Türkei zieht Pass eines Journalisten vor Reise nach Berlin ein

Foto: Twitter/@exint24
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ISTANBUL (dpa) - Die türkischen Behörden haben den Pass des prominenten Journalisten und Schriftstellers Hasan Cemal kurz vor einer Reise nach Deutschland eingezogen. Cemal habe am Sonntagmittag mit seiner Ehefrau nach Berlin fliegen wollen. Die Polizei habe ihn am Flughafen Istanbul jedoch darauf hingewiesen, dass eine Ausreisesperre gegen ihn vorliege, und seinen Reisepass beschlagnahmt, berichtete das regierungskritische Online-Medium T24, für das Cemal schreibt. Die Gründe waren zunächst unklar.

Nach Angaben von T24 musste Cemal ein Dokument unterschreiben, aus dem hervorgeht, dass die Ausreisesperre schon am 11. November verhängt wurde. Cemal schreibt Kolumnen für T24 und ist Gründer der Nichtregierungsorganisation P24, die sich für Pressefreiheit in der Türkei einsetzt.

In dem 2012 erschienenen Buch «1915: Völkermord an den Armeniern» setzte sich Cemal kritisch mit seiner eigenen Familiengeschichte im Bezug auf die Massaker an den Armeniern im Osmanischen Reich auseinander. Der Großvater des Journalisten, Cemal Pascha, war einer der Hauptverantwortlichen für den Völkermord. Die Türkei als Nachfolgerin des Osmanischen Reiches lehnt die Einstufung der Massaker als Völkermord strikt ab.

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