Südostasien macht sich

Foto: Orlando Bellini/Fotolia.com
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Chinas Politik der letzten Jahre beginnt international Auswirkungen zu zeigen. Die Investmentbank Natixis hat grenzüberschreitende Firmenübernahmen sowie Investitionen während der letzten drei Jahre in Asien und Indien ausgewertet und für Südost­asien eine sehr erfreuliche Entwicklung festgestellt. China auf der anderen Seite ist der große Verlierer. Während 2021 noch 27,7 Mrd. US-Dollar ins Reich der Mitte flossen, waren es 2022 bis Ende August nur noch 6,3 Mrd. US-Dollar inklusive Hongkong.

Der Krieg in der Ukraine sowie die Politik Pekings seit Ausbruch von Covid-19 scheinen zu schaffen, was US-Präsident Donald Trump vergeblich versuchte: Die Abkopplung oder zumindest Ausbremsung Chinas. Putins Angriffskrieg in der Ukraine, die eiskalte Entscheidung einen Nachbarstaat zu überfallen, den Russland vorher anerkannt hatte und dessen Sicherheit es garantiert hatte (!), hat international weitestgehend zur Erkenntnis geführt, hier Einhalt gebieten zu müssen. Koste es, was es wolle. Dass die USA es vielleicht sogar bewusst auf diesen Ausgang angelegt haben könnten, spielt dabei keine Rolle. Die Entscheidung von Staaten, sich Sanktionen nicht anzuschließen, ist ebenfalls ein anderes Thema.

Die aktuelle Situation gleicht verblüffend der Lage, in der sich die Welt 1941 mit Blick auf Nazi-Deutschland befand. Der damalige Generalstaatsanwalt der Vereinigten Staaten, Robert Jackson, führte schon damals mit messerscharfem Verstand aus, weshalb Wegsehen die schlechtere Alternative ist (Leseempfehlung an Alice Schwarzer & Co). Fast unheimlich wird die Lektüre, wenn man den Bezug auf eine Rede von Präsident Roosevelt im Januar 1941 liest, in der dieser ausführt, dass die Unterstützung einer Kriegspartei, damals Großbritannien, keine Kriegshandlung darstellen würde. Ein Jahr später waren die USA nach Pearl Harbor im Krieg.

Konzerne setzen weniger auf China

Nach dem Überfall auf die Ukraine hat der Westen nun Sanktionen beschlossen, die internationale Konzernlenker wohl dazu angeregt haben zu überlegen, was denn die Auswirkungen wären, wenn Ähnliches in China passiert. Schlagwort Taiwan. In Verbindung mit Chinas Covid-19-Politik, den harten und langen Lockdowns und damit verbundenen Lieferausfällen hat offensichtlich ein Umdenken bei internationalen Konzernen eingesetzt: Die Unternehmen setzen wesentlich weniger auf China als in den vergangenen Jahrzehnten. Thailand könnte einer der Gewinner dieser Entwicklung sein.

Ganz besonders profitiert jedoch schon jetzt Vietnam von dieser Entwicklung. Lego baut gerade für 1 Milliarde US-Dollar die nächste Fabrik bei Ho-Chi-Minh-Stadt und wird ab nächstem Jahr für 4.000 Menschen Arbeitgeber in Vietnam sein. Nicht dass man China den Rücken kehren will, aber Legos Management erkennt offensichtlich die Zeichen der Zeit und macht das Unternehmen krisenfest. Ähnliches gilt auch bei Apple. iPad, MacBook und AppleWatch werden zukünftig verstärkt in Vietnam produziert. Sollte es der US-Regierung in der Gunst der Stunde gelingen, auch Technologietransfer und Investment nach China direkt zu regulieren, dürfte es wesentlich schwerer werden für Peking die Erfolgsgeschichte der letzten Jahrzehnte ohne Bruch fortzusetzen. Hausgemachte Probleme wie die Immobilienkrise oder die Einhegung der eigenen Wirtschaft aus politischen Gründen, machen die Dinge nicht einfacher für die chinesische Staatsführung.

Investitionen fließen nach ASEAN

Am besten wird der Trend sichtbar, wenn man sich die Entwicklung der Investitionen nach ASEAN insgesamt ansieht. Wurden 2020 noch lediglich 5,4 Milliarden US-Dollar in den ASEAN-Staaten investiert, so ist die Zahl 2021 sprunghaft auf 46,8 Milliarden US-Dollar anges­tiegen. Indonesien, die größte Volkswirtschaft Südost­asiens scheint ebenfalls schon jetzt erheblich zu profitieren.

Spannend ist auch, was in näherer Zukunft in Indien passieren wird. Viele Konzerne liebäugeln mit dem Standort, da es sich höchstwahrscheinlich um einen Erfolgsstandort der nächsten Jahrzehnte handelt. Hemmend wirken allerdings seit Jahrzehnten Probleme wie fehlende Planungssicherheit (Stichwort unkalkulierbare und willkürliche Steuernachzahlungen), die das Risiko erhöhen und den Standort bisher noch für viele unattraktiv machen. Nokia, die vor kurzem plötzlich 300 Millionen Steuern nachzahlen sollten, ist nur ein Beispiel von vielen.

Thailand profitiert

Sicher dürfte sein, auch in den nächsten Jahren wird weniger in China und mehr in anderen Ländern der Region investiert werden. Thailand hat die besten Chancen ein ordentliches Stück vom Kuchen abzubekommen.


Über den Autor

Christian Rasp ist Rechtsanwalt und seit 1992 in Thailand, Hong Kong und China tätig. Er leitet ein spezialisiertes Consulting Haus und ist seit 2016 als Chairman einer der ältesten digitalen Marketingagenturen in Südostasien tätig. Feedback zum Gastbeitrag per E-Mail erwünscht!

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