Trocken ins neue Jahr

Thailands erstes Songkran-Fest der neuen Normalität wird anders als je zuvor

Alte Songkran-Bräuche leben wieder auf. Foto: visoot/Adobe Stock
Alte Songkran-Bräuche leben wieder auf. Foto: visoot/Adobe Stock

THAILAND: Ausgerechnet die ungebändigte Corona lässt den Zauber alter Traditionen beim anstehenden thailändischen Neujahrsfest vom 13. bis 15. April wieder aufleben: Da Wasserschlachten zur Covid-19-Prävention verboten wurden, rücken die alten Songkran-Rituale wieder in den Vordergrund, wie das Baden der Buddha-Figuren und zeremonielle Handwaschungen.

An Songkran pflegen Thais ihre Bräuche und lassen althergebrachte Traditionen aufleben. Das Tragen wunderschöner Trachten ist besonders bei Frauen beliebt, nur auf das Wasserspritzen muss auch im zweiten Corona-Jahr verzichtet werden. Foto: Chanwit / Adobe Stock
An Songkran pflegen Thais ihre Bräuche und lassen althergebrachte Traditionen aufleben. Das Tragen wunderschöner Trachten ist besonders bei Frauen beliebt, nur auf das Wasserspritzen muss auch im zweiten Corona-Jahr verzichtet werden. Foto: Chanwit / Adobe Stock

Von Dienstag, 13. April bis Donnerstag, 15. April feiern Thais im ganzen Land traditionell das thailändische Neujahrsfest. Auch wenn die Feierlichkeiten im Gegensatz zum Vorjahr nicht gänzlich gestrichen wurden, sorgt die ungebändigte Corona für eine Reihe von Einschränkungen, die dem als Wasserfest weltweit bekannten Songkran-Festival seine Seele berauben: Ausgerechnet das Spitzen von Wasser wurde von den Behörden wegen der anhaltenden Covid-19-Gefahr in jeder Art und Weise verboten, weshalb die Feierlichkeiten dieses Jahr so trocken wie nie zuvor ausfallen werden. Da Uneinsichtige wegen des Verstoßes gegen die Notstandsgesetzgebung belangt werden, was empfindliche Geldstrafen von 100.000 Baht und/ oder ein Jahr Haft zur Folge hat, kann man davon ausgehen, dass sich die ansonsten „Sanuk“-verrückten Einwohner des Königreichs an die Auflagen halten werden.

Beim Almosengang der Mönche sammeln Buddhisten Karma-Punkte und starten gesegnet ins neue Jahr. Foto: tuaindeed / Adobe Stock
Beim Almosengang der Mönche sammeln Buddhisten Karma-Punkte und starten gesegnet ins neue Jahr. Foto: tuaindeed / Adobe Stock

Als Spaßbremse möchte die Regierung dennoch nicht gelten. Sie ruft die Bevölkerung zur Besinnung auf die traditionellen Songkran-Riten auf, die vielerorts durch den ansonsten oft tagelang andauernden „Wasserkrieg“ längst in Vergessenheit geraten sind. Sie betont, dass Songkran auch ohne wilde Wasser- und Puderschlachten großen Spaß machen kann und verlangte den kreativen Köpfen der Thailändischen Tourismusbehörde (TAT) dieses Jahr alles ab, dem wichtigsten Fest der thailändischen Bevölkerung sowie der im zweiten Corona-Jahr völlig brachliegenden Urlaubsindus­trie des Landes trotz Spitzverbot, sozialer Distanzierung und Nasen-Mund-Schutz-Pflicht einen fröhlichen Charakter zu bescheren.

Karma-Punkte für das neue Jahr

In vielen Tempeln aber auch an den Stränden des Landes errichten die Buddhisten chediartige Sandpagoden. Foto: darkfoxelixir / Adobe Stock
In vielen Tempeln aber auch an den Stränden des Landes errichten die Buddhisten chediartige Sandpagoden. Foto: darkfoxelixir / Adobe Stock

Zu den rituellen Aspekten des Songkran-Festes zählen unter anderem das Darbringen von Speisen und Opfergaben an die Mönche in den buddhis­tischen Tempeln des Landes. Bereits in den frühen Morgenstunden suchen Buddhisten ihren Wat zur Teilnahme an spirituellen, buddhistischen Liedern und Gebeten auf, zumeist gefolgt vom Almosengang der Mönche. Getreu dem Tambun-Prinzip „Bewirke Gutes und Dir wird Gutes widerfahren“ füllen die Menschen die Almosenschalen der Mönche – zumeist mit abgepacktem Reis – und erhalten dafür Segen und somit einen guten Start ins neue Jahr.

Wassergießen statt Wasserkrieg

Beim Baden der Buddha-Figuren wird Duftwasser über die Hände (niemals über den Kopf) der Statue gegossen. Foto: Junjira / Adobe Stock
Beim Baden der Buddha-Figuren wird Duftwasser über die Hände (niemals über den Kopf) der Statue gegossen. Foto: Junjira / Adobe Stock

Im Anschluss erfolgt das rituelle Baden der Buddha-Figuren. Dabei begießen die Gläubigen das Abbild des Erleuchteten langsam und behutsam mit Duftwasser von Jasminblüten. Mit der rituellen Waschung des Abbildes des Erleuchteten wollen Buddhisten aber auch ihre Herzen „reinigen“. Schließlich lässt sich ohne Ballast leichter ins neue Jahr starten. Ein weiterer wichtiger Bestandteil der traditionellen Songkran-Riten ist die Ehrerweisung für ältere Mitmenschen, zumeist Familienmitgliedern, mit zeremoniellen Handwaschungen und kleinen Geschenken. In vielen Städten werden Senioren an Songkran für ihre harte Arbeit im Leben und ihre Dienste für die Gesellschaft zudem kleine Ehrenabzeichen verliehen. Das rituelle Baden der Buddhastatuen und die zeremoniellen Handwaschungen zählen zu den wichtigsten Neujahrsritualen, worauf auch der Name „Wan Lai“ hinweist, wie Songkran vielerorts auch genannt wird, was sich ins Deutsche mit „Wassergießen“ übersetzen lässt.

Aufleben traditioneller Songkran-Riten

Neben dem Baden der Buddha-Figuren gehören Handwaschungen zu den wichtigsten Songkran-Riten. Foto: joey333 / Adobe Stock
Neben dem Baden der Buddha-Figuren gehören Handwaschungen zu den wichtigsten Songkran-Riten. Foto: joey333 / Adobe Stock

Mit Ausstellungen religiöser Artefakte, unterhaltsamen kulturellen Darbietungen in traditionellen Kostümen, dem Baden der Buddhafiguren und anderen Bräuchen soll sich das erste Songkran-Fest der neuen Normalität zurück auf seine Wurzeln besinnen. Ein kultureller Schwerpunkt, der auch auf allen nachfolgenden Songkran-Festivals befolgt wird, die von der TAT präsentiert werden:

Die Chedis werden dann mit kleinen Flaggen geschmückt. Foto: nuwatphoto / Adobe Stock
Die Chedis werden dann mit kleinen Flaggen geschmückt. Foto: nuwatphoto / Adobe Stock

• Donnerstag, 1. April bis Sonntag, 18. April: „A Sense of Thai 2021“ im Einkaufszentrum Central Embassy in der Phloen Chit Road in Bangkok.

• Dienstag, 6. April bis Donnerstag, 15. April: „Amazing Songkran Buriram – Presented by Chang“ in der Chang Arena an der Buriram–Prakhonchai Road (2445) und im Gebiet rund um die Statue von König Phra Phutthayodfa Chulalongkorn dem Großen, Kreuzung Wongwian Buriram–Satuk, in Buriram.

• Freitag, 9. April bis Dienstag, 13. April: „Salung Luang Festival“ in Lampang. Zu den Höhepunkten gehören Trommelshows und eine große volkstümliche Parade, auf der Lampangs überdimensionierte „Salung“ (Wasserschale) durch die Stadt getragen wird.

• Donnerstag, 1. April bis Montag, 19. April: „Paweni Pee Mai Mueang Chiang Mai“ in der Innenstadt von Chiang Mai.

• Donnerstag, 8. April bis Dienstag, 13. April: „Khon Kaen Songkran Festival“ im öffentlichen Park Bueng Kaen Nakhon in Mueang Khon Kaen und im Wat Chaisi im Tambon Ban Sawathi.

• Freitag, 9. April bis Sonntag, 18. April: „The Iconic Songkran Festival 2021“ im Einkaufszentrum Iconsiam am Chao-Phraya-Ufer in Bangkok.

• Montag, 12. April bis Sonntag, 18. April: „Maha Songkran Isaan“ im Wat Pho Chai in Mueang Nong Khai.

• Sonntag, 25. April: „The Phra Pradaeng Songkran Festival“ im Bezirk Phra Pradaeng in Samut Prakan

• Dienstag, 13. April bis Donnerstag, 15 April: „Songkran Festival Khao San Road“ in der Khaosan Road im Bezirk Phra Nakhon in Bangkok

Auf dem „Amazing Songkran Festival“ in Bangkok werden Songkran-Bräuche aus allen Landesteilen präsentiert. Foto: Tourism Authority of Thailand
Auf dem „Amazing Songkran Festival“ in Bangkok werden Songkran-Bräuche aus allen Landesteilen präsentiert. Foto: Tourism Authority of Thailand

• Dienstag, 13. April bis Donnerstag, 15. April: „Amazing Songkran Festival“ an der Makkasan Station des Airport Rail Link in Bangkok. Auf dem größten Songkran-Festival der Thailändischen Tourismusbehörde können die Besucher die traditionellen Songkran-Riten aus allen Landesteilen erleben, lokales Kunsthandwerk bestaunen sowie traditionelle thailändische Speisen, Snacks und Desserts genießen. Für Spaß und Unterhaltung wird mit kulturellen Darbietungen wie Khon-Maskentanz, Nang-Yai-Schattenpuppenspiel, Livemusik und vielem mehr gesorgt. 

Wasser spritzende Elefanten sind fester Bestandteil der traditionellen Neujahrsfeierlichkeiten in Ayutthaya. Foto: epa/Diego/Azubel
Wasser spritzende Elefanten sind fester Bestandteil der traditionellen Neujahrsfeierlichkeiten in Ayutthaya. Foto: epa/Diego/Azubel

• Dienstag, 13. April bis Donnerstag, 15. April: „Songskran Festival in the Old Town“ in der Sri Sanphet Road vor dem Büro der TAT in Ayutthaya. Traditionell werden die Besucher beim Auftakt des Songkran-Festivals in Ayutthaya von Elefanten nassgespritzt. Zurückspritzen ist dieses Jahr jedoch strengstens untersagt!

• Dienstag, 13. April bis Donnerstag, 15. April: „Sukhothai Songkran Festivals 2021“ mit historischer Kulisse im Sukhothai Historical Park.

Kurzfristige Änderungen vorbehalten. Auskünfte erteilt die Tourism Authority of Thailand (TAT) unter der Rufnummer 02-250.5500 ext. 3489 und das TAT-Call Centerunter der Kurzwahl 1672. Infos: www.thailandfestival.org.


Songkran: Drachenfest statt Wasserkrieg

Als Alternative zum untersagten „Wasserkrieg“ richtet die Stadt Pattaya ein Drachenfest am Strand aus.
Als Alternative zum untersagten „Wasserkrieg“ richtet die Stadt Pattaya ein Drachenfest am Strand aus.

Mit einem Drachenfestival am Strand an der Beach Road will die Stadtverwaltung Pattaya über die anstehenden Feiertage zum thailändischen Neujahrsfest Inlandstouristen anlocken und der lokalen Wirtschaft Einnahmen bescheren. Denn im Gegensatz zu Vor-Corona-Zeiten, als die Stadt wegen ihres zumeist länger als 10 Tage andauernden „Wasserkrieges“ den Ruf als Party-Hauptstadt des Landes genoss, wird sich das Songkranfest in Pattaya in diesem Jahr nicht als Selbstläufer erweisen, da internationale Touristen wegen der strengen Quarantäne-Bestimmungen weiterhin ausbleiben und die Regierung das traditionelle Wasserspritzen sowie die Durchführung von Großveranstaltungen verboten hat, um das Risiko für einen erneuten Covid-19-Ausbruch im Königreich zu senken. Damit Einwohner und Besucher Pattayas trotz der vielen Corona-Verbote das neue Jahr mit Spaß und Unterhaltung begrüßen können, wird von Freitag, 9. April bis Montag, 19. April, jeweils von 14.00 bis 20.00 Uhr, als Alternative zum gestrichenen „Wasserkrieg“ das „Kite on the Beach“-Festival am Strand vor dem Einkaufszentrum CentralFestival Pattaya Beach veranstaltet. Seite an Seite über Strand und Meer schwebend, können Drachen in den unterschiedlichsten Farben und Formen bewundert werden. Nach Aussage des stellvertretenden Bürgermeis­ters Ronnakit Eakkasing wird als Festival-Höhepunkt ein 35 Meter langer „Bowl Kite“ in Form eines riesigen Wal-Weibchens über den Köpfen der Besucher schweben, der bereits bei den „Guinness World Records“ angetreten ist und für internationale Aufmerksamkeit gesorgt hat. Erstmalig in Thailand werden auf dem Festival auch LED-Drachen in den nächtlichen Himmel aufsteigen und die Besucher in ihren Bann ziehen. Abgerundet wird das „Kite on the Beach“-Festival mit traditionellen Songkran-Aktivitäten, fernab des gleichermaßen geliebten und gehassten „Wasserkrieges“. 


Marktmeile am Ufer des Khlong Ong Ang

Am Ufer des Khlong Ong Ang wird eine Marktmeile mit Produkten aus allen Bangkoker Bezirken veranstaltet.
Am Ufer des Khlong Ong Ang wird eine Marktmeile mit Produkten aus allen Bangkoker Bezirken veranstaltet.

Die Metropolverwaltung Bangkok (BMA) richtet über die Songkran-Feiertage von Freitag, 9. April bis Mittwoch, 14. April eine Marktmeile am Ufer des Khlong Ong Ang im historischen Bezirk Phra Nakhon aus, auf der ausschließlich lokale Produkte aus den 50 Bezirken der Hauptstadt angeboten werden. Nach Aussage der stellvertretenden BMA-Generalsekretärin Wanlaya Wattanarat umfasst das Sortiment Lebensmittel, Getränke, Kräuterprodukte, Schmuck, Kleidung, Souvenirs und vieles mehr – alles „made in Bangkok“! Am Montag, 12. April werden die Besucher zur rituellen Reinigung der Buddha-Figuren eingeladen, bei der die Abbilder des Erleuchteten vorsichtig mit duftendem Blütenwasser begossen werden. Abgerundet wird das Programm mit kulturellen Aufführungen und Konzerten, sowohl am Montag, 12. April als auch am Dienstag, 13. April. Auch wenn das Wasserspritzen dieses Jahr von den Behörden verboten wurde, fordert Khun Wanlaya alle Besucher auf, bunte Songkran-Hemden zu tragen, um dem Festival Farbe zu verleihen. 
Standort auf Google Maps.

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