende für diesen Krieg, da gibt es nichts, was uns Hoffnung geben könnte», sagte der Politikwissenschaftler der «Augsburger Allgemeinen» (Samstag). «Die Ukraine findet keinen Frieden, weil Russland noch immer glaubt, diesen Krieg gewinnen zu können», sagte der Professor der Universität der Bundeswehr München. Die Zeit spiele dabei Russlands Präsidenten Wladimir Putin zunehmend in die Hände. An diesem Samstag jährt sich der Jahrestag des russischen Einmarsches in die Ukraine zum zweiten Mal.

«Wladimir Putin hat gute Karten, das kann man anders gar nicht sagen», sagte Masala. «Seine Strategie ist, dass der Westen irgendwann ermattet, dass demokratische Gesellschaften solche Konflikte nicht lange durchhalten. Er scheint recht zu behalten.» Inzwischen mangele es den ukrainischen Soldaten sogar an Munition an der Front, weshalb nicht in der Lage sind, die russischen Truppen zurückzudrängen.

Allerdings sehe man, dass der Krieg immer stärker nach Russland hineingetragen werde, sagte Masala. «Das hat zur Folge, dass dort ein zartes Pflänzchen des Widerstandes innerhalb der Bevölkerung wächst. Allein die Tatsache, dass in Moskau viele Heizungen ausfallen und die Menschen frieren müssen, weil das Geld in den Krieg fließt, führt dazu, dass zumindest ein Teil der Russen anfängt, am Sinn dieser Kämpfe zu zweifeln.» Das sei etwas, was man in den vergangenen zwei Jahren nicht gesehen habe. «Putin war geschickt darin, diesen Krieg von der russischen Mehrheitsgesellschaft fernzuhalten.»

Auch der Westen verlängere den Krieg, sagte der Militärexperte. «Zum einen hat er den Krieg verlängert, indem er die Ukraine in die Lage versetzt hat, sich selbst zu verteidigen. Allerdings hat er dieses Engagement nie so weit vorangetrieben, dass die Ukraine in der Lage war, die russische Logik zu durchbrechen, die noch immer davon ausgeht, in diesem Krieg mehr gewinnen als verlieren zu können», sagte Masala. «Der Westen verlängert den Krieg also in einer positiven und in einer negativen Hinsicht zugleich», fügte er hinzu. Vor den US-Wahlen im November werde kaum Bewegung in diesen Krieg kommen.

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Rolf W. Schwake 25.02.24 20:50
Mögliche Ausweitung des Ukrainekriegs?
Am 24.02.2022 haben laut UN-Resolutionen die Russen verbrecherisch die Ukraine überfallen. Gemäß UN-Charta hat ein überfallenes Land das Recht, sich bei befreundeten Staaten Hilfe zu holen - zumal die USA, GB und Russland zeitlebens die Souveränität und staatliche Integrität der Ukraine 1994 garantierten (!), als diese ihre Atomwaffen an Rußland übergaben!
Da ein Verbrecher für seine Verbrechen nicht auch belohnt werden darf, gebt den Ukrainern sofort die Luftabwehr. Marschlugkörper, Raketen, Präzisionsartillerie pp, damit deren Nachschublinien vernichtet werden, dann endet auch der Krieg.
Appeasementpolitik hat diese Welt immer wieder in Chaos gestürzt! Si vic pacem, parabellum - das gilt vermehrt heute wie vor 2000 Jahren, als es die alten Römer propagierten!
Norbert Kurt Leupi 24.02.24 16:20
Ukraine - Krise
Zwei Jahre schon herrscht Krieg und kein Sieger in Sicht ! Dafür 2 Verlierer !