Stierkampf-Zoff rund um «Feminist» und «Nigerianer»

Der spanische Stierkämpfer Finito de Cordoba in Aktion während eines Stierkampfes anlässlich der Stierkampfmesse Begona in der Stierkampfarena El Bibio in Gijon. Foto: epa/Paco Paredes
Der spanische Stierkämpfer Finito de Cordoba in Aktion während eines Stierkampfes anlässlich der Stierkampfmesse Begona in der Stierkampfarena El Bibio in Gijon. Foto: epa/Paco Paredes

GIJÓN: Die Bürgermeisterin von Gijón, Ana González Rodríguez, hat das Ende der Stierkämpfe in der nordspanischen Stadt bekanntgegeben - mit Argumenten, die für Aufsehen und Kritik sorgen. Sie hatte am Mittwochabend mitgeteilt, überhaupt keine Lizenzen mehr für die traditionsreichen «Corridas» zu vergeben, nachdem bei der jüngsten Veranstaltung zwei Stiere mit den Namen «Feminist» und «Nigerianer» getötet worden seien.

Damit sei Frauen- und Fremdenfeindlichkeit geäußert worden. «Eine Stadt, die an Integration und an die Gleichheit von Männern und Frauen glaubt, kann so etwas nicht zulassen», betonte die Sozialistin González Rodríguez. Zumal es in Spanien ohnehin immer mehr Stimmen gegen den Stierkampf gebe.

Die Kritik ließ nicht lange auf sich warten. Die größte Oppositionsfraktion im spanischen Nationalparlament in Madrid, die konservative Volkspartei PP, kündigte gerichtliche Schritte und eine Unterschriftensammlung gegen die kommunale Maßnahme an. Das Verbot stelle eine «ideologische Bevormundung» und «eine Einschränkung der Freiheit der Bürger von Gijón» dar, hieß es.

Auch die Zeitung «El Mundo» ging hart mit González Rodríguez ins Gericht: Ihr «inakzeptabler Übergriff» werde Gijón großen sozialen, kulturellen und wirtschaftlichen Schaden zufügen, hieß es in einem Leitartikel. Der berühmte Stierkämpfer El Juli kritisierte die Maßnahme am Donnerstag als «absurd» und «eine Schande». «Lasst den Stierkampf in Ruhe! Verwickelt ihn nicht in politische und ideologische Angelegenheiten», forderte der 38-Jährige. Politiker des linken Spektrums und Persönlichkeiten anderer Bereiche lobten dagegen den Vorstoß der 58-Jährigen.

Inwieweit man Stierkämpfe in Spanien untersagen oder beschränken kann, ist umstritten - auch wenn die «Corridas» vor allem unter den Jüngeren immer mehr an Attraktivität verlieren. Nachdem Dutzende Gemeinden und Regionen im ganzen Land Verbote verabschiedet hatten, urteilte das Verfassungsgericht in Madrid 2016, dass nur der Staat über eine Abschaffung solcher Veranstaltungen entscheiden könne - weil der Stierkampf 2013 zum nationalen Kulturgut erklärt worden sei.

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Jurgen Steinhoff 20.08.21 23:10
Tierquälerei
Ja die dumme Namenswahl ist doch wirklich nichts im Gegensatz zu der grausamen Volksbelustigung Tiere zu Tode zu quälen. Warum nicht den Stierkampf unblutig verändern? Z.B. als wirkliche Mutprobe ein Band zwischen den Hörnern entfernen oder ähnliches?
Thomas Sylten 20.08.21 20:50
@Herrn Wendland
Als Wahlspanier stimme ich Ihnen diesmal ausdrücklich und uneingeschränkt zu..!! :)
Bernd Wendland 20.08.21 17:57
Dass die beiden Bullen so dämliche Namen trugen, ist erst einmal zweitrangig. Wie aber kann das Zutodequälen verängstigter, unschuldiger Pflanzenfresser in einer Arena vor johlendem menschlichen Publikum ein "nationales Kulturgut" sein? Der gleiche Pöbel, der sogar Geld dafür hinlegt, um sich an diesem Spektakel zu ergötzen und zu erschauern, würde vermutlich auch zu einer Hexenverbrennung gehen. Die war, gerade in Spanien, auch lange Zeit ein Kulturgut.
Ingo Kerp 20.08.21 12:40
Egal welche Argumentation eine der beiden betroffenen Seiten hat, mit keinem Wort ist eine Rede von der grausamen Art, wie die Stiere leiden müssen. Tradition hin oder her, die Qual der Tiere gehoert beendet.