Trump verspricht baldiges Pandemie-Ende - Fauci eine «Katastrophe»

Antonio Fauci, Direktor des National Institute of Allergy and Infectious Diseases am NIH. Foto: epa/Graeme Jennings
Antonio Fauci, Direktor des National Institute of Allergy and Infectious Diseases am NIH. Foto: epa/Graeme Jennings

WASHINGTON/TUCSON: Donald Trump geht mit Klagen über Corona-Müdigkeit auf Stimmenfang und stellt ein baldiges Ende der Pandemie in Aussicht. Zudem greift er den wohl renommiertesten Gesundheitsexperten der USA frontal an. Sein Herausforderer Biden findet dafür scharfe Worte.

Rund zwei Wochen vor der US-Wahl hat Präsident Donald Trump Stimmung gegen renommierte Gesundheitsexperten und die kritische Pandemie-Berichterstattung vieler Medien gemacht. «Die Leute haben die Pandemie satt», sagte der Republikaner am Montag (Ortszeit) bei einem Wahlkampfauftritt im südwestlichen Bundesstaat Arizona. «Die Pandemie ist bald vorbei», versprach er seinen Anhängern - obwohl das im Widerspruch zur aktuellen Entwicklung in den USA steht, wo die Zahl der Neuinfektionen zuletzt wieder anstieg.

Zuvor hatte Trump den Top-Immunologen Anthony Fauci Medienberichten zufolge schwer gescholten und ihm Fehler beim Management der Pandemie vorgeworfen. «Der Typ ist eine Katastrophe», sagte Trump nach Angaben der «New York Times» in einer Telefonschalte mit seinem Wahlkampfteam. «Die Leute haben es satt, Fauci und diese Idioten zu hören, all diese Idioten, die Fehler gemacht haben.» Trump sagte nach Angaben von CNN mit Blick auf Fauci: «Wenn ich auf ihn gehört hätte, hätten wir 500.000 Tote.» Trump dementierte die Berichte nicht. Auf Twitter schrieb er: «Alles, was ich von Tony verlange, ist, dass er bessere Entscheidungen trifft.»

In den USA, einem Land mit rund 330 Millionen Einwohnern, sind bislang mehr als 220.000 Menschen nach einer Infektion mit dem Coronavirus gestorben. Seit Beginn der Pandemie haben sich mehr als 8,2 Millionen Menschen in den Vereinigten Staaten mit dem Virus angesteckt. Die Zahl der Neuinfektionen stieg zuletzt wieder auf etwa 50.000 pro Tag.

Der renommierte Gesundheitsexperte Fauci (79) ist Direktor des Nationalen Instituts für Infektionskrankheiten und Teil der Corona-Arbeitsgruppe des Weißen Hauses. Selbst in Trumps Partei regte sich angesichts seiner heftigen Kritik Widerspruch. Der Vorsitzende des Gesundheitsausschusses im US-Senat, Lamar Alexander, teilte auf Twitter mit, Fauci sei einer der angesehensten Beamten überhaupt und habe unter sechs US-Präsidenten gearbeitet. «Wenn mehr Amerikaner auf seinen Rat hören würden, hätten wir weniger Fälle von Covid-19.»

Trump wiederum setzte seine Angriffe bei zwei Wahlkampfauftritten in Arizona fort. Die Menschen hätten es satt, dass Medien wie der liberale Sender CNN nur noch über die Pandemie sprächen, sagte Trump. Er warf CNN vor, so negativ über die Pandemie zu berichten, damit die Leute nicht zur Wahl gingen. «Die Leute kaufen Euch das nicht ab, CNN, ihr dummen Bastarde», sagte Trump unter dem Jubel seiner Anhänger.

Der demokratische Präsidentschaftskandidat Joe Biden verurteilte Trumps Äußerungen zur Pandemie und dessen Kritik an Fauci. «Herr Präsident, Sie haben in einer Hinsicht Recht: Die Amerikaner haben es satt. Sie haben ihre Lügen über dieses Virus satt», erklärte Biden. «Sie haben es satt, zuzusehen wie noch mehr Amerikaner sterben und mehr ihre Jobs verlieren, weil Sie sich weigern, diese Pandemie ernst zu nehmen.»

In Umfragen stellt eine Mehrheit der Amerikaner Trump seit Monaten ein schlechtes Zeugnis für dessen Krisenmanagement in der Pandemie aus. Fauci genießt in Befragungen deutlich mehr Vertrauen als der Präsident.

Der Umgang mit der Pandemie dürfte für viele Wähler bei der Präsidentenwahl am 3. November eine große Rolle spielen. Landesweiten Umfragen zufolge liegt der Demokrat Biden deutlich in Führung. Auch viele Erhebungen aus wichtigen Bundesstaaten sehen ihn vor Trump. Doch vor vier Jahren lag Trump in Umfragen ebenfalls zurück - und setzte sich schließlich doch gegen Hillary Clinton durch.


Trump-Team kritisiert Debatten-Kommission vor letztem TV-Duell

WASHINGTON: Vor der letzten TV-Debatte vor der US-Präsidentenwahl hat das Wahlkampfteam von Amtsinhaber Donald Trump scharfe Kritik an den Organisatoren geübt. Wahlkampfberater Jason Miller warf der Debatten-Kommission in einer Telefonschalte mit Journalisten am Montag «anhaltende Wahlbeeinflussung» zugunsten von Trump-Herausforderer Joe Biden vor. Bei der letzten Debatte vor der Wahl gehe es traditionell um Außenpolitik, sagte Miller. Beim TV-Duell an diesem Donnerstagabend (Ortszeit) in Nashville im Bundesstaat Tennessee liege darauf aber nicht der Schwerpunkt. «Wir glauben, dass das auf Bitten des Biden-Wahlkampfteams ist.»

Miller sagte, Ex-Vizepräsident Biden wolle bei der Debatte nicht mit seiner früheren Unterstützung «endloser Kriege» oder mit fragwürdigen Auslandsgeschäften seines Sohnes Hunter Biden konfrontiert werden. «Es ist klar, dass das Biden-Lager nicht über Außenpolitik sprechen möchte.» Man habe auch gehört, dass womöglich Regeln für die Debatte geändert werden sollten. Nach der ersten Debatte Ende September - die vor allem wegen Trumps ständiger Unterbrechungen ins Chaos abglitt - hatte die Kommission Änderungen angekündigt, aber keine Details veröffentlicht. Trump hat eine Änderung der Regeln abgelehnt.

Der Republikaner Trump griff am Montag bei einem Wahlkampfstopp in Phoenix (Arizona) die Moderatorin der Debatte an diesem Donnerstag, die NBC-Journalistin Kristen Welker, an. Sie sei eine «radikale linke Demokratin», sagte er. Nach Angaben der Debatten-Kommission gehören zu den von Welker ausgewählten sechs Themen unter anderem die Coronavirus-Pandemie, der Klimawandel und nationale Sicherheit.

Die zweite Debatte, die für den 15. Oktober geplant war, wurde nach der Covid-19-Erkrankung Trumps gestrichen. Die Veranstalter wollten die Debatte online abhalten, statt die Kandidaten in einem Raum zusammenzubringen. Trump sagte daraufhin seine Teilnahme ab. Biden (77) und Trump (74) traten an dem Abend dann zeitgleich in zwei verschiedenen TV-Sendern auf, um sich Fragen von Wählern zu stellen.

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Urs Widmer 20.10.20 17:00
Mir ist nur eine Katastrophe in diesem Land bekannt
Francis Light 20.10.20 14:56
Trump hat insofern recht
Ja, alle haben genug vom Chinavirus, weltweit.

Zur Wahl: ist ja auch Trist, wenn man im Prinzip nur die Wahl zwischen Trump und Sleepy Joe hat, beide wenig erfreuliche Ausblicke. Die anderen Kandidaten werden sowieso nichts reissen.
Trump oder Sleepy Joe.
Klaus Olbrich 20.10.20 14:55
Trump bezeichnet andere als Idioten.!
Fraglich ist, wer ist der groesste Idiot im Land ?
Er wird die Wahl (hoffentlich) verlieren, danach werden alle ueber ihn herfallen wie ein Raubtier ueber seine Beute.! Wer weiss, was dann noch alles ans Tageslicht kommt.?
Ingo Kerp 20.10.20 13:22
Wie ein tollwütiger Hund beißt und schlägt (verbal) der Trump auf alles ein, was nicht zu den Ja-Sagern gehoert. Nun sogar auf den intern. anerkannten und renommierten Immunologen A. Fauci. Da muß man sich doch langsam fragen, was war noch in dem "Wunderheilmittel", mit dem man Trump behandelt hat, außer den bekannten Bestandteilen?