Ukraine-Krise: Aktuelles Geschehen am Freitag

Foto: epa/dpa
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UN-Chef in Hiroshima: «Menschheit spielt mit einer geladenen Waffe»

HIROSHIMA: UN-Generalsekretär António Guterres hat beim Gedenken an den Atombombenabwurf auf die japanische Stadt Hiroshima vor 77 Jahren zur Abschaffung aller Atomwaffen aufgerufen. «Krisen mit ernsten nuklearen Untertönen breiten sich schnell aus - vom Nahen Osten über die koreanische Halbinsel bis hin zur russischen Invasion in der Ukraine», sagte Guterres am Samstag bei einer Gedenkzeremonie im Friedenspark von Hiroshima. «Die Menschheit spielt mit einer geladenen Waffe», sagte er. Er war das erste Mal seit zwölf Jahren, dass ein UN-Chef an Hiroshimas jährlichem Gedenken teilnahm. Russland und sein Verbündeter Belarus waren nicht dazu eingeladen.

Die Mitglieder der noch bis zum 26. August laufenden Konferenz zum Atomwaffensperrvertrag in New York rief Guterres auf, «dringend» darauf hinzuarbeiten, die weltweiten Atomwaffenarsenale, «die unsere Zukunft bedrohen», abzuschaffen. Die atomare Abrüstung war schon vor Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine ins Stocken geraten. Jetzt wird die Reduzierung der knapp 13.000 Atomwaffen weltweit noch schwerer. «Wir müssen die Schrecken von Hiroshima jederzeit im Auge behalten und erkennen, dass es nur eine Lösung für die nukleare Bedrohung gibt: überhaupt keine Atomwaffen zu haben», sagte der UN-Generalsekretär, der für seine Rede in Hiroshima Applaus erhielt.

Zehntausende Bewohner von Hiroshima waren beim Abwurf der amerikanischen Atombombe am 6. August 1945 sofort ums Leben gekommen, insgesamt starben bis Ende 1945 geschätzt 140.000 Menschen. Drei Tage nach Hiroshima warfen die USA eine zweite Atombombe über Nagasaki ab. Kurz danach kapitulierte das japanische Kaiserreich. Hiroshima ist heute ein weltweites Symbol für Krieg - und für Frieden.


Hiroshima gedenkt der Opfer des Atombombenabwurfs vor 77 Jahren

HIROSHIMA: Angesichts der weltweiten Sorgen, Russland könnte bei seinem Angriffskrieg in der Ukraine womöglich Atomwaffen einsetzen, hat der Bürgermeister von Hiroshima zur nuklearen Abrüstung aufgerufen. Bei einer Gedenkzeremonie zum 77. Jahrestag des Abwurfs einer US-Atombombe auf die japanische Stadt warnte Bürgermeister Kazumi Matsui am Samstag davor, dass die Abhängigkeit von nuklearer Abschreckung in der Welt an Bedeutung gewinne. «Wir müssen sofort alle nuklearen Knöpfe bedeutungslos machen», sagte er bei einer Gedenkzeremonie. Erstmals seit zwölf Jahren nahm mit António Guterres auch wieder ein UN-Generalsekretär daran teil. Russland und sein Verbündeter Belarus waren zu der zentralen Gedenkzeremonie in Hiroshima nicht eingeladen.

Um 8.15 Uhr (Ortszeit), dem Zeitpunkt, als der US-Bomber Enola Gay am 6. August 1945 die erste im Krieg eingesetzte Atombombe mit dem Namen «Little Boy» über Hiroshima abgeworfen hatte, legten die Menschen in Hiroshima eine Schweigeminute ein. Russland hatte kürzlich bekräftigt, keinen Atomkrieg starten zu wollen. «Wir gehen davon aus, dass es in einem Atomkrieg keine Sieger geben kann und er niemals begonnen werden darf», schrieb Präsident Wladimir Putin in einem Grußwort an die Konferenz zum Atomwaffensperrvertrag in New York.

Zehntausende Bewohner von Hiroshima waren beim Abwurf der amerikanischen Atombombe damals sofort ums Leben gekommen, insgesamt starben bis Ende 1945 schätzungsweise 140.000 Menschen. Drei Tage nach Hiroshima warfen die USA eine zweite Atombombe über Nagasaki ab. Kurz danach kapitulierte das japanische Kaiserreich. Hiroshima ist heute ein weltweites Symbol für Krieg - und für Frieden.


Nach Akw-Beschuss: Selenskyj fordert neue Sanktionen gegen Russland

KIEW: Nach dem Beschuss des Atomkraftwerks Saporischschja hat der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj Sanktionen gegen Russlands Nuklearindustrie gefordert. «Wer nukleare Bedrohungen für andere Völker schafft, ist definitiv nicht in der Lage, Nukleartechnologie sicher einzusetzen», sagte Selenskyj in seiner Videoansprache in der Nacht zum Samstag. Konkret forderte er etwa Strafmaßnahmen gegen den russischen Staatskonzern Rosatom.

Kiew und Moskau hatten sich am Freitag gegenseitig den Beschuss von Europas größtem Atomkraftwerk in der von Russland besetzten Stadt Enerhodar vorgeworfen. Die Ukraine warf Russlands Truppen vor, das Akw-Gelände selbst angegriffen zu haben. Selensykj sprach von einem «Akt des Terrorismus».

Das Verteidigungsministerium in Moskau hingegen machte ukrainische Soldaten für den Beschuss verantwortlich und teilte mit, ein Kraftwerksblock habe teilweise abgeschaltet werden müssen. Zudem sei in Enerhodar die Strom- und Wasserversorgung in einigen Bezirken ausgefallen.

Erst vor wenigen Tagen hatte sich die Internationale Atomenergiebehörde IAEA besorgt gezeigt angesichts der Lage um das Kraftwerk im Süden der Ukraine. Eine Inspektion zur Prüfung der technischen Sicherheit sei dringend erforderlich, sagte IAEA-Chef Rafael Grossi. Aber es sei momentan sehr schwierig für die IAEA, überhaupt ins Kriegsgebiet nach Saporischschja zu kommen.


Treffen zwischen Putin und Erdogan endet nach vier Stunden

SOTSCHI/ISTANBUL: Der russische Präsident Wladimir Putin und sein türkischer Amtskollege Recep Tayyip Erdogan haben ihr Treffen im russischen Badeort Sotschi beendet. Die Gespräche zwischen den beiden Staatschefs dauerten vier Stunden, wie es aus dem türkischen Präsidialpalast am Freitagabend hieß. Das bestätigte auch Putins Sprecher Dmitri Peskow der staatlichen russischen Nachrichtenagentur Tass. Eine Pressekonferenz war zunächst nicht geplant, allerdings wollte Vize-Regierungschef Alexander Nowak später am Abend für die russische Seite über Ergebnisse berichten.

Auf der Agenda des Treffens von Putin und Erdogan hatten unter anderem die Situation in Syrien und eine militärtechnische Kooperation zwischen beiden Ländern gestanden. Russland hatte jüngst Interesse an türkischen Kampfdrohnen angemeldet.


Russland und Ukraine werfen sich Beschuss von Atomkraftwerk vor

KIEW/MOSKAU: Moskau und Kiew haben sich gegenseitig den Beschuss des von Russland besetzten ukrainischen Atomkraftwerks Saporischschja vorgeworfen. In Teilen der Stadt Enerhodar, in der das Kraftwerk liege, seien Strom- und Wasserversorgung ausgefallen, teilte das russische Verteidigungsministerium am Abend mit. Zudem habe ein Block des Akw teilweise abgeschaltet werden müssen. Ein Brand auf dem Werksgelände habe gelöscht werden können. Die Angaben konnten nicht unabhängig überprüft werden. Von ukrainischer Seite hieß es hingegen, die Russen hätten das Gelände selbst beschossen.

Infolge der russischen Angriffe sei eine Hochspannungsleitung zum benachbarten Wärmekraftwerk beschädigt worden, teilte der ukrainische staatliche Atomkonzern Enerhoatom mit. Das ukrainische Außenministerium appellierte an die internationale Gemeinschaft, sich dafür einzusetzen, dass die Russen den Ukrainern die Kontrolle über das Akw zurückzugeben. Sollte ein Reaktor im Betrieb getroffen werden, seien die möglichen Folgen «gleichbedeutend mit dem Einsatz einer Atombombe», warnte die Behörde in Kiew.

Auch der britische Geheimdienst kam kürzlich zu der Einschätzung, dass Aktionen der russischen Streitkräfte mit hoher Wahrscheinlichkeit die Sicherheit des Akw Saporischschja gefährden.

Erst vor wenigen Tagen hatte sich die Internationale Atomenergiebehörde IAEA besorgt gezeigt angesichts der Lage um das Kraftwerk, das mit sechs Blöcken und einer Leistung von 6000 Megawatt das größte Atomkraftwerk Europas ist. Eine Inspektion zur Prüfung der technischen Sicherheit sei dringend erforderlich, sagte IAEA-Chef Rafael Grossi. Aber es sei momentan sehr schwierig für die IAEA, überhaupt ins Kriegsgebiet nach Saporischschja zu kommen.


Lettland setzt Visa-Vergabe an Russen auf unbestimmte Zeit aus

RIGA: Lettland hat die Ausstellung von Visa für Russen auf unbestimmte Zeit weiter eingeschränkt. Hintergrund ist Russlands Krieg gegen die Ukraine. Die lettische Botschaft in Moskau werde von nun an nur noch Visa-Anträge von russischen Staatsbürgern entgegennehmen, die an der Beerdigung eines nahen Verwandten in Lettland teilnehmen müssen. Dies teilte die Auslandsvertretung des baltischen EU- und Nato-Landes am Freitag auf Twitter mit.

Lettland hatte zuvor bereits die Ausgabe von Visa für Bürger des Nachbarlandes eingeschränkt - sie wurden nur noch in humanitären Fällen ausgestellt. So erteilte Riga etwa Aufenthaltsgenehmigungen an eine großen Zahl an russischen Journalisten, die aufgrund der von der russischen Behörden verhängten Medienbeschränkingen nicht mehr in diesem Land arbeiten konnten. Zuletzt hatten aber die lettischen Sicherheitsbehörden vor möglichen Risiken gewarnt, wenn immer mehr russische Medien in Lettland arbeiten.


Papst empfängt hohen Moskauer Kirchenvertreter im Vatikan

ROM: Papst Franziskus hat einen der höchsten Amtsträger der russisch-orthodoxen Kirche zu einem Gespräch im Vatikan empfangen. Damit wurden am Freitag Hoffnungen genährt, dass sich das durch den Ukraine-Krieg angespannte Verhältnis der zwei wichtigen Kirchen verbessern könnte. Der Heilige Stuhl berichtete von der Audienz von Metropolit Antonij, dem einflussreichen Leiter des Außenamtes des Patriarchats von Moskau. Er gilt als Nummer zwei und Vertrauter von Patriarch Kirill - das Kirchenoberhaupt hatte in den vergangenen Monaten zum großen Missfallen des Papstes für den Krieg geworben.

Franziskus drängt schon seit Jahren auf ein zweites Treffen mit Kirill nach deren bislang einzigem Aufeinandertreffen 2016 auf Kuba. Das Treffen mit Antonij in Rom - über dessen Inhalt der Vatikan wie üblich schwieg - werten Beobachter als Vorbereitung auf die Reise des Papstes nach Kasachstan im September. Dann kann der Pontifex bei einem Treffens von Religionsführern womöglich mit Kirill sprechen.

Die russisch-orthodoxe Kirche teilte mit, dass zwischen Franziskus und Antonij «zahlreiche Themen» der orthodox-katholischen Beziehungen zur Sprache gekommen seien, auch «im Zusammenhang mit politischen Prozessen in der Welt».


Putin lobt türkische Vermittlung in Getreide-Krise

ISTANBUL: Der russische Präsident Wladimir Putin hat dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan für die Vermittlung zum Abschluss des Getreide-Abkommens gedankt. Erdogan habe nicht nur die Wiederaufnahme der ukrainischen Getreidelieferungen aus den Schwarzmeerhäfen befördert, sagte Putin bei einem Statement mit Erdogan in Sotschi vor gemeinsamen Gesprächen am Freitag. «Sondern gleichzeitig wurde eine Paketlösung über die störungsfreie Lieferung russischer Lebens- und Düngemittel auf die Weltmärkte verabschiedet.»

Agrarexporte über die ukrainischen Schwarzmeerhäfen waren wegen des russischen Angriffskrieges zuletzt monatelang blockiert gewesen. Die Kriegsgegner Ukraine und Russland hatten am 22. Juli unter UN-Vermittlung jeweils getrennt mit der Türkei ein Abkommen unterzeichnet, um von drei Häfen Getreideausfuhren aus der Ukraine zu ermöglichen. Im Zuge der Einigung unterzeichneten die UN und Russland auch eine separate Absichtserklärung. Diese sieht nach UN-Angaben vor, den Export von russischen Lebensmitteln und Düngemitteln zu fördern.

Putin lobte zudem die aus Russland und über die Türkei verlaufende Pipeline Turkstream. Die sei nicht nur eine der wichtigsten Versorgungsadern Europas, sondern funktioniere «im Gegensatz zu anderen Richtungen unserer Kohlenstofflieferungen störungsfrei, dynamisch und ohne Ausfälle», so der Kremlchef mit Blick auf die seit Juni zurückgefahrenen Gasliefermengen bei der Pipeline Nord Stream 1.

Erdogan sagte, man werde auch über die Situation in Syrien sprechen. Die Türkei kündigt seit Wochen eine neue Offensive im Norden des Landes an. Russland ebenso wie der Iran - beide Akteure im syrischen Bürgerkrieg - hatten der Türkei bisher von einem solchen Schritt abgeraten. Die Türkei hält bereits Gebiete in Nordsyrien besetzt und begründet eine erneute Offensive mit «terroristischer Bedrohung» von Seiten der syrischen Kurdenmiliz YPG, die Ankara als Terrororganisation ansieht.


Ukraine schließt Stadt Mykolajiw für Suche nach Kollaborateuren

MYKOLAJIW: In der südukrainischen Hafenstadt Mykolajiw wird für die Suche nach Helfern der russischen Armee eine mehr als zweitägige Ausgangssperre verhängt. «Am Wochenende wird die Stadt geschlossen, kaufen Sie rechtzeitig Wasser und Lebensmittel. Wir arbeiten, darunter in Bezug auf die Kollaborateure», sagte Gouverneur Witalij Kim am Freitag in einer Videobotschaft. Die allgemeine Ausgangssperre gilt demnach von Freitag 23.00 Uhr Ortszeit (22.00 MESZ) bis Montag 5.00 Uhr Ortszeit (4.00 MESZ).

Der Gouverneur hatte die Sperre bereits im Juli angekündigt. Für Hinweise auf Artilleriebeobachter, die das russische Feuer auf Objekte in der Stadt lenken, hatte der 41-Jährige zudem eine Prämie von umgerechnet knapp 100 Euro ausgelobt.

Mykolajiw wird beinahe täglich aus rund 25 Kilometern Entfernung von der russischen Armee mit Raketen beschossen. Den Behörden zufolge werden dabei fast ausschließlich zivile Objekte getroffen. Russland war am 24. Februar in die Ukraine einmarschiert. Die Stadt hatte vor dem Krieg fast 500.000 Einwohner.


EU-Staaten haben bereits 1000 Patienten aus der Ukraine aufgenommen

BRÜSSEL: EU-Staaten haben nach Daten der Europäischen Kommission bereits 1000 Patienten aus ukrainischen Krankenhäusern aufgenommen, um das durch den Krieg stark geforderte Gesundheitssystem zu entlasten. «Da die Zahl der Verletzten in der Ukraine Tag für Tag steigt, kämpfen lokale Krankenhäuser darum, mit dem Andrang Schritt zu halten», erklärte die EU-Kommission am Freitag. Um den Druck auf die örtlichen Krankenhäuser zu lindern, koordiniere die EU bereits seit dem 11. März die Verlegung von Patienten in andere europäische Länder.

Insgesamt haben sich nach Angaben der EU-Kommission bereits 18 Staaten an der Hilfsaktion beteiligt. Bei den jüngsten Transfers seien zuletzt Anfang des Monats 15 Patienten nach Deutschland, vier in die Niederlande sowie je 2 nach Tschechien und Norwegen gebracht worden, teilte die Brüsseler Behörde mit.

Der für das EU-Krisenmanagement zuständige Kommissar Janez Lenarcic sagte, er danke allen Ländern, die in dieser kritischen Zeit ukrainische Patienten aufnähmen. Die Solidarität in der EU rette Leben, da der russische Krieg das ukrainische Gesundheitssystem an den Rand der Leistungsfähigkeit bringe.


Erdogan reist zu Treffen mit Putin nach Sotschi

ISTANBUL: Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan ist zu seinem Treffen mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin aufgebrochen. Die beiden Präsidenten wollen sich am Freitagnachmittag in der russischen Schwarzmeer-Stadt Sotschi zum persönlichen Gespräch treffen, hieß es aus dem türkischen Präsidialamt. Demnach stehen bei dem Treffen aktuelle regionale und globale Ereignisse auf dem Programm. Eine Pressekonferenz ist vorerst nicht geplant, wie es von beiden Seiten hieß.

Nach Einschätzung von Experten werde es in den Gesprächen neben dem Krieg in der Ukraine vor allem um die türkischen Pläne zu einer neuen Offensive in Nordsyrien gehen. Russland ebenso wie der Iran, beide Akteure im syrischen Bürgerkrieg, hatten der Türkei von einem solchen Schritt abgeraten.

Die Türkei hält bereits Gebiete in Nordsyrien besetzt und begründet eine erneute Offensive mit «terroristischer Bedrohung» von Seiten der syrischen Kurdenmiliz YPG, die Ankara als Terrororganisation ansieht. Bundesaußenministerin Annalena Baerbock hatte eine mögliche Offensive bei ihrem kürzlichen Türkei-Besuch als nicht gerechtfertigt bezeichnet.

Laut Kreml soll auch über militärtechnische Zusammenarbeit gesprochen werden. Russland hatte kürzlich Interesse an der im Krieg auch von Kiew erfolgreich eingesetzten türkischen Kampfdrohne Bayraktar TB2 gezeigt. Putin habe vorgeschlagen, gemeinsam mit der Türkei an den Drohnen des Unternehmens Baykar zu arbeiten, zitierte der Sender CNN Türk Erdogan. Eine entsprechende Fabrik könne in den Vereinigten Arabischen Emiraten gegründet werden.


Moskau will Atomdeal mit Iran in Originalfassung wiederbeleben

PHNOM PENH: Eine Neuauflage des Atomabkommens mit dem Iran kann es aus Sicht Moskau nur unter den ursprünglich getroffenen Bedingungen geben. «Dieser Plan sollte ausschließlich in der Fassung erneuert werden, in der er vom UN-Sicherheitsrat genehmigt wurde, ohne irgendwelche Zusätze und Einschränkungen», erklärte Russlands Außenminister Sergej Lawrow auf einer Pressekonferenz in Phnom Penh der Agentur Interfax zufolge. Seinen Angaben nach versuchten die USA, einen abgeänderten Plan zur Basis eines neuen Abkommens zu machen.

Die Position des Iran sei «absolut gerechtfertigt.» Die USA seien einseitig aus dem Abkommen ausgestiegen. «Und weil Washington versucht hat, es zu zerstören, muss Washington natürlich auch seine Position revidieren und zu den ursprünglichen Vereinbarungen zurückkehren.»

Die USA sind 2018 unter Präsident Donald Trump aus dem Abkommen ausgestiegen. Nach Beginn des Ukraine-Kriegs und der Verhängung westlicher Sanktionen gegen Russland hatte Moskau von Washington schriftliche Garantien gefordert, dass diese nicht die Wirtschaftsbeziehungen zum Iran gefährdeten. In Wien wird seit Donnerstag wieder über eine Rettung des Atomabkommens verhandelt. Der Pakt sollte den Bau von iranischen Atombomben verhindern. Seit dem US-Ausstieg und den neuen Wirtschaftssanktionen ignoriert der Iran die vereinbarten Beschränkungen seines Atomprogramms.


Deutsche Post stellt nationales Geschäft in Russland ein

BONN: Der Logistikkonzern Deutsche Post wird sein nationales Geschäft in Russland nicht fortführen. «Wir haben diese Entscheidung vergangene Woche getroffen», sagte Konzernchef Frank Appel in einer Telefonkonferenz zur Vorlage der Quartalszahlen am Freitag in Bonn. Finanzchefin Melanie Kreis erläuterte, dass die Entscheidung zu Wertberichtigungen im laufenden dritten Quartal führen werde. Die Größenordnung entspreche der Wertberichtigung aus dem Auftaktquartal. Damals hatten die gesunkenen Geschäftserwartungen in Russland zu Wertminderungen in Höhe von 30 Millionen Euro geführt.

Die nun getroffene Entscheidung bezieht sich zunächst auf das nationale Geschäft in Russland, also Sendungen und Transporte innerhalb des Landes. Es werde nun ein Sozialplan für die von der Entscheidung betroffenen Angestellten entwickelt, hieß es am Freitag. Im Im- und Exportgeschäft bestünden noch vertragliche Verpflichtungen, sagte Appel. Vor dem Ausbruch des Ukraine-Kriegs und den darauffolgenden Sanktionen gegen Russland erzielte die Deutsche Post ein Prozent ihres Gesamtumsatzes in Russland.


London: Ukrainisches Atomkraftwerk durch russische Aktionen gefährdet

LONDON: Nach Einschätzung britischer Geheimdienste gefährden Aktionen der russischen Streitkräfte mit hoher Wahrscheinlichkeit die Sicherheit des ukrainischen Atomkraftwerks Saporischschja. Moskaus Absichten im Hinblick auf das größte Atomkraftwerk in Europa seien fünf Monate nach Beginn des Krieges noch immer unklar, hieß es am Freitag in einem Update des britischen Verteidigungsministeriums.

Die Russen setzten wohl Artillerieeinheiten in den an das Kraftwerk angrenzenden Gebieten ein, um ukrainische Regionen westlich des Dnipro-Flusses anzugreifen. Womöglich nutzten sie dabei den Hochsicherheitsstatus des Kraftwerkgeländes aus, um sich und ihre Ausrüstung vor nächtlichen ukrainischen Gegenangriffen zu schützen, hieß es.

Mit sechs Blöcken und einer Leistung von 6000 Megawatt ist das Werk in der Stadt Enerhodar in der Oblast Saporischschja das größte Atomkraftwerk Europas. Russische Truppen hatten die Anlage Anfang März besetzt. Danach wurde das Kernkraftwerk von ukrainischem Personal weiterbetrieben, aber von russischen Nuklearspezialisten überwacht.

Der Chef der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA hat die Lage am Kernkraftwerk als äußerst unbeständig und fragil bezeichnet. «Alle Prinzipien nuklearer Sicherheit wurden auf die eine oder andere Art verletzt», sagte Rafael Grossi in dieser Woche in New York. Eine IAEA-Inspektion zur Prüfung der technischen Sicherheit sei dringend erforderlich.


Russische Truppen greifen vor Donezk mehrere Frontabschnitte an

KIEW: Die russischen Truppen haben nach ukrainischen Angaben im Gebiet Donezk eine größere Offensive gestartet. «Im Raum Donezk führt der Feind eine Angriffsoperation Richtung Bachmut und Awdijiwka durch», teilte der ukrainische Generalstab in seinem Lagebericht am Freitagmorgen mit. Mit den Gefechten versuchen die russischen Truppen demnach, sich in eine gute Ausgangsposition für die Eroberung der Städte Soledar und Bachmut zu bringen und ihre Kontrolle auf das Gebiet westlich von Donezk zu erweitern.

Die Städte Soledar und Bachmut sind Teil der Verteidigungslinie östlich des Ballungsraums um die Großstädte Slowjansk und Kramatorsk. Dort lebten vor dem Krieg mehr als eine halbe Million Menschen. Es ist der letzte Großraum im Donbass, der noch von Kiewer Truppen kontrolliert wird. Die Ukraine hat das Gebiet zu einer Festung ausgebaut.

Laut dem Generalstab sind die Gefechte vor Bachmut ergebnislos verlaufen. Vor Awdijiwka hingegen, direkt nördlich an Donezk angrenzend, hielten die Kämpfe an. Unabhängig sind die Berichte nicht zu überprüfen. Schon in den vergangenen Tagen hatten die Kampfhandlungen in der Region nach einer kürzeren Pause wieder an Schärfe zugenommen.


RTL kappt Ergebnisprognose - Schwaches Quartal, trübe Aussichten

LUXEMBURG: Der Fernsehkonzern RTL hat nach einem schwachen zweiten Quartal und wegen trüber Aussichten die Prognose für den operativen Gewinn gesenkt. Nachdem sich der deutsche Werbemarkt im März und April - wie bereits bekannt - schwächer als erwartet entwickelt hatte, haben sich die Buchungen und die Aussichten auf den meisten europäischen Werbemärkten weiter eingetrübt. Der Krieg in der Ukraine, die Inflation und die Energieversorgungs- sowie Lieferketten-Probleme sorgten für Unsicherheit, teilte die im MDax gelistete Bertelsmann-Tochter am Freitag in Luxemburg mit.

Aus diesem Grund rechnet der Konzern beim um Sondereffekte bereinigten Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen auf immaterielle Werte (Ebita) nur noch mit einem Wert zwischen 1,05 Milliarden Euro und 1,15 Milliarden Euro. Bisher hatte RTL einen Wert auf der Höhe des Vorjahresniveaus von rund 1,15 Milliarden Euro in Aussicht gestellt. Die von der Nachrichtenagentur Bloomberg befragten Experten haben bisher einen Anstieg des operativen Gewinns auf dem Zettel. Für den Umsatz prognostiziert RTL jetzt einen Wert zwischen 7,3 Milliarden Euro und 7,5 Milliarden Euro nach zuvor rund 7,4 Milliarden Euro. Im vergangenen Jahr hatte RTL rund 6,6 Milliarden Euro erlöst.


Außenminister Chinas und Russlands brüskieren Japan

PHNOM PENH: Die Außenminister Russlands und Chinas haben beim Ministertreffen des Verbands Südostasiatischer Nationen (Asean) einem Medienbericht zufolge mit einer Protestaktion auf Kritik aus Japan reagiert. Wie die japanische Nachrichtenagentur Kyodo am Freitag unter Berufung auf diplomatische Quellen beim Treffen in Phnom Penh berichtete, verließen der russische Außenminister Sergej Lawrow und Chinas Chefdiplomat Wang Yi den Sitzungssaal, als der Redebeitrag ihres japanischen Kollegen Yoshimasa Hayashi anstand. Damit reagierten sie offenbar auf Japans Kritik an Chinas militärischen Manövern vor Taiwan sowie an Russlands Angriffsrieg gegen die Ukraine, hieß es.

Japan hatte zuvor gemeinsam mit den weiteren führenden demokratischen Wirtschaftsmächten (G7) betont, dass es keinen Grund dafür gebe, den Besuch der US-Spitzenpolitikerin Nancy Pelosi in Taiwan als Vorwand «für aggressive militärische Aktivitäten» zu benutzen. Der Besuch Pelosis war die ranghöchste Visite aus den USA seit einem Vierteljahrhundert. Peking sieht die Insel als Teil der Volksrepublik an und droht mit einer militärischen Eroberung. Taiwan hingegen versteht sich als unabhängig.

Das chinesische Außenministerium China bestellte den japanischen Botschafter ein. Das Außenamt berichtete am Freitag, ihm sei ein formeller Protest übergeben worden. Am Tag zuvor waren ähnlich schon die Botschafter der weiteren G7-Staaten und der EU-Vertreter einbestellt worden.


Lawrow nennt Allianz mit China Pfeiler für Triumph des Völkerrechts

PHNOM PENH: Russlands Außenminister Sergej Lawrow hat vor dem Hintergrund des andauernden russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine Moskaus Allianz mit Peking als Rückhalt des Völkerrechts bezeichnet. «Unsere strategische Partnerschaft ist einer der Stützpfeiler der Bewegung für den Triumph des Völkerrechts», sagte der russische Chefdiplomat der Agentur Interfax zufolge am Freitag beim Ministertreffen des Verbands Südostasiatischer Nationen (Asean).

Lawrow präsentierte sich als Bewahrer der UN-Charta, die allen Staaten gleichberechtigt Souveränität gewähre. Die USA verstießen ständig gegen diesen Grundsatz, kritisierte der 73-Jährige. «Wir beteiligen uns zusammen mit der Chinesischen Volksrepublik an der kürzlich geschaffenen Gruppe der Freunde zum Schutz der UN-Charta», so Lawrow. Er rechne damit, dass die Gruppe wachsen werde. Die Versuche der USA, ihre Dominanz an immer neuen Orten der Welt zu demonstrieren, werde scheitern.

Die russische Führung rechtfertigt den eigenen, gegen das Völkerrecht verstoßenden Angriffskrieg gegen das Nachbarland Ukraine einerseits mit der angeblichen «Befreiung» des dortigen Volkes, andererseits auch als Abwehr einer Russland bedrohenden geplanten Nato-Expansion. China gibt sich in dem Konflikt offiziell neutral, gibt aber die Schuld für die Eskalation dem Westen. Moskau revanchierte sich jüngst in der Taiwan-Krise mit der diplomatischen Unterstützung für Pekings Militärmanöver vor der Insel.

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Strauss 08.08.22 15:55
Du kannst dreimal raten.....
Alle die keinen Kuschelkurs machten mit denen, und jetzt noch nicht eingesehen haben dass man den Russen kein Gas und nichts mehr abnehmen darf. Renault ist weg von Moskau und die werden dort versuchen den alten Moskwitsch wieder in die Gänge zu bekommen. So muss das gehen....
Peter Joe 08.08.22 15:54
Globalisten
Nichts ist Zufall, alles ist so gewollt und geplant und es wurde auch nieder geschrieben in den Weisen von Zion. Alles wird genau so abgearbeitet.
Hit the Lights 08.08.22 04:30
Strauss
Welche Staaten tun dies schon lange? d.h. 1) welche? 2) besonders die, die das "schon lange" tun und dabei erfolgreich sind? Ich meine besonders jetzt die hypothetischen Staaten in Hinblick auf Wirtschaftsunabhängigkeit von China.
Strauss 08.08.22 03:20
Aber Deutschland muss endlich einsehen,
dass die Deglobalisierung zuerst gegen Russland und China schleunigst losgehen muss .
Andere Staaten tun dies schon lange. Nur so kann künftig eine Politisch und wirtschaftliche Selbstständigkeit wieder erlangt werden. Erst wenn diesen 2 Grosstaaten der Zahn wirtschaftlich als auch militärisch gezogen ist, bekommt der Westen wieder Selbstbewusstsein. Putin spielt mit der Angst der Westlern. Hiess es bis jetzt:
Lieferung just in time
Heisst neu:
to have everithing in time
Strauss 07.08.22 14:10
Ich sehe keinen Anlass
Völkermörder, ob die Putin oder Hitler heissen, gebührend zu bezeichnen. Auch wenn Berichte deshalb von mir hier gelöscht werden.