Brandschutz am Airport BER abgenommen

Foto: epa/Clemens Bilan
Foto: epa/Clemens Bilan

SCHÖNEFELD (dpa) - Zuletzt kamen Zweifel auf, ob der Terminplan für den pannengeplagten Hauptstadtflughafen BER eingehalten werden kann. Die Flughafengesellschaft meldet jetzt einen Zwischenerfolg.

Die Arbeiten am neuen Hauptstadtflughafen BER sind einen Schritt vorangekommen. Die Entrauchungssteuerung im Hauptterminal sei Ende der vergangenen Woche vom Tüv final geprüft und ohne Mängel freigegeben worden, teilte die Flughafengesellschaft am Dienstag mit. Am Vortag seien die Prüfberichte für die Anlage vom Tüv übergeben worden.

Eine Entrauchungssteuerungsanlage regelt, dass im Falle eines Brandes zum Beispiel die Lüftung im Gebäude funktioniert, Rettungstüren öffnen und es automatische Durchsagen gibt.

Doch auch sieben Jahre nach dem ursprünglich geplanten Eröffnungstermin arbeiten Baufirmen Mängel im noch immer ungenutzten Terminal in Schönefeld bei Berlin ab. Es ging nicht so schnell wie gedacht. Zwei Bereiche sind noch nicht abgenommen worden, die Arbeiten laufen noch: bei der Brandmeldeanlage und bei den Kabelgewerken im Terminal. Die Flughafengesellschaft rechnet mit einer Abnahme im Sommer. Am Eröffnungstermin des drittgrößten deutschen Flughafens im Oktober 2020 hält sie nach wie vor fest.

Die nun abgenommene Entrauchungssteuerung stellte nach Angaben der Flughafengesellschaft das kritischste Gewerk dar. Die Anlage stammt von Siemens.

Zuletzt waren Zweifel am Terminplan lauter geworden. Dieser sei «aufgrund des unfertigen Anlagenzustands stark gefährdet», zitierte der «Tagesspiegel» (Freitag) aus einem internen Bericht des Tüv Rheinland vom März. Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup widersprach daraufhin.

Der Zeitung zufolge sind ein Problem auch Kabelbefestigungen mit Plastikdübeln, die einem Brand nicht standhalten könnten. So verdichteten sich Hinweise, dass die vom Flughafen erhoffte Einzelfallzulassung nicht erteilt werde. Schlimmstenfalls könnten die Dübel so «zu einem k.-o.-Problem» werden. Nach Angaben der Flughafengesellschaft ist ein Nachweisverfahren in Arbeit.

Berlins Regierungschef Michael Müller glaubt trotz neuer Fragezeichen weiter an eine Eröffnung des Hauptstadtflughafens BER im kommenden Jahr. «Ich gehe nach wie vor davon aus, dass es gelingt, im Oktober 2020 zu starten», sagte der SPD-Politiker am Dienstag. «Ich habe nach wie vor keine Zweifel an den Aussagen des Geschäftsführers.»

Flughafenchef Lütke Daldrup habe wiederholt gesagt, dass er auf Grundlage von Baufortschritten und der Beseitigung alter Probleme an eine Eröffnung an diesem Termin glaube. «Und ich habe keine Zweifel daran, dass das auch so funktionieren kann, wie er es sagt», so Müller. «Ich muss mich darauf allerdings auch verlassen», fügte er hinzu und verwies darauf, dass er nicht im Aufsichtsrat der Flughafengesellschaft sitze und daher keine eigenen Erkenntnisse über Baufortschritte habe.

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Jürgen Franke 17.04.19 20:10
Mutige Aussage von Herrn Müller,
obwohl er noch nicht einmal im Aufsichtsrat dieser Flughafengesellschaft einen Platz gefunden hat.
Ingo Kerp 17.04.19 15:31
BER, sowas passiert, wenn die Politik glaubt, sie kann einen Flughafen selbst bauen, weil sie besser, schlauer und effizienter ist mit weniger Mitteln als die freie Marktwirtschaft. Ein totales Desaster mit Mrd. verschwendeten Euros, für die keiner der versagenden und inkompetenten Politiker seinen Kopf hinhalten muß.