Tourismus auf dem Weg zum Comeback

​Ungewissheit wegen Ukraine-Krieg

Foto: Pixabay/Gerhard G.
Foto: Pixabay/Gerhard G.

FRANKFURT/MAIN: Corona-Reisebeschränkungen werden deutlich gelockert oder fallen ganz. Nach zwei harten Jahren schöpft die Tourismusbranche Hoffnung. Für Unsicherheit sorgt aber der Ukraine-Krieg.

Die von der Corona-Krise hart getroffene Tourismusbranche sieht Licht am Ende des Tunnels. Immer mehr Länder lockern ihre Reisebeschränkungen, in Deutschland sollen bis Mitte März alle weitreichenden Einschränkungen fallen. Veranstalter, Reisebüros und Hoteliers hoffen auf einen starken Sommer. Die Nachfrage nach Pauschalreisen zieht an. «Einen dunklen Schatten der Unsicherheit» werfe aber der Krieg Russlands in der Ukraine, sagt Präsident des Reiseverbandes DRV, Norbert Fiebig vor dem am 8. März beginnenden Online-Kongress der Internationalen Reisemesse ITB.

Inwieweit der Krieg das Buchungsverhalten der Menschen nach zwei Pandemie-Jahren beeinflusst, ist Fiebig zufolge noch nicht absehbar. Grundsätzlich scheint die Reiselust der Menschen groß zu sein. Die Buchungen für die wichtige Sommersaison ziehen in Reisebüros und auf Online-Reiseportalen an und liegen seit Anfang Februar über dem Niveau der Vorkrisenwochen vom Februar 2019. Mit einer Rückkehr zum Vorkrisenniveau rechnet der DRV allerdings erst im Tourismusjahr 2023, weil Reisebeschränkungen auf der Fernstrecke das Geschäft in der laufenden Wintersaison belasteten.

«Die Zeichen stehen gut, dass wir in diesem Jahr ein Sommergeschäft sehen werden, das an das Vor-Pandemie-Niveau herankommt», sagte Stefan Baumert, Geschäftsführer Tui Deutschland unlängst. «Seit Ende Januar liegen die Eingänge über dem Niveau von 2019.» Auch andere große Veranstalter sehen steigende Buchungszahlen. Gebucht wird kurzfristig als Reaktion auf wegfallende Corona-Restriktionen, aber auch längerfristig, wie der Chef der FTI Group, Ralph Schiller berichtete.

Im dritten Jahr der Coronapandemie planen einer Umfrage zufolge mehr als 50 Prozent der Menschen in Deutschland wieder eine längere Urlaubsreise. «Bereits jetzt ist sich mehr als jeder zweite Deutsche (57 Prozent) sicher, dieses Jahr in den Urlaub zu fahren», , berichtete die Hamburger Stiftung für Zukunftsfragen von British American Tobacco (BAT) unlängst. Im vergangenen Jahr lag dieser Wert bei knapp einem Viertel der Bevölkerung.

Wie schon in den vergangenen zwei Pandemiejahren steht Umfragen zufolge Urlaub zwischen Rügen und Garmisch-Partenkirchen hoch im Kurs. «Es ist davon auszugehen, dass die Nachfrage für Ostern und für das Frühjahr mit Eintreten der Lockerungen ab 20. März zunehmen wird», zeigte sich Norbert Kunz, Geschäftsführer des Deutschen Tourismusverbandes (DTV) zuversichtlich. «Das Frühjahr 2021 hat bereits gezeigt, dass die Buchungen schnell zunahmen, als Planbarkeit gegeben war. Die Menschen möchten reisen und Urlaub machen.»

Kunz geht davon aus, dass auch in diesem Jahr die Nord- und Ostsee sowie die Alpenregion zu den beliebtesten Reisezielen der Menschen im eigenen Land zählen. «Dort ist wieder mit großer Nachfrage zu rechnen. Auch die Seenregionen und die Mittelgebirge sind beliebt», berichtete Kunz. Zudem wächst die Hoffnung für den Städtetourismus, der in den vergangenen zwei Pandemie-Jahren besonders unter dem Ausbleiben von Gästen aus dem Ausland und dem Wegfall von Messen und anderen Veranstaltungen litt.

Insgesamt rechnet Kunz allerdings nicht damit, dass die Nachfrage im Deutschland-Tourismus insgesamt in diesem Jahr das Vorkrisenniveau erreicht. «Dieses Jahr wird aus heutiger Sicht ohne Frage besser, aber es ist nicht damit zu rechnen, dass wir an die Zahlen vor der Pandemie heranreichen.»

Das gilt allerdings nicht für alle Bereiche des Deutschland-Tourismus. So erwartet die Campingbranche bereits in diesem Jahr Übernachtungszahlen auf einem Vor-Corona-Niveau. Die Branche profitierte in der Pandemie von gestiegener Nachfrage nach Campingurlaub, der als kontaktärmer gilt, und kam trotz Rückgängen vergleichsweise gut durch die ersten beiden Pandemie-Jahre.

Im Ausland zieht es Pauschalurlauber Veranstaltern zufolge im Sommer aktuell vor allem zu den klassischen Zielen am Mittelmeer, wie Spanien, Türkei, Griechenland, Ägypten und Italien. Auf der Fernstrecke punkten unter anderem die USA und die Karibik.

«Wir stellen eine stark gestiegene Reiselust fest. Die Menschen wollen wieder reisen - und zwar auch ins Ausland und in die Ferne», berichtete DER Touristik-Manager Sven Schikarsky. Der nach Tui zweitgrößte deutsche Reisekonzern erwartete zuletzt eine starke Sommersaison.

Wegen der Corona-Pandemie war die Internationale Tourismus-Börse (ITB) in Berlin auch in diesem Jahr als Präsenzveranstaltung abgesagt worden. Am 8. März startet der dreitägige «ITB Berlin Kongress» online.

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