Tausende demonstrieren gegen Abbas

Foto: epa/Abed Al Hashlamoun
Foto: epa/Abed Al Hashlamoun

RAMALLAH/HEBRON: Im Westjordanland haben erneut Tausende Menschen gegen die Autonomiebehörde von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas protestiert. Grund für die Demonstrationen am Samstag war der Tod eines bekannten Kritikers der Behörde. Augenzeugen zufolge nahm auch dessen Familie an der Kundgebung in der Stadt Ramallah teil.

«Geh Abbas!», war auf Schildern der Demonstranten zu lesen. Zugleich gab es in der Stadt Hebron eine große Pro-Abbas-Kundgebung mit ebenfalls tausenden Teilnehmern.

Nisar Banat war vor anderthalb Wochen im Verlauf einer polizeilichen Festnahme ums Leben gekommen. Die genauen Hintergründe seines Todes sind noch nicht geklärt. Nach Angaben der palästinensischen unabhängigen Kommission für Menschenrechte ergab eine Autopsie, dass der 44-Jährige massive Schläge bekam, auch auf Kopf und Nacken. Angehörige werfen der Polizei vor, ihn bei der Festnahme schwer misshandelt zu haben.

Sicherheitskräfte gaben an, sie hätten einen Haftbefehl gegen Banat wegen mutmaßlichen Verstoßes gegen ein palästinensisches Gesetz gegen Cyberverbrechen gehabt. Dieses schränkt unter anderem die freie Meinungsäußerung in sozialen Medien ein.

Am Begräbnis des Kritikers hatten vor einer Woche ebenfalls Tausende teilgenommen. Tagelang gingen Menschen anschließend auf die Straße, um ein Ende der Herrschaft des 85-jährigen Abbas zu fordern - darunter vor allem Mitglieder der islamistischen Hisb al-Tahrir (Befreiungspartei).

Banat wollte bei den palästinensischen Parlamentswahlen kandidieren, die Abbas dann jedoch absagte. Er warf der Autonomiebehörde immer wieder schwere Menschenrechtsverletzungen und Korruption vor und wurde auch mehrfach verhaftet. Abbas hatte die Verschiebung der für den 22. Mai geplanten Wahl mit dem Konflikt um Jerusalem mit Israel begründet. Einen neuen Termin gibt es bislang nicht. Es wäre die erste Wahl seit 15 Jahren gewesen. Seit der Absage wird über ein härteres Vorgehen gegen Kritiker der Autonomiebehörde berichtet.

Überzeugen Sie sich von unserem Online-Abo:
Die Druckausgabe als vollfarbiges PDF-Magazin weltweit herunterladen, alle Artikel vollständig lesen, im Archiv stöbern und tagesaktuelle Nachrichten per E-Mail erhalten.
Pflichtfelder
Jürgen Franke 04.07.21 16:09
Redaktion, ändert bitte die Titelzeile
mir schmerzen die Augen: wenn gegen Abbas demonstriert wird, heißt es wider Abbas. Oder es wird wieder demonstriert

Anm. der Redaktion
Danke für den Hinweis.
Michael Krispin 04.07.21 16:05
Tausende demonstrieren wieder Abbas?
Liebe Redaktion
benutzt doch lieber Wörter die unfallfrei gelesen werden.
Erst im Text habe ich verstanden was gemeint war.
Es heisst gegen oder wider mit nur einem e
Bitte berichtigen Sie diese peinliche Stilikone
Ingo Kerp 04.07.21 13:10
Nichts gegen einen 85-jährigen, wenn man selbst zur alten Generation zählt. Dennoch ist es manchmal gut, wenn ein jüngerer und geschichtlich nicht rückwärtsdenkender Kopf an eine wichtige Schaltstelle der Politik kommt. Deshalb wäre es auch Zeit für Abbas, nun in Rente zu gehen. Eigene polit. Erfolge hat der ohne demokrat. Legitimierung hantierende "Präsident" eh nicht vorzuweisen.