Südkorea hilft Nordkorea mit 50.000 Tonnen Reis

Foto: epa/Yonhap News Agency
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SEOUL/GENF (dpa) - Südkorea will Nordkorea bei der Überwindung von Versorgungsproblemen helfen. Seoul erhofft sich davon auch neuen Schwung für innerkoreanische Projekte und den Atom-Dialog.

Nach Warnungen internationaler Hilfsorganisation vor einer neuen Hungersnot in Nordkorea spendet Südkorea dem abgeschotteten Nachbarland 50.000 Tonnen Reis. Der Reis solle über das Welternährungsprogramms (WFP) geliefert werden, teilte das Vereinigungsministerium in Seoul am Mittwoch mit.

Wann genau das geschehen soll, war zunächst unklar. Es könne etwa einen Monat dauern, sagte eine Sprecherin. In Genf erklärte das WFP, die Organisation habe mit beiden Ländern zusammengearbeitet, um die Einigung über die humanitäre Hilfe zu erzielen. Es müsse wie üblich sichergestellt werden, dass der Zugang und die Beobachtung der Nahrungsmittelverteilung in Nordkorea höchsten Standards genüge.

Südkorea hatte jüngst bereits acht Millionen Dollar (7,14 Millionen Euro) an das WFP und das Kinderhilfswerk Unicef für Nahrungsmittel und medizinische Hilfe für Nordkorea überwiesen. Die Regierung schätze, etwa 127 Milliarden Won (96,4 Millionen Euro) müsse für den Einkauf des Reises für Nordkorea ausgegeben werden, berichtete die nationale Nachrichtenagentur Yonhap.

Anfang Mai hatte das WFP berichtet, in Nordkorea drohe etwa 10,1 Millionen Menschen Hunger. Die jüngste Ernte sei nach Dürren, Hitzewellen und Überschwemmungen so schlecht ausgefallen wie seit zehn Jahren nicht mehr. Das Land ist seit vielen Jahren infolge von Naturkatastrophen und der eigenen Misswirtschaft auf Hilfe von außen angewiesen.

Die Nahrungsmittelhilfe für Nordkorea ist in Südkorea nicht unumstritten. Im April hatte Nordkorea, das wegen seines Atomwaffenprogramms harten internationalen Sanktionen unterworfen ist, nach längerer Zeit wieder Raketen kurzer Reichweite getestet. Seoul hatte die kommunistische Führung in Pjöngjang aufgerufen, alles zu unterlassen, was neue Spannungen schüren könnte.

Trotzdem erhofft sich die südkoreanische Regierung, mit der humanitären Hilfe auch den bilateralen Austausch wieder anschieben zu können. Seit einem gescheiterten Gipfeltreffen zwischen Nordkorea und den USA Ende Februar in Vietnam sind nicht nur die Verhandlungen über das nordkoreanische Atomprogramm festgefahren. Auch der innerkoreanische Dialog kommt nicht voran.

Nach Angaben des WFP ist die jüngste Spende für Nordkorea die größte Südkoreas seit 2008. Es könne damit 1,5 bis zwei Millionen Kindern sowie schwangeren und stillenden Frauen geholfen werden.

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