Thailand Mon Amour

Nicknamen

Sataporn Mahavongtrakul – Kanakporn Bohwongpraset – Pattarajitra Praditmanuthram. Das ist keine magische Zauberformel, das sind ganz gewöhnliche Vor - und Nachnamen in Thailand. Es versteht sich von selbst, dass diese Zungenbrecher nicht alltagstauglich sind und nur in offiziellen Dokumenten, in Pässen und Heiratsurkunden verwendet werden. Die Thais selbst geben sich Nicknamen, meist einsilbige, die gar nichts mit dem eigentlichen Namen zu tun haben müssen.

Ich bin froh, dass es so ist, denn müsste ich den vollen Namen aussprechen, hätte ich, bei der Endsilbe angelangt, bereits wieder vergessen, was ich fragen wollte. Abgesehen davon haben es die Nicknamen, wie sie hier gebräuchlich sind, auch in sich.

Nicknamen: Niine, Nui, Noi, Nit, Nee

Die Freundinnen meiner Frau heißen Niine, Nui, Noi, Nit und Nee. Kommt sie am Abend nachhause und spricht von Nui, sehe ich vor meinem geistigen Auge Noi, manchmal auch Nee. Es fällt mir schwer, die Damen auseinanderzuhalten, was ich natürlich nie zugeben würde und so gut wie möglich zu kaschieren versuche. Ich hoffe einfach, dass ich im Laufe ihrer Erzählung herausfinde, ob es sich gerade um Nui, die in der Scheidung lebt handelt oder um Noi, die gerade einen Farang kennengelernt hat, oder Nit, die sich vor ihrem prügelnden Ehemann bei Nee versteckt.

Ich warte also mal ab und habe mir deshalb den Ruf eingehandelt, ein guter Zuhörer zu sein. Passiert es doch einmal, dass ich bis zum Ende der Geschichte Niine mit Nee verwechselt habe, kommt eine andere Strategie zum Einsatz. Um den Verdacht meiner Frau zu „verwedeln“, wechsle ich dann scheinbar unauffällig das Thema: „Wie war das doch nochmals mit der neuen Schuhkollektion, die du im Supermarkt gesehen hast?“ Das funktioniert immer. Selbstverständlich hat sie immer neue Schuhe im Supermarkt gesehen, sonst wäre sie ja keine Frau.

Ich erinnere mich, dass diese Strategie nur ein einziges Mal ihre magnetisierende Wirkung verfehlt hatte oder verfehlt hätte, wenn ich davon Gebrauch gemacht hätte. Das war, als Nee (oder war es Noi?) von einem wohlhabenden oder verblendeten, aber sicher verblödeten Farang 400.000 Baht bekam, um einen Massagesalon zu eröffnen. Das Verblüffende daran war nicht das Geld an sich, sondern die Tatsache, dass der Mann die Dame kaum gekannt hatte, keine vierzehn Tage zuvor war er ihr das erste Mal begegnet. Er kam, sah und blechte. Wer bringt den Kerl ins Heim zurück?

Keine Nicknamen: Model und Party

Diese Geschichte brachte einige Verwirrung in die Damenwelt. Selbstverständlich fragten sich Nui, Noi, Nine und Nit, was Nee hatte, was sie nicht hatten. Jetzt wussten sie es: Sie hatten keinen Irren, der ihnen 400.000 schenkt.

Eine Story dieser Art verleiht auch den Augen der „besten Thai-Frau aller Zeiten“ einen gewissen Glanz, ein pekuniäres Leuchten, vor dem wohl keine gefeit wäre. Ich zog es vor, die Sache nicht zu kommentieren, als sie damit herausrückte, mal abgesehen davon, dass ich sprachlos war. Den Link zu den Schuhen ließ ich wohlweislich bleiben, der Vergleich wäre zu kümmerlich ausgefallen.

Am anderen Tag traf ich meinen Nachbarn und erzählte ihm die Geschichte. Er kaute eine Weile auf den Lippen herum und meinte dann grinsend: „So ein Idiot... er macht den Markt kaputt...” „Genau…, noch so einer und unser Marktwert wäre im Keller...”, sagte ich lachend.

Am Abend brachte ich das Thema am Esstisch zur Sprache und fragte unsere Zehnjährige, welche Nicknamen in ihrer Klasse gerade à jour seien. „Ein Mädchen heißt Party und meine Banknachbarin Model, sagte sie leichthin und fand nichts Besonderes dabei. „Party und Model?”, wiederholte ich ungläubig, „aber das sind doch Nicknamen, oder?” „Nein, das sind ihre richtigen Namen, ihre Väter sind Farangs,” fügte sie erklärend hinzu.

Ich hatte Mitleid mit den beiden Mädchen und fand das thailändische Pattarajitra plötzlich sympathisch, es hört sich im Gegensatz zu Model und Party wie reine Poesie an.

Apropos: Inzwischen hat Nee ihren Massagesalon eröffnet. „Salon Khun Nee“ steht da in großen Lettern. Ihr richtiger Name ist Kanakporn. „Salon Kanakporn?“ Wohl eher nicht. Die Thais wissen um die Bedeutung von Nicknamen. Wir jetzt auch.


Über den Autor

Khun Resjek lebt mit seiner thailändischen Frau und Tochter in Hua Hin. Seine Kolumne „Thailand Mon Amour“ illustriert auf humorvolle Weise den Alltag im „Land des Lächelns“ aus der Sicht eines Farang und weist mit Augenzwinkern auf das Spannungsfeld der kulturellen Unterschiede und Ansichten hin, die sich im Familienalltag ergeben. Ein Clash der Kulturen der heiteren Art, witzig und prägnant auf den Punkt gebracht.

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Leserkommentare

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Hans-Ulrich Johner 15.04.19 12:08
Übernamen
Die Übernamen werden schon den Neugeborenen gegeben, damit die bösen Geister nicht an den richtigen Namen merken können, dass es sich um einen Menschen handelt. Freundliche Grüsse H. U. Johner