Taliban treffen in Oslo Staatssekretär der Regierung

Die internationalen Sonderbeauftragten und Vertreter der Taliban treffen sich im Hotel Soria Moria in Oslo. Foto: epa/Stian Lysberg Solum
Die internationalen Sonderbeauftragten und Vertreter der Taliban treffen sich im Hotel Soria Moria in Oslo. Foto: epa/Stian Lysberg Solum

OSLO: Die norwegische Regierung hat ihre Gespräche mit den militant-islamistischen Taliban verteidigt. Das Treffen bedeute keine Anerkennung der Taliban als Regierung Afghanistans, sagte Henrik Thune, ein Staatssekretär des Außenministeriums, am Dienstagabend der norwegischen Nachrichtenagentur NTB. Daher werde auch nicht die Außenministerin selbst, sondern er die Delegation am Abend treffen.

Auch der norwegische Ministerpräsident Jonas Gahr Støre verteidigte die Einladung an die Taliban. Ein großer Teil der Bevölkerung Afghanistan sei auf humanitäre Hilfe angewiesen, um zu überleben, sagte er NTB. Die Weltgemeinschaft könne daher nicht einfach zuschauen, sondern müsse im aktiven Dialog bleiben. Das bedeute keine Anerkennung der Islamisten als Regierung Afghanistans. Bisher hat kein Land der Welt die Taliban-Regierung anerkannt.

Die Situation von Frauen in Afghanistan nach der Machtergreifung der Taliban im vergangenen Jahr stand ganz oben auf der Agenda für die Gespräche in Oslo, an denen auch der Afghanistan-Sondergesandte der Bundesregierung, Jasper Wieck, und andere Gesandte weiterer westlicher Länder und der EU teilnahmen.

Auch das Schicksal von zwei vermissten Aktivistinnen, die vergangene Woche in Kabul aus ihren Häusern entführt worden sein sollen, kam auf den Tisch. Der Delegationsleiter der Taliban, Außenminister Amir Chan Muttaki, sagte, man versuche mehr über den Vorfall in Erfahrung zu bringen. Es sei insgesamt nichts Ungewöhnliches daran, dass in einem Land Menschen inhaftiert oder freigelassen würden.

Es ist das erste Mal, dass die Islamisten seit ihrer Machtergreifung in Afghanistan mit einer Delegation in ein westliches Land gereist sind. International ist das Treffen auch auf Kritik gestoßen. Norwegen ist in der Vergangenheit immer wieder als Vermittler bei Konflikten in anderen Ländern aufgetreten, auch mit den Taliban steht das skandinavische Land seit Jahren im Dialog. Die Taliban sehen die Norwegen-Reise als Erfolg an. Man habe sehr gute Treffen gehabt, sagte Muttaki am Montag vor Journalisten. Man hoffe nun auf Hilfen für den Gesundheits- und Bildungssektor.

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Ingo Kerp 26.01.22 11:40
Ein wenig verfroren sehen die Gäste aus dem Osten am Verhandlungstisch schon aus. Was auch immer sie den Norwegern zusagen, viele ihrer Versprechen haben sie bisher nicht gehalten. Die Lage in AFGH hat sich in vielerlei Beziehungen verschlechtert und die zotteligen Gesellen haben nichts dazu beigetragen, das sich das Leben verbessert hätte. So ist damit zu rechnen, das der Norwegenbesuch auch keine greifbaren Ergbnisse bringen wird.