Troja-Scherben im Atelier

Kriegsfunde zurück aus privater Hand

Ein Blick in einen der Ausstellungssäle während der Presseeröffnung der Ausstellung
Ein Blick in einen der Ausstellungssäle während der Presseeröffnung der Ausstellung "Rastlose Zeiten. Archäologie in Deutschland" in der Galerie Gropius Bau in Berlin. Foto: epa/Omer Messinger

BERLIN: Einige Teile werden zum Troja-Schatz gerechnet: Historische Funde aus Berliner Ruinen haben fast acht Jahrzehnte nach Kriegsende aus privatem Besitz ihren Weg zurück ins Museum für Vor- und Frühgeschichte gefunden. Die etwa 1500 Objekte waren nach Angaben vom Dienstag in der Ruine des damaligen Museums, in dem heute der Gropius Bau untergebracht ist, gesammelt worden. Es handelt sich um Keramik in Scherben und ganze Gefäße, zudem auch Bronzen, Eisen und Stein.

Das ehemalige Kunstgewerbemuseum beherbergte früher auch Depots des heutigen Museums für Vor- und Frühgeschichte von Berlins Staatlichen Museen. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude aus dem 19. Jahrhundert stark zerstört und sollte zunächst abgerissen werden.

Laut Matthias Wemhoff, Direktor des Museums für Vor- und Frühgeschichte, hatte sich die Witwe des Berliner Künstlers Peter Grämer (1939-2018) an das Haus gewandt. Er hatte der Schilderung zufolge während seiner Studienzeit zusammen mit anderen Studentinnen und Studenten in der Ruine gegraben, die erst Ende der 1960er Jahre komplett freigelegt wurde. Seine Funde notierte er in einer Kladde, die auch Zeichnungen und Aquarelle der Fundstücke enthält.

Wemhoff geht davon aus, dass noch zahlreiche Dinge in privaten Haushalten lagern. «Es fehlen unglaublich viele Objekte», sagte er mit Blick auf die Inventarlisten. Die Suche in Ruinen sei «ein ziemlich weit verbreitetes Hobby» gewesen. «Bringen Sie alles zu uns, was altertümlich aussieht», forderte Wemhoff mögliche Sammler auf. Es gebe juristisch nichts zu befürchten, «sondern große Dankbarkeit».

Nach Angaben von Museumskustos Bernhard Heeb hatte Sammler Grämer die Objekte in seinem Atelier als Dekoration zwischen seinen eigenen Kunstwerken stehen. Zudem seien Schränke voll gewesen, im Keller auch Schachteln und Kartons. Alles sei sorgfältig verpackt gewesen. Heeb sprach von einem «sehr speziellen Konvolut», von dem einige Teile bereits im alten Inventarbuch des Museums wiedergefunden worden seien. Einige Objekte werden den Troja-Funden von Heinrich Schliemann (1822-1890) zugerechnet und sollen bereits in der Ausstellung «Schliemanns Welten» (13.5-6.11.) gezeigt werden. «Je mehr Stücke wir zuordnen können, umso bedeutender wird die Rückgabe», sagte Heeb.

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