Streaming kompakt

Foto: Pixabay/Mohamed Hassan
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BERLIN: Mit dem Baby in die Bar, mutig gegen die Mafia oder schwul im Wilden Westen: Was sich jetzt zu streamen lohnt.

Ein paar Streaming-Tipps für die nächste Zeit:

Partystimmung: Noah liebt es, zu feiern. Dass er gerade Vater geworden ist, soll ihn nicht daran hindern. Als seine Freundin verreist, soll er auf das Baby aufpassen. Dumm nur, dass ausgerechnet an dem Abend sein Lieblingsclub zum letzten Mal geöffnet hat. Was tun? Babysitter gibt es nicht, also nimmt Noah das Kind einfach mit - und beschwört ein Riesendurcheinander herauf. Die Komödie «One Night Off» ist zu sehen bei Amazon Prime Video, mit Emilio Sakraya («4 Blocks») und Milena Tscharntke («Alles Isy»).

Erschütternd: Fleisch ist begehrt - und wird in Massen produziert. Mit schlimmen Folgen für Tiere, deren Haltung oft wenig zu tun hat mit den Werbebildern glücklicher Kühe oder Hühner in freier Natur. Die Doku-Serie «Animals Army» gibt Einblicke mit schockierenden Bildern - aus der Welt der Massentierhaltung ebenso wie aus den Ozeanen. In vier Folgen begleitet sie Frauen und Männer, die für Rechte und bessere Lebensbedingungen von Tieren kämpfen, in Organisationen wie Animals Rights Watch oder Sea Shepherd. Zu sehen ist die Serie bei Joyn Plus.

Hochgefährlich: Antonio Nicastro riskiert sein Leben. Denn in den 1950er Jahren möchte der Sizilianer mit seiner Zeitung «L'Ora» die Machenschaften der Mafia aufdecken. Sky widmet dem mutigen Journalisten nun eine eigene Serie. «L'Ora - Worte gegen Waffen» beruht nach Angaben des Senders auf wahren Begebenheiten. Seit Mittwoch (19. Januar) sind jede Woche immer zwei der insgesamt zehn Folgen abrufbar.

Western postmodern: Viele sind sich sicher, dass der in Neuseeland gedrehte postmoderne, queere Western «The Power of the Dog» gut bei den Oscar-Nominierungen (8.2.) wegkommt. Vielleicht gelingt Netflix mit dieser Betrachtung toxischer Männlichkeit sogar der große Oscar-Wurf und der Streamingdienst heimst erstmals den Academy Award in der Kategorie «Bester Film» ein. Drei Golden Globes gab es jedenfalls schon (bestes Filmdrama, Regiepreis für Jane Campion, Nebendarsteller Kodi Smit-McPhee). Bei den Oscars «dran sein» könnten auch Hauptdarsteller Benedict Cumberbatch und Kirsten Dunst, die dessen alkoholkranke Schwägerin spielt. «The Power of the Dog» spielt nicht in der typischen Western-Zeit des 19. Jahrhunderts, sondern 1925 im kargen Montana. Cumberbatch spielt Rancher Phil Burbank, der die Frau seines Bruders (Jesse Plemons) als Gefahr für das im Wortsinne auf dicke Hose machende Männerbündlerische seiner Heimat sieht. Er mobbt die Frau - Witwe eines Selbstmörders - und anfangs auch ihren schlaksigen Sohn (Smit-McPhee), den er verweichlicht findet. Phil tut stolz darauf, sich nicht zu waschen, eine gefährliche Wunde ignoriert er. Hinter seiner Fassade lauert jedoch ein verunsicherter Kerl, der seine homoerotische Seite unterdrückt. Bei diesem Film, den man auch als klischeelastig kritisieren könnte (Selbsthass eines Machoschwulen, hinterlistiges Verhalten eines schlauen aber «schwuchteligen» Jungen) kann man sich den Bildern und der Musik hingeben. In den Dialogen ist vor allem das Nichtgesagte entscheidend. Für die einen sind es 128 Minuten Langeweile, für die anderen zwei Stunden großes (Heim-)Kino. Abrufbar bei Netflix.

Hetze begegnen: Antisemitismus ist auf dem Vormarsch. Experten beobachten mit Sorge, wie als Begleiteffekt der Corona-Pandemie weltweit alte antijüdische Feindbilder und Verschwörungsmythen im digitalen Raum auf breiter Front zurückkehren. Antisemitische Memes, mediale Codes und Bilderwelten erreichen so völlig neue Zielgruppen und wirken tief in den Mainstream hinein. Die Arte-Doku «Jud Süß 2.0» dokumentiert die visuellen Quellen des neuen Antisemitismus und wirft den Blick zurück auf die Bildpropaganda des Nationalsozialismus: Wirken Klischees, Stereotypen und Narrative von NS-Filmen wie «Jud Süß» oder «Der ewige Jude» bis heute nach? «Fast alle antisemitischen Attentäter der letzten Jahre waren auch stark in den Online-Communities vernetzt, sie haben diese Flut aus Ressentiments und Hetzbildern konsumiert», erläutert Regisseur Felix Moeller. Jetzt in der Arte-Mediathek oder linear am Dienstag um 22.40 Uhr auf Arte.

Horror: 2018 sorgte der neuartige Horrorfilm «A Quiet Place» für Begeisterung bei Fans des Genres. Es geht um todbringende Aliens, die auf der Erde nach ihrem Gehör jagen, und eine Familie, die in diesem Szenario ums Überleben kämpft. Trotz seines Filmtods als Vater in Teil eins spielt Regisseur John Krasinski auch in der Fortsetzung «A Quiet Place 2» mit. Der Thriller, der im Sommer 2021 im Kino war, startet mit einem actionreichen Rückblick. Doch dann geht es weiter mit den Überlebenden. Die gehörlose Tochter Regan (Millicent Simmonds) hatte festgestellt, dass sich die geräuschempfindlichen Monster durch eine Rückkopplung mit ihrem Hörgerät in Schach halten lassen. Die entlegene Farm, auf der die Abbotts bis dato gelebt hatten, ist zerstört, die Vorräte gehen zur Neige. Deshalb macht sich Mutter Evelyn (Emily Blunt; mit Krasinski im wahren Leben verheiratet) mit den Kindern Regan, Marcus und dem Baby, das im ersten Film zur Welt kam, auf den Weg zu einer entlegenen Fabrik. Dort finden sie ihren alten Freund Emmett (Cillian Murphy) vor, der seine ganze Familie verloren hat. Im Folgenden laufen natürlich nicht alle Aktionen glatt. Wieder setzt der Regisseur Stille und Lärm gezielt ein, diesmal ist weit mehr von den Monstern zu sehen als im ersten Teil, doch das ist kein billiger Effekt. Die Ruhe des Films erzeugt Hochspannung. Der Film ist bei Amzaon Prime Video abrufbar.

Märchenhaft: Als Bühnenshow war «Riverdance» ein großer Erfolg. Nun gibt es einen Animationsfilm, der seine Zuschauer in die Welt der irischen Mythen entführt. Keegan wächst mit den Erzählungen seines Großvaters auf. Darin geht es um eine magische Welt, in der Elche mit ihrem Tanz dafür sorgen, dass die Flüsse immer weiter fließen und alles dafür tun, sich gegen den gefährlichen Jäger zu wehren. Nach dem Tod seines Großvaters ist Keegan in tiefer Trauer, doch plötzlich stellt er fest, dass diese Legenden Wirklichkeit sind. Er und das Mädchen Moya starten in ein aufregendes Abenteuer. Der Film «Riverdance - Ein animiertes Abenteuer» mit packender Musik und mitreißenden Tanzszenen ist bei Netflix zu sehen.

Öffentlich: Monatelang tragen der Herzog und die Herzogin von Argyll 1963 ihren Scheidungskrieg in der Öffentlichkeit aus. Es ging um Diebstahl, Gewalt, Drogen und sexuelle Eskapaden, teilweise untermauert mit pikanten Fotos. Ein Rosenkrieg, der angefeuert durch die Medien hohe Wellen schlug. Nun gibt es den Skandal rund um die schöne und berühmte Herzogin Margaret als Miniserie. Die drei Folgen von «A Very British Scandal» sind derzeit bei Magenta TV zu sehen. In den Hauptrollen spielen Golden Globe-Gewinnerin Claire Foy («The Crown») und Paul Bettany («WandaVision»).

Am Tiefpunkt: Eddie verbringt seine Tage am liebsten im Trainingsanzug, mit Bierflasche in der Hand. Bloß keine Hektik! Nur in der Kneipe blüht er auf, wenn er vor der Dartscheibe steht. Eddie, der Dartprofi - doch seine besten Zeiten sind vorbei und Jüngere machen ihm den Rang streitig. Als ihn auch noch seine Frau verlässt, bricht Eddies Welt zusammen. Doch Aufgeben? Das kommt für ihn nicht infrage. Eddie will sich wieder ganz nach oben kämpfen. Hermine Huntgeburth («Lindenberg! Mach Dein Ding») hat die Comedy-Serie «Die Wespe» inszeniert, die derzeit bei Sky läuft. Florian Lukas («Der Überläufer») spielt darin Eddie. In weiteren Rollen zu sehen sind unter anderem Ulrich Noethen («Deutschstunde»), Lisa Wagner («Weissensee») und Sahin Eryilmaz («Ronny & Klaid»).

Verseucht: Auch wenn der Zeitpunkt reiner Zufall war - die ZDFneo-Serie «Sløborn» traf bei ihrer Veröffentlichung im Sommer 2020 den Puls der Corona-Zeit. Die erste Staffel des Seuchen-Thrillers wurde im Netz mehr als acht Millionen Mal angeklickt und ist bislang das erfolgreichste «neoriginal». Rund eineinhalb Jahre später ist nun die Fortsetzung erschienen. Die Helden auf der Nordseeinsel haben jeglichen Kontakt zum Festland verloren. Sie müssen angesichts des Zusammenbruchs des Stromnetzes ihren täglichen Alltag selbst organisieren. Wie komme ich an Essen und Informationen? Wer ist mein Freund, wer ist mein Feind? Wie kann ich die Regeln der Zivilisation aufrechterhalten? Viele Fragen. Die Antwort bietet die ZDF-Mediathek.

Verunglückt: Es ist der 13. Januar 2012 als das Kreuzfahrtschiff «Costa Concordia» vor der italienischen Küste einen Felsen rammt. 32 Menschen kostet die Havarie das Leben. Wie konnte es zu dem Unglück kommen? Die Sky-Doku «Costa Concordia - Chronik einer Katastrophe» schildert ab 13. Januar das tragische Schiffsunglück in allen Details. Der Film geht der Katastrophe mit bisher unveröffentlichtem Material, Zeitzeugen und Beteiligten, Spielszenen und minutiöser Dokumentation der dramatischen Evakuierungsaktion nach. Bei Sky Documentaries und Sky Ticket sowie auf Abruf über Sky Q.

Verstörend: Die WDR-Mediathek zeigt seit ein paar Tagen in einer fünfteiligen Reihe die Arbeit der Ermittler im Missbrauchskomplex Münster. Das Team der «Lokalzeit»-Redaktion Münster hat monatelang die «Ermittlungskommission Rose» begleitet. In dem 2020 aufgedeckten Fall waren Kinder in einer Gartenlaube in Münster und anderswo in Deutschland vergewaltigt worden. Bislang hat die Polizei mehr als 30 Opfer identifiziert und über 50 Verdächtige ausfindig gemacht, die zum Teil schon verurteilt wurden. Die Polizei in Münster hat Datenmengen von 1,5 Millionen Gigabyte sichergestellt, die die Taten dokumentieren. Die Autoren Heike Zafar und Detlef Proges haben nach WDR-Angaben tiefe Einblicke in die Arbeit der Ermittlungskommission bekommen. So filmten sie die Polizisten unter anderem auf dem Weg zu Vernehmungen und sprachen mit ihnen darüber, wie schwer es ist, sich Videos von schlimmen Missbrauchstaten ansehen zu müssen.

Verpeilt: Fans der ZDF-Vorabendserie «Blutige Anfänger» kommen in der Mediathek schon eine Woche vorher in den Genuss der dritten Staffel. Ab 12. Januar gibt es neue Abenteuer der Polizeischüler aus Halle. An ihrer Fachhochschule fallen bei einem Fußballturnier plötzlich Schüsse. Ein Kollege wird tödlich getroffen, dem Täter gelingt die Flucht. Die Spuren am Tatort in der Turnhalle rufen Malouf (Neil Mailk Abdullah) und sein Team auf den Plan. Mitten im Chaos taucht Madeleine Konrad (Birte Hanusrichter) auf. Die Kripo-Oberkommissarin aus Magdeburg interessiert sich für Battiatos Posten.

Verwandelt: Der vierte Teil der Animationsreihe «Hotel Transsilvanien» ist da. Draku und seine Monsterfreunde sind zurück für ein brandneues Abenteuer, das den Helden (Brian Hull) vor seine bisher furchteinflößendste Aufgabe stellt. Als Van Helsings (Jim Gaffigan) mysteriöse Erfindung - «der Monsterfizierungsstrahl» - außer Kontrolle gerät, werden Draku und seine Monsterkumpel in Menschen verwandelt und Johnny (Andy Samberg) wird zum Monster. In ihren neuen falschen Körpern müssen sich ein Draku ohne Superkräfte und das übermütige Neu-Monster Johnny zusammentun und in einem Wettlauf gegen die Zeit um die ganze Welt reisen, um ein Heilmittel zu finden, bevor es zu spät ist und bevor sie sich gegenseitig in den Wahnsinn treiben. «Hotel Transsilvanien: Eine Monster Verwandlung» ist ab 14. Januar bei Amazon Prime Video. In der deutschen Fassung sind erneut Rick Kavanian als Draku und Anke Engelke als Ericka zu hören.

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