Kadyrow weist Gerüchte über Auftragsmord zurück

Chef der Tschetschenischen Republik Ramsan Kadyrow. Archivfoto: epa/Alexey Nikolsky
Chef der Tschetschenischen Republik Ramsan Kadyrow. Archivfoto: epa/Alexey Nikolsky

WIEN: Nach dem gewaltsamen Tod eines Tschetschenen in Österreich hat der Republikchef der russischen Nordkaukasus-Region, Ramsan Kadyrow, eine Verwicklung in den Fall zurückgewiesen. Der 43-Jährige, der am Samstag in Gerasdorf bei Wien erschossen wurde, sei Opfer von Geheimdiensten geworden, die eine solche Tat Russland und insbesondere ihm selbst anlasten wollten, schrieb Kadyrow im Nachrichtenkanal Telegram. Zugleich warnte er seine Landsleute: «Werdet nicht zu Marionetten, kümmert Euch um Eure Familien. Sonst wird Euch auch solch ein Schicksal ereilen; und beschuldigt werden Kadyrow und sein Trupp.»

Die österreichische Polizei bestätigte am Donnerstag, dass das Opfer bedroht worden war. Der 43-Jährige, der seit 2007 in Österreich lebte, hatte monatelang Videos veröffentlicht, in denen er den Machthaber der islamisch geprägten russischen Teilrepublik teils sehr rüde kritisierte. Die Drohungen «nahmen an Intensität zu», sagte ein Polizeisprecher. Das Landesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung habe die Drohungen sehr ernst genommen und dem Mann Schutz angeboten, den er aber nur für den Wohnsitz seiner Familie angenommen habe.

Das Motiv ist laut Polizei aber weiter offen. «Wir können nicht ausschließen, dass es sich um einen Auftragsmord handelt, andererseits könnte aber auch ein Streit eskaliert sein», so der Sprecher. Medienberichten zufolge hatte es unter Tschetschenen in Wien zuvor Gerüchte über Mordpläne und ein Kopfgeld gegeben. Zwei ebenfalls aus Tschetschenien stammende Tatverdächtige sitzen seit Samstag in Untersuchungshaft. Ein 47-Jähriger, der nach einer Verfolgung festgenommen wurde, verweigert laut Polizei die Aussage. Der zweite Angeklagte ist ein 37-Jähriger, der das Opfer zum Tatort begleitet haben soll. Alle drei lebten als russische Staatsbürger seit Jahren in Österreich.

Kritiker werfen dem vom Kreml unterstützten Kadyrow immer wieder die brutale Ausschaltung politischer Gegner auch im Ausland vor. In Berlin sorgte 2019 die Erschießung eines Tschetschenen mit georgischer Staatsangehörigkeit für Aufsehen. Die Bundesanwaltschaft geht davon aus, dass der Mord von der russischen Regierung in Auftrag gegeben wurde. Mit Blick auf den Fall in Wien sagte die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa, am Donnerstag, dass Spekulationen über eine Beteiligung der tschetschenischen Führung deplatziert seien und «objektive Ermittlungen stören» würden.

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