Ukraine-Krise: Aktuelles Geschehen am Mittwoch

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Brigadegeneral a.D.: Keine diplomatische Lösung mit Putin

PASSAU: Der Brigadegeneral a.D. Klaus Wittmann sieht keine Friedenslösung am Verhandlungstisch im russischen Angriffskrieg gegen den Nachbarn Ukraine. «Mit (Kremlchef Wladimir) Putin wird es keine diplomatische Lösung geben», sagte Wittmann im Interview der Mediengruppe Bayern (Donnerstag). «Er ist zwar nicht irrational, wie manche behaupten, aber er ist besessen.» Putin wolle Rache und als Großmacht anerkannt werden.

Wittmann, der an der Universität Potsdam Zeitgeschichte lehrt, gibt Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) eine Mitschuld an der stockenden ukrainischen Gegenoffensive. «Wir haben zwar zu Beginn der Offensive schnell Panzerfäuste und Flugabwehrgeräte geliefert und tun heute viel für die Flugabwehr. Aber es gab auch ungute Verzögerungen», sagte Wittmann. Bei früherer Lieferung schwerer Waffen etwa hätten die russischen Militärs nicht die Zeit gehabt, ihre Verteidigungslinien vorzubereiten und auszubauen. «Wenn wir jetzt am Spielfeldrand stehen und kritisieren, dass die Ukraine nicht richtig vorankommt, müssen wir bedenken, dass wir einen Anteil daran haben.»


Ukraine verlängert Laufzeit von Atomreaktor um zehn Jahre

KIEW: Die Ukraine hat die Laufzeit eines Reaktors im Atomkraftwerk Südukraine um weitere zehn Jahre verlängert. «Das ist nicht die erste Laufzeitverlängerung eines Kraftwerksblocks, doch eine Besonderheit in der heutigen Zeit», hob Energieminister Herman Haluschtschenko in einer Mitteilung vom Mittwoch hervor. Der erste Reaktor des Atomkraftwerks im südukrainischen Gebiet Mykolajiw könne nun bis Anfang Dezember 2033 in Betrieb bleiben. Insgesamt sind im AKW drei Blöcke in Betrieb.

Die 15 Atomkraftwerksblöcke der Ukraine sowjetischer Bauart haben vor dem russischen Einmarsch 2022 über die Hälfte des ukrainischen Stroms produziert. Seit März vergangenen Jahres ist das mit sechs Blöcken und einer Bruttoleistung von 6000 Megawatt größte ukrainische Atomkraftwerk bei Saporischschja von russischen Truppen besetzt. Zwar sind alle Reaktoren inzwischen heruntergefahren worden. Doch besteht Gefahr von Beschuss des Kraftwerksgeländes bei Kämpfen zwischen ukrainischen und russischen Einheiten. Im Unterschied zu Deutschland hält Kiew an der Kernkraft fest und will neue AKWs bauen.


G7-Staaten zielen wegen Ukraine auf russischen Diamantenhandel

TOKIO/KIEW: Wegen Russlands Angriffskriegs gegen die Ukraine will die Siebenergruppe großer Industrienationen (G7) russische Einnahmen aus dem Diamantenexport beschneiden. Mit Beginn 2024 schränke die G7 den Import von Rohdiamanten ein, die in Russland gefördert oder verarbeitet wurden. Das beschlossen die Staats- und Regierungschefs am Mittwoch in einer Online-Schalte unter japanischem Vorsitz. Zu den G7-Ländern gehören neben Gastgeber Japan auch Deutschland, Frankreich, Italien, Kanada, die USA und Großbritannien.

Im März 2024 sollten die Beschränkungen auch auf den Import russischer Diamanten über Drittländer ausgeweitet werden, hieß es in der Abschlusserklärung. Dritter Schritt sei eine Herkunftskontrolle für Rohdiamanten ab September 2024 in den G7-Ländern, die viel mit solchen Steinen handeln. Auch die EU plant in ihrem kommenden Sanktionspaket Strafmaßnahmen gegen den russischen Diamantenhandel.

Die G7-Staaten sagten der Ukraine weitere Unterstützung zu. Sie vereinbarten auch, die russischen Einnahmen aus Energielieferungen weiter einzuschränken. Es solle noch stärker darauf geachtet werden, dass Russland keine für sein Militär nutzbare Technik bekomme.

Die Gruppe verurteilte russische Luftangriffe, um die Energieversorgung der Ukraine zu zerstören. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj war zugeschaltet und sagte, sein Land hoffe dank verbesserter Flugabwehr mit geringeren Schäden durch diesen Winter zu kommen als den vergangenen. «Wir haben in diesem Winter die Chance, den Kampf um Energie zu gewinnen», sagte er nach Angaben seines Präsidialamtes.


Putin spricht mit Kronprinz Mohammed

RIAD: Bei einem Besuch in Saudi-Arabien hat sich der russische Präsident Wladimir Putin am Mittwoch mit dem saudischen Kronprinz und faktischen Herrscher Mohammed bin Salman getroffen. Das berichtete die saudische Nachrichtenagentur SPA. Putin betonte bei dem Treffen in Riad die engen Beziehungen zwischen Russland und dem saudischen Königreich. «Nichts kann die Entwicklung unserer freundschaftlichen Beziehungen stören», sagte er der Agentur Tass zufolge. Er verabredete mit dem Kronprinzen auch, dass ein nächstes Treffen in Moskau stattfinden solle.

Nach vorherigen russischen Angaben sollte die Ölpreispolitik ein Gesprächsthema zwischen den großen Ölproduzentenländern sein. Putins außenpolitischer Berater Juri Uschajow sagte, dass es auch um den Gaza-Konflikt und den Krieg in der Ukraine gehen werde.

Auf seiner Kurzreise war Putin zuvor in den Vereinigten Arabischen Emiraten von Präsident Mohammed bin Sajid empfangen worden. Dabei ging es um «verschiedene regionale und internationale Themen», wie die staatliche Nachrichtenagentur WAM berichtete. Beide Länder hätten sich für einen Waffenstillstand für einen «dauerhaften und umfassenden Frieden» im Gaza-Krieg ausgesprochen. Grundlage müsste die Zwei-Staaten-Lösung sein. Laut Putin sind die Vereinigten Arabischen Emirate der wichtigste Handelspartner Russlands im Arabischen Raum.

Nach Angaben der staatlichen russischen Nachrichtenagentur Tass hat Putin Saudi-Arabien und die Emirate zuletzt 2019 vor der Corona-Epidemie besucht. Wegen des Angriffskriegs gegen die Ukraine sind die Auslandskontakte des Kremlchefs beschränkt. Der Besuch am Golf ist der erste seit Kriegsbeginn 2022, der nicht direkten Verbündeten wie China, Weißrussland oder Kasachstan gilt.


Biden mahnt Kongress: Neue Ukraine-Hilfen können nicht warten

WASHINGTON: US-Präsident Joe Biden hat den Kongress erneut gedrängt, neue Hilfen für die von Russland angegriffene Ukraine zu genehmigen. «Das kann nicht warten. Der Kongress muss zusätzliche Mittel für die Ukraine bewilligen, bevor er in die Ferien geht, so einfach ist das», sagte Biden am Mittwoch im Weißen Haus. Er warnte davor, dass Kremlchef Wladimir Putin sonst immer weitermachen würde. Wenn Putin Nato-Staaten angreife, würden plötzliche amerikanische Truppen gegen russische kämpfen.

Neue Hilfen für die Ukraine seien daher «in unserem überwältigenden nationalen Interesse und im internationalen Interesse aller unserer Freunde», so der Demokrat weiter. «Kleinliche, parteiische, wütende Politik kann unserer Verantwortung als führende Nation in der Welt nicht im Wege stehen», mahnte er.

Die US-Regierung kündigte am Mittwoch gleichzeitig weitere militärische Hilfen für die Ukraine an. Außenminister Antony Blinken teilte mit, das neue Paket mit Waffen und Ausrüstung habe einen Umfang von bis zu 175 Millionen US-Dollar (rund 162 Millionen Euro). Es stamme aus den begrenzten restlichen Mitteln, die der Kongress zuvor bewilligt hatte. Enthalten seien unter anderem Luftabwehrmunition, Artilleriemunition und Panzerabwehrraketen.

Die Ukraine wehrt seit Februar 2022 einen großangelegten russischen Einmarsch ab und ist dabei auf ausländische Unterstützung angewiesen. Die bisher vom US-Kongress bewilligten Mittel für die Ukraine werden nach Angaben der Regierung zum Jahresende komplett aufgebraucht sein. Die Freigabe neuer US-Hilfen für die Ukraine wird von einem innenpolitischen Streit zwischen Demokraten und Republikanern im US-Parlament blockiert. Mehr und mehr Republikaner melden Zweifel an der Unterstützung für die Ukraine an oder lehnen diese völlig ab. Die Republikaner wollen außerdem mehr Geld für den Schutz der US-Grenze.


USA klagen vier Russen wegen Kriegsverbrechen gegen US-Bürger an

WASHINGTON: In den USA sind vier russische Militärangehörige wegen Kriegsverbrechen gegen einen US-Amerikaner in der Ukraine angeklagt worden. Den Männern werden Folter, die unmenschliche Behandlung und unrechtmäßige Inhaftierung des amerikanischen Staatsangehörigen vorgeworfen. Es ist nach Angaben des Justizministeriums das erste Mal, dass in den USA Anklage gemäß dem Kriegsverbrechergesetz der Vereinigten Staaten erhoben wurde.

Die Taten sollen sich nach dem Einmarsch Russlands in die Ukraine im Februar 2022 ereignet haben. Bei den Angeklagten handelt es sich den Angaben zufolge um zwei Kommandeure der russischen Streitkräfte sowie zwei niederrangige Soldaten. Das Opfer habe in einem kleinen Dorf in der Südukraine gelebt und sich nicht an Kriegshandlungen beteiligt.

Wo sich die Angeklagten aufhalten, teilte das Ministerium nicht mit. Sollten sie in Russland sein, gilt eine Auslieferung als unwahrscheinlich. Der US-Kongress hat vor fast 30 Jahren ein Kriegsverbrechergesetz verabschiedet, um die Verfolgung von Kriegsverbrechen gegen amerikanische Bürger zu ermöglichen.


FDP-Außenpolitiker will Handhabe in EU gegen «Foulspieler wie Orban»

BERLIN: Der außenpolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Ulrich Lechte, hat dem ungarischen Regierungschef Viktor Orban eine Blockadehaltung gegen die Ukraine-Politik der EU vorgeworfen. Orban untergrabe damit gezielt die Bemühungen und eine geeinte Unterstützung dafür, die Ukraine in ihrem Streben nach Freiheit zu unterstützen, teilte Lechte am Mittwoch in Berlin mit.

«Es darf nicht sein, dass die Zukunft der Ukraine von Rechtspopulisten und offenen Putinfreunden in der EU bestimmt wird. Dies verdeutlicht erneut die dringende Notwendigkeit von Reformen im EU-Abstimmungsverfahren», erklärte Lechte. «Wir als FDP-Bundestagsfraktion setzen dabei auf qualifizierte Mehrheitsentscheidungen. Für offene Foulspieler wie Orban braucht es im Zweifel einen Mechanismus zum vorübergehenden Ausschluss aus der EU.»

Orban hatte in einem Brief an EU-Ratspräsident Charles Michel geschrieben, die Erwartungen, dass auf dem EU-Gipfel am 14. und 15. Dezember in Brüssel über den Start von EU-Beitrittsverhandlungen mit der Ukraine und den langfristigen EU-Haushalt entschieden werden könne, seien unbegründet. Der Brief sorgt in Brüssel für Unruhe, weil eine große Mehrheit der EU-Staaten eigentlich weitreichende Entscheidungen zugunsten der Ukraine treffen will. Ein Beschluss ist aber nur möglich, wenn kein Mitgliedstaat ein Veto einlegt.


Russland arbeitet an Verbesserung seiner Drohnen

LONDON: Russland arbeitet nach britischer Einschätzung an der Verbesserung seiner Angriffsdrohnen. Im Angriffskrieg gegen die Ukraine setze Russland zunehmend Drohnen für Großangriffe ein, um die Luftabwehr zu überwältigen, teilte das britische Verteidigungsministerium am Mittwoch in seinem Update beim Kurznachrichtendienst X mit. Die Ukraine schaffe es aber weiterhin, den Großteil ankommender Waffen unschädlich zu machen.

Die Briten gehen davon aus, dass Russland seine Drohnen auch mit improvisierten Mitteln zu verbessern versucht. Berichten zufolge sei eine abgeschossene Einwegdrohne Ende November zur besseren Steuerung mit einer ukrainischen Sim-Karte und einem 4G-Modem ausgestattet gewesen, schrieben die Briten. Sie halten es für wahrscheinlich, dass einige russische Drohnen auch schwarz lackiert wurden, um sie bei Nachteinsätzen besser zu tarnen.

Das britische Verteidigungsministerium veröffentlicht seit Beginn des russischen Angriffskriegs in der Ukraine täglich Informationen zum Kriegsverlauf. Moskau wirft London Desinformation vor.


Denkfabrik: Bewaffnete Konflikte immer intensiver und länger

LONDON: Bewaffnete Konflikte werden einer aktuellen Analyse zufolge immer intensiver und sind immer schwieriger zu lösen. Dadurch dauerten sie länger, teilte die Londoner Denkfabrik International Institute for Strategic Studies (IISS) am Mittwoch mit. «Der Trend zur Unlösbarkeit spiegelt sich in einer zunehmenden Dauer von Konflikten wider, die derzeit auf durchschnittlich etwa 30 Jahre geschätzt wird, verglichen mit weniger als 20 Jahren zu Beginn der 1990er Jahre.»

Als Beispiel nannte der Thinktank den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine. Der Wiederaufbau des Landes sei nur mit Sicherheitsgarantien für Kiew möglich, die nicht in Sichtweite seien. «Der diplomatische Stillstand und die militärische Pattsituation in der Ukraine deuten auf einen potenziell langwierigen Konflikt hin.» Überhaupt gebe es weltweit deutlich mehr «gewalttätige Ereignisse».

Ein Grund für die höhere Intensität und Unlösbarkeit sei der zunehmende Einfluss nicht-staatlicher bewaffneter Gruppen, die vor dem Hintergrund sinkender staatlicher Legitimität gleichermaßen als Konfliktparteien und politische Akteure aufträten. «Der Trend zur Internationalisierung interner Konflikte durch zunehmende Beteiligung Dritter setzt sich fort», hieß es vom IISS weiter.

Zugleich verschärfe sich der Wettbewerb zwischen traditionellen, aufstrebenden und revisionistischen Mächten. Das neue Gewicht von Staaten wie Russland, China, Iran, den Golfstaaten und der Türkei verschärfe den Rückzug der Demokratie. Dies gehe einher mit einem abnehmenden Einfluss des Westens und treibe die geopolitische Fragmentierung im globalen Süden voran.


Biden: «Völlig verrückt, die Ukraine nicht zu unterstützen»

WASHINGTON: US-Präsident Joe Biden versucht, mit Blick auf die Genehmigung neuer US-Hilfen für die Ukraine Optimismus zu verbreiten. «Wir werden das durchsetzen, wir werden es bekommen», sagte Biden am Dienstagabend (Ortszeit) vor Reportern. «Es ist einfach völlig verrückt, die Ukraine nicht zu unterstützen», so Biden weiter. Sollten die Hilfen wegfallen, gehe das gegen die Interessen der USA und der Welt. «Es ist einfach falsch.»

Die Ukraine wehrt seit Februar 2022 einen großangelegten russischen Einmarsch ab und ist dabei auf ausländische Unterstützung angewiesen. Die bisher vom US-Kongress bewilligten Mittel für die Ukraine werden nach Angaben der Regierung zum Jahresende komplett aufgebraucht sein. Der ukrainische Haushalt benötigt nach jüngsten Zahlen aus Kiew vom Mittwoch für 2024 erneut umgerechnet rund 39 Milliarden Euro aus dem Ausland. Die Finanzierung von gut 27 Milliarden Euro gilt als unsicher.

Biden hatte bereits im Oktober beim Kongress ein gewaltiges Milliarden-Paket beantragt, das unter anderem frisches Geld für die Ukraine vorsieht. Die Freigabe neuer US-Hilfen für die Ukraine wird aber weiterhin von einem innenpolitischen Streit zwischen Demokraten und Republikanern im US-Parlament blockiert. Mehr und mehr Republikaner melden Zweifel an der Unterstützung für die Ukraine an oder lehnen diese völlig ab. Ein jüngst verabschiedeter Übergangshaushalt enthält erneut keine neuen Mittel für die Ukraine.


Putin trifft zu Kurzbesuch am Golf ein

ABU DHABI: Der russische Präsident Wladimir Putin ist am Mittwoch zu einem Kurzbesuch am Golf in den Vereinigten Arabischen Emiraten eingetroffen. Später wollte er nach Saudi-Arabien weiterreisen. In Abu Dhabi wurde er vom Präsidenten der Emirate, Mohammed bin Sajid, in Empfang genommen, wie die staatliche Nachrichtenagentur WAM des Landes per X (vormals Twitter) mitteilte. Russischen Angaben zufolge lobte Putin das bilaterale Verhältnis der Länder als geschichtlich beispiellos gut und lud Sajid zum Besuch des Brics-Gipfels 2024 in Kasan ein. Brics steht für die Mitglieder der Organisation: Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika.

Laut Putin sind die Vereinigten Arabischen Emirate der wichtigste Handelspartner Russlands im Arabischen Raum. Beim Gespräch wurden russischen Medien nach aber auch die Kriege im Nahen Osten und der Ukraine angesprochen. Nähere Angaben zu Inhalten gab es nicht.

Nach seinem Besuch in Abu Dhabi wollte Putin mit dem saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman in Saudi-Arabien zusammentreffen.

Nach Angaben der staatlichen russischen Nachrichtenagentur Tass hat Putin Saudi-Arabien und die Emirate zuletzt 2019 vor der Corona-Epidemie besucht. Wegen des Angriffskriegs gegen die Ukraine sind die Auslandskontakte des Kremlchefs beschränkt. Der Besuch am Golf ist der erste seit Kriegsbeginn 2022, der nicht direkten Verbündeten wie China, Weißrussland oder Kasachstan gilt.


Selenskyjs Bürochef warnt vor ukrainischer Niederlage

KIEW: Der Leiter des ukrainischen Präsidentenbüros, Andrij Jermak, hat bei weiter ausbleibender US-Finanzierung vor einer drohenden Niederlage der Ukraine im Krieg gegen Russland gewarnt. «Natürlich macht es die Fortsetzung der Anstrengungen zur Befreiung (der ukrainischen Gebiete) unmöglich und schafft ein großes Risiko, diesen Krieg zu verlieren», sagte Jermak in Washington einer Meldung des staatlichen US-Auslandssenders Voice of America vom Mittwoch zufolge.

Der Ukrainer forderte den Kongress auf, ein seit Oktober blockiertes Milliardenpaket auf den Weg zu bringen. Zugleich versicherte Jermak, dass Kiew militärische Pläne auch für das kommende Jahr habe.

Zuvor hatte Washington eingeräumt, dass im Dezember das Geld für die Unterstützung des von Russland angegriffenen Landes ausgehen werde. Der ukrainische Haushalt benötigt für 2024 erneut umgerechnet rund 39 Milliarden Euro aus dem Ausland. Die Finanzierung von gut 27 Milliarden Euro gilt als unsicher.

Die Ukraine wehrt seit über 21 Monaten mit massiver westlicher Hilfe eine russische Invasion ab. Eine lang angekündigte Offensive der ukrainischen Armee verfehlte im Sommer die anvisierten Ziele deutlich. Moskau kontrolliert einschließlich der bereits 2014 annektierten Schwarzmeer-Halbinsel Krim weiter fast ein Fünftel des ukrainischen Staatsgebiets.


Lettlands Präsident unbeeindruckt von Putins Drohung

RIGA: Lettlands Präsident Edgars Rinkevics hat unbeeindruckt auf Russlands Staatschef Wladimir Putin reagiert, der den Umgang des EU-Lands mit einem Teil seiner russischen Bevölkerung in bedrohlichen Worten kritisiert hatte. «Das ist Einschüchterungspolitik», sagte Rinkevics der Zeitung «Neatkariga Rita Avize» (Mittwoch). «Es ist ein gängiges Narrativ der russischen Propaganda in der letzten Zeit, dass alle ihre Staatsangehörigen oder diejenigen, die der «russischen Welt» angehören, brutal misshandelt werden. Tatsächlich handelt es um einen Versuch, alle Gräueltaten zu kaschieren, die Russland in der Ukraine begeht.»

Putin hatte Lettland am Montag eine «schweinische» Behandlung der russischen Minderheit vorgeworfen und angekündigt, dass Moskau sein Verhältnis entsprechend gestalten werde. «Ich glaube nicht, dass das Glück zu denen ins Haus kommt, die eine solche Politik verfolgen», sagte Putin im Kreml-kontrollierten russischen Menschenrechtsrat.

Hintergrund sind Änderungen Lettlands an seinem Ausländerrecht. In dem baltischen Nachbarstaat Russlands stellt die russischstämmige Minderheit rund ein Viertel der 1,9 Millionen Einwohner: mehrheitlich zur Sowjetzeit eingewanderte Personen und deren Nachkommen. Viele davon sind nicht lettische Staatsbürger, sondern sogenannte Nichtbürger, andere haben einen russischen Pass.

In Reaktion auf Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine hatte das Parlament in Riga beschlossen, dass russische Staatsbürger einen dauerhaften Aufenthaltsstatus beantragen und dafür alltagstaugliche Lettisch-Kenntnisse nachweisen müssen. Betroffen sind gut 20.000 Menschen. Wer die Prüfung zum 1. September nicht bestanden hat, konnte eine zweijährige Aufenthaltsgenehmigung beantragen und den Test wiederholen. Alle ohne Test-Teilnahme bekamen einen Brief mit der Aufforderung, das Land zu verlassen.


«Rossijskaja»: Biden wirbt mit schärferer Rhetorik um Ukraine-Hilfen

MOSKAU: Zum Streit in den USA um weitere Hilfen für die von Russland angegriffene Ukraine schreibt die russische Regierungszeitung «Rossijskaja Gaseta» am Mittwoch:

«Bis zum Jahresende wird die US-Regierung die Mittel zur Unterstützung der Ukraine ausgeschöpft haben und sie wird gezwungen sein, die Waffenlieferungen auszusetzen, sofern die Kongressabgeordneten keine zusätzlichen Mittel genehmigen. (...)

Kürzlich tauchten in den Medien Informationen auf, dass das Weiße Haus Kongressabgeordnete mit Aufrufen überschütte, Gelder für die Ukraine bereitzustellen. Zugleich operiert (US-Präsident Joe) Biden nun nicht mehr mit Pathos geladenen Parolen (...), sondern übernimmt die Rhetorik seines Vorgängers Donald Trump. Insbesondere will der Chef des Weißen Hauses die Kongressabgeordneten davon überzeugen, dass Waffenlieferungen an die Ukraine neue Aufträge und Arbeitsplätze für die amerikanische Verteidigungsindustrie bedeuten - und somit einen Gewinn für die US-Wirtschaft.»


«de Volkskrant»: Doppeltes Nein der EU zur Ukraine wäre desaströs

AMSTERDAM: Zur Blockadehaltung von Ungarns Regierungschef Viktor Orban gegenüber der Ukraine vor dem nächsten EU-Gipfel heißt es am Mittwoch in der niederländischen Zeitung «de Volkskrant»:

«Kein Geld für die Ukraine und kein Beschluss zur Aufnahme von Beitrittsverhandlungen beim EU-Gipfel im Dezember würden nach Ansicht von EU-Beamten nicht gleich eine große Katastrophe bedeuten. Solche Verhandlungen dauern ohnehin jahrelang. Damit ein paar Monate später als vorgesehen zu beginnen, ist verkraftbar. Zudem gibt es Alternativen, um Kiew eine Zeit lang auch ohne ungarische Zustimmung finanziell zu unterstützen. Aber für das Ansehen der EU wäre ein doppeltes Nein zur Ukraine desaströs.

Es wäre ein Schlag ins Gesicht von Ministerpräsident Wolodymyr Selenskyj, wenn er das EU-Versprechen an seine Bürger trotz aller Reformen nicht einhalten kann. Noch härter wäre der Schlag, wenn die EU kein Geld zur Verfügung stellen kann, während die Milliarden aus den USA ebenfalls ins Stocken zu geraten drohen. Dann könnte die Europäische Union ihre Ambitionen als geopolitischer Akteur auf den Müllhaufen werfen.»


Ukraine meldet knapp 50 russische Drohnenangriffe in der Nacht

KIEW: Russland hat die Ukraine in der Nacht zum Mittwoch offiziellen Angaben zufolge erneut mit Dutzenden Kampfdrohnen beschossen. Von den insgesamt 48 unbemannten Flugkörpern hätten 41 abgewehrt werden könnte, teilte die ukrainische Luftwaffe auf Telegram mit. Über mögliche Opfer und Schäden war zunächst nichts bekannt. Bereits am Dienstagabend hatte die Luftwaffe über anfliegende Drohnen berichtet und vor Angriffen insbesondere im südlichen Gebiet Odessa gewarnt. Später wurde gemeldet, dass die Luftverteidigung auch im westukrainischen Chmelnytzkyj aktiv war.

Russland, das seit bereits mehr als 21 Monaten einen Angriffskrieg gegen die Ukraine führt, hat das Nachbarland in den vergangenen Nächten immer wieder mit zahlreichen Kampfdrohnen beschossen. Abgewehrt werden diese auch mit Hilfe westlicher Luftverteidigungssysteme, darunter den aus Deutschland gelieferten vom Typ Iris-T. Mit Blick auf den bevorstehenden Winter haben ukrainische Vertreter zudem davor gewarnt, dass Russland es - wie schon im vergangenen Jahr - erneut auf die ukrainische Energieinfrastruktur abgesehen haben könnte.


Japan lädt G7 zu Online-Treffen - Teilnahme von Selenskyj erwartet

TOKIO: Die G7-Staaten wirtschaftsstarker Demokratien kommen unter Vorsitz Japans zu einem Online-Treffen zusammen. Das gab der japanische Regierungssprecher Hirokazu Matsuno am Mittwoch bekannt. Zu den Beratungen unter Leitung von Ministerpräsident Fumio Kishida werde am Mittwoch auch der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj erwartet. Ein Thema könnte sein, dass die vom US-Kongress bewilligten Mittel für die Ukraine in ihrem Abwehrkampf gegen Russland nach Angaben Washingtons zum Jahresende komplett aufgebraucht sein werden.

Wenn das US-Parlament nicht handele, werde die Regierung keine Mittel mehr haben, um weitere Waffen und Ausrüstung für die Ukraine zu beschaffen oder Ausrüstung aus eigenen Militärbeständen an Kiew zu liefern, hatte die Direktorin des US-Haushaltsamtes, Shalanda Young, in einem Brief an die Führung in beiden Kongresskammern geschrieben.

Zu den G7-Ländern gehören neben Gastgeber Japan auch Deutschland, Frankreich, Italien, Kanada, die USA und Großbritannien. Japan hat in diesem Jahr die Präsidentschaft inne, die nun langsam zu Ende geht.

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