Streaming kompakt

​Ein paar Streaming-Tipps für die nächste Zeit

Leah Harvey in
Leah Harvey in "Foundation". Die Science Fiction-Serie wird ab dem 24.09.2021 auf Apple TV+ verfügbar sein. Foto: Giles Keyte/Apple+/dpa

BERLIN: Eine Welt ohne Männer, ein Dschungel ohne Ausweg und Morde an Bahnreisenden: Was sich jetzt zu streamen lohnt.

GALAKTISCH: Auf Apple TV+ startet die mit Spannung erwartete Science-Fiction-Serie «Foundation». Grundlage ist die gleichnamige Trilogie des vielfach ausgezeichneten Schriftstellers Isaac Asimov. In einer fernen Zukunft sagt ein Wissenschaftler den baldigen Sturz des bestehenden Reiches voraus. Ein paar mutige Getreue wollen das Überleben der Zivilisation sichern und nehmen dafür gefährliche Abenteuer und Kämpfe auf sich. In den Hauptrollen des aufwendigen intergalaktischen Epos spielen unter anderem Jared Harris («The Crown») und Leah Harvey («Fighting with my Family»).

EINE ERDE OHNE MÄNNER: Die Welt nach einer Apokalypse. Eine mysteriöse Seuche hat alle Männer und männlichen Säugetiere getötet. Übrig bleiben die Frauen - und ein einziger Mann und ein Kapuzineräffchen. Gut die Hälfte der Menschheit: einfach weg. Es herrschen Chaos und Gewalt. Doch mutige Frauen versuchen, die Welt wieder neu aufzubauen und das Rätsel zu lösen, warum alle Männer bis auf Yorick sterben mussten. Die Serie «Y: The Last Man» beruht auf den gefeierten Comics von Brian K. Vaughan und Pia Guerra und ist bei Disney+ verfügbar. Zu sehen sind darin unter anderem Diane Lane («Man of Steel») und Ben Schnetzer («Snowden»).

MÖRDER AUF SCHIENEN: In der Eisenbahn lauert das Verbrechen - diesen Eindruck erweckt zumindest die Doku-Reihe «Railway Murders - Geheimnisvolle Verbrechen». Sie widmet sich mehreren aufsehenerregenden Kriminalfällen in Zügen. Den Start macht «Der Fremde im Abteil» und beruht auf dem Mord an dem Banker Thomas Briggs, der 1864 in einem Zug überfallen worden war. Ganz London geriet in Panik. Zu sehen sind die Filme in der ZDF-Mediathek.

MEISTER DES UNWIRKLICHEN: Arte würdigt den großen Regisseur des surrealistischen Kinos, Luis Buñuel, mit zwei Spielfilmen - «Pesthauch des Dschungels» und «Der Würgeengel». In seinen Werken widmet sich der Spanier immer wieder seinem liebsten Hassobjekt: dem Bürgertum mitsamt dessen Heuchelei und Verlogenheit. Träume, Schockbilder, Symbolismen: All diese für Buñuel typischen Elemente vereint der klassische Abenteuerfilm «Pesthauch des Dschungels» (1956) und erzählt nebenbei die Geschichte einer zusammengewürfelten Gruppe, die aus den Tiefen des Urwalds nicht mehr herausfindet. In dem surrealistischen Klassiker «Der Würgeengel» (1962) bricht ein rätselhafter Fluch über eine vornehme mexikanische Abendgesellschaft herein: Eine unsichtbare Macht hindert alle daran, das Haus zu verlassen. Ab 27. September in der Arte-Mediathek.

ERWACHSENWERDEN: Im Kurzfilm «Fast erwachsen» von Regisseurin Aphton Corbin geht es um die Angst, dass die anderen plötzlich denken, man sei gar nicht reif und schlau und erwachsen. Der mit handgezeichneten Animationen erstellte Film (seit diesem Freitag bei Disney+) handelt von Gia und einem Szenario in der Nacht ihres 21. Geburtstags: Sie denkt, selber nur eine Gruppe Kinder zu sein, die sich in einem Trenchcoat versteckt und hofft, dass es niemand bemerkt. Corbin sagt, die Hauptfigur ihres Films sei eine Art Verbildlichung ihrer eigenen Ängste: «Ich sehe mich selbst als eine Ansammlung von Kindern, die versuchen, sich als Erwachsene auszugeben.»

TRAGIKOMÖDIE: Im wegen Corona schwierigen Kinojahr 2020 kam die Bestsellerverfilmung «Gott, du kannst ein Arsch sein!» immerhin auf gut 200.000 Besucher. Nun zeigt TVnow - der Streamingdienst der Mediengruppe RTL - den Film. In der Hauptrolle ist Sinje Irslinger zu sehen - und zwar an der Seite von Stars wie Heike Makatsch, Til Schweiger, Jürgen Vogel, Benno Fürmann, Jasmin Gerat und Inka Friedrich. Regie führte André Erkau («Das Leben ist nichts für Feiglinge»). Und darum geht es: Steffi (16) erfährt, dass sie schwer krank ist und nur noch kurze Zeit zu leben hat. Was tun? Verzweifeln? Sich zurückziehen? Steffi hat andere Pläne. Sie beschließt, das Leben einen letzten Sommer lang auszukosten und bricht mit dem Zirkusartisten Steve zu einer abenteuerlichen Reise auf.

11. SEPTEMBER: Vor 20 Jahren im Moment der Terroranschläge vom 11. September 2001 sitzt der damalige US-Präsident George W. Bush in einer Grundschule in Florida und liest mit Kindern ein Buch. Die Schüler der zweiten Klasse stammen alle aus der schwarzen Community Sarasotas, aus Newtown. Mitten im Unterricht erreicht den Präsidenten die 9/11-Nachricht. Bushs Gesicht und die Situation mit den Kindern werden zu einem globalen Medienereignis. Was ist fast 20 Jahre später aus den damaligen Kindern geworden? Der Film «Die Klasse von 09/11» (online in der Arte-Mediathek bis 5. Dezember) erzählt Geschichten und gibt Einblicke in komplexe Gesellschaftsstrukturen, die sich in den vergangenen 20 Jahren in den USA verfestigt zu haben scheinen.

LIEBE ZU DRITT: Wer polyamor ist, liebt mehrere Menschen gleichzeitig - das Beziehungsmodell scheint gängiger zu werden. In der britischen Romantic-Dramedy-Serie «Trigonometry» geht es um eine solche Konstellation. Die Köchin Gemma (Thalissa Teixeira) und der Notfallsanitäter Kieran (Gary Carr) leben als Paar in London. Weil es an Geld mangelt, suchen sie sich eine Untermieterin. Die attraktive Ray (Ariane Labed) bewirbt sich um das Zimmer. Ab der ersten Sekunde besteht zwischen den Dreien eine Anziehungskraft. Sie verlieben sich ineinander. Geht das? Liebe zu dritt? Die auch bei ZDFneo linear gezeigte achtteilige Serie (10.9., ab 23.15 Uhr) steht bis 7. November in der ZDF-Mediathek.

SCHWARZER HUMOR: In der isländischen Serie «Mein eigenes Begräbnis» beschließt ein unheilbar kranker 67-Jähriger, sein eigenes Begräbnis zu organisieren und selbst daran teilzunehmen. Die Hauptrolle des störrischen Benedikt spielt der in Island populäre Thórhallur Sigurdsson. Der Mann mit Gehirntumor testet Särge, hört sich Sänger an und probiert Beerdigungsbüffets. Mitfühlend und sarkastisch zeichnet Jón Gunnar Geirdal in der Serie das Porträt eines Desillusionierten. «Mein eigenes Begräbnis» (mit sechs Folgen von etwa 30 Minuten) bleibt bis Juli 2023 in der Arte-Mediathek.

NATUR: Er ist der coole Typ in zahlreichen Filmen mit Til Schweiger und der Hallodri an der Seite von Christian Ulmen in der Fremdschäm-Comedy-Serie «Jerks» - es geht um Fahri Yardim. Der 41-Jährige bekennt, ein Stadtjunkie zu sein. «Wenn's die Großstadt nicht gäbe, dann wär ich längst tot», sagt er plakativ. Für eine Sky Original Produktion hat sich der Schauspieler in seiner lockeren Quassel-Art auf Natur und Umwelt eingelassen. Vier Elemente in vier Episoden plus ein «Best of» gibt es laut Sky. «Auf seiner Tour von den Bergen bis zum Meer lässt er sich von Experten die Zusammenhänge der Natur erklären. Und dabei nimmt er einiges in Kauf.» Er hängt kopfüber von einem Ast, geht auf hohe Berge, macht Feuer, sucht Gold in der Isar oder sammelt Müll auf Sylt. Die Personality-Doku-Serie «SaFahri - Eine Reise zu den Elementen» startet am 9. September und ist auf Sky Nature, Sky Ticket und auch auf Abruf zu sehen.

KUNST: Netflix verspricht, das «düstere Geheimnis» von Bob Ross (1942-1995) zu lüften. Doch Fans des legendären TV-Malers brauchen nicht zu befürchten, dass ihr wuscheliges Idol zerlegt wird. Mit seiner Sendung «The Joy of Painting», in der er mit sanfter Stimme die Freuden des Malens verkündet, ist Ross bis heute Kult. Der Fernsehmaler wird weltweit verehrt. Die Netflix-Dokumentation «Bob Ross: Glückliche Unfälle, Betrug und Gier» kritisiert nicht den Maler, sondern dessen posthume Vermarktung im letzten Vierteljahrhundert. Begleitend zu den TV-Malkursen vertrieb eine 1982 von Ross und Geschäftspartnern gegründete Firma Pinsel, Farben, Videos und Bücher. Während es Ross darum gegangen sei, Millionen zum Kunstmachen und zur Selbstverwirklichung zu bringen, habe für die Geschäftspartner das Geldmachen im Vordergrund gestanden. Das jedenfalls ist die zentrale These der recht einseitigen Doku, die sich auf Interviewpassagen mit Ross' Sohn Steve Ross und alten Freunden stützt. Die gut 90-minütige Doku «Bob Ross: Glückliche Unfälle, Betrug und Gier» ist seit Ende August bei Netflix abrufbar.

DYSTOPIE: Diese Serie gewann schon zahlreiche Preise wie den Golden Globe und war die erste Fernsehserie eines Streamingdienstes, die mit einem Primetime-Emmy in der Kategorie Beste Dramaserie ausgezeichnet worden ist. Die Rede ist von «The Handmaid's Tale» (früher in Deutschland oft auch mit dem Zusatz «Der Report der Magd» vermarktet). In der negativen Utopie, also Dystopie, geht es um die junge Frau und Mutter June, die aus ihrem Leben gerissen wird und als sogenannte Magd in einem christlich-fundamentalistischen totalitären Staat festgehalten wird. Nachdem die Geburtenzahlen fast komplett eingebrochen sind, werden fruchtbare Frauen wie June als Gebär-Sklavinnen missbraucht - das ist der Ausgangspunkt. Die Serie geht auf das gleichnamige Buch von Margaret Atwood zurück, hat sich aber inzwischen davon gelöst. In der vierten Staffel (zehn Episoden) geht es unter anderem um einen möglichen Aufstand mutiger Frauen gegen die verlogenen Herren des Gottesstaates Gilead. Nun ist sie auch in Deutschland zu sehen - seit Donnerstag bei Magenta TV. In den USA gab Hulu schon eine fünfte Staffel in Auftrag.

DRAGQUEEN: Divers präsentieren sich Medien gern - die ZDFneo-Sitcom «The Drag and Us» mit Ralph Kinkel als Cathérine und Christian scheint zu diesem Trend zu passen. Im Ankündigungstext heißt es: «Wenn eine Drag-Queen als Untermieterin einzieht, wird das Leben bunter und alte Rollenbilder werden über den Haufen geworfen.» Die Ausgangslage: Der 15-jährige Nikki (Frederic Balonier), Sohn von Franziska (Paula Paul), hat sein Zimmer untervermietet. Angeblich, um sich das Ferienzeltlager zu finanzieren - in Wahrheit handelt es sich aber um eine Wellnessreise mit seiner Freundin. Erste Kritiken der Serie waren - gelinde gesagt - verheerend: In der «Berliner Zeitung» meinte Marcus Weingärtner, sie sei «das Schlimmste, was man zurzeit streamen kann». Der Journalist Stefan Mesch kritisierte im Deutschlandfunk Kultur das «Durcheinander von Begriffen» in der Serie: Die Sitcom sei «krass transfeindlich - und das muss man erst mal hinkriegen in einer Serie, in der gar keine trans Figuren vorkommen». Und beim Portal «Queer.de» warnte der Autor Patrick Heidmann vor der Serie: «Die Studiokulissen sehen billiger aus als jede Daily Soap, dazu kommen Lacher aus der Konserve, wie man sie seit den 90ern nicht mehr gehört hat.» Die achtteilige Sitcom ist seit 31. August für ein Jahr in der ZDF-Mediathek abrufbar.

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