Staaten wollen Rhein von Medikamenten-Resten und Pestiziden säubern

Foto: epa/Christoph Schmidt
Foto: epa/Christoph Schmidt

AMSTERDAM (dpa) - Die internationalen Rheinstaaten haben sich auf eine Säuberung des Flusses von Medikamentenresten, Pestiziden und anderen chemischen Stoffen verständigt.

In den nächsten 20 Jahren sollen diese Substanzen um 30 Prozent reduziert werden, sagte Bundesumweltministerin Svenja Schulze am Donnerstag in Amsterdam. «Wir sehen jetzt immer mehr Verunreinigungen, Spurenstoffe im Wasser, durch Landwirtschaft und Medikamente», sagte die Ministerin der Deutschen Presse-Agentur. Die Staaten setzen etwa auf eine Reduzierung beim Verursacher, noch bevor die Stoffe im Rhein landen. Damit seien auch Verbraucher gemeint, die Medikamente in der Toilette entsorgen.

Die Minister in der Internationalen Kommission zum Schutz des Rheins verabschiedeten in der niederländischen Hauptstadt ihr Arbeitsprogramm bis 2040. Ziel ist es, den Rhein und seine Zuflüsse an den Klimawandel anzupassen. Niedrigwasser sei dabei ein neues Problem, sagte die Umweltministerin. «Das Dürrejahr 2018 war eine deutliche Warnung, was in den nächsten Jahren auf uns zukommen könnte.» Auch das Hochwasserrisiko soll weiter gesenkt werden.

Frankreich sagte auf der Amsterdamer Konferenz zu, auch die letzten Hindernisse für Wanderfische wie Lachse und Maifische zu beseitigen. Bisher wird der Zug der Fische noch an rund 300 Stellen etwa durch Schleusen gestoppt. Ministerin Schulze begrüßte die Zusagen Frankreichs: «Der Lachs ist noch nicht im Bodensee, weil es in Frankreich noch nicht weiter geht.»

Die Internationalen Kommission zum Schutz des Rheins (IKSR) arbeitet bereits seit 70 Jahren für den Gewässerschutz. Ihr gehören die Schweiz, Frankreich, Luxemburg, Deutschland, die Niederlande und Vertreter der Europäischen Union an.

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Jürgen Franke 16.02.20 20:30
Deutschland hatte einmal einen
Umweltminister, der vor vielen Jahren in den Rhain gesprungen ist, um zu beweisen, dass das Wasser sauber ist. Aber das ist nun schon lange her.
Hansruedi Bütler 16.02.20 11:44
Medikamente im Rhein, aber nicht nur!
Lieber Herr Dlapa, das ist leider ein Riesenproblem. 1990 beaufsichtigte ich während wenigen Monate, ad interim die Kläranlagen von F. Hoffmann-La Roche und der umliegenden Gemeinden Basels. In BS selber wurden die Abwässer der Basler Großchemie gereinigt. Regelmäßige Wasser- und zeigten den Verlauf des biologischen Abbaus, der in die Anlagen gelangten Stoffe. Biologische Kläranlagen funktionieren mit leistungsstarken Bakterien. Nun gelangten aber schon geraume Zeit durch häusliches und spitaleigenes Abwasser regelmäßig grössere Mengen an Antibiotika- und Desinfektionsrückständen in die städtische Kläranlage! Was machen Antibiotika und Desinfektionsmittel mit Bakterien??? Richtig, sie dezimieren sie und ihre Leistungsfähigkeit! Viele Stoffe sind persistent, d.h. NICHT abbaubar! Dazu gehören neben den schon genanten Stoffen auch: Kokain, Hormone aus Verhütungsmitteln, spezielle, chlorierte Organische Verbindungen wie Phenole, Naphthaline. Gerade Chlornaphthaline und Perchlornaphthaline (das sind die "wohlriechenden" weißen Tabletten in den Pissoirs) durchlaufen unverändert die Kläranlagen und landen im Fluss und Meer. Mit der heutigen Spurenanalytik können all diese Stoffe erfasst und exakt bestimmt werden. So ist es auch möglich den Kokainverbrauch einer Stadt zu bestimmen. Einige persistente Stoffe wirken östrogen d.h. sie ändern die sexuellen Merkmale vieler Wassertiere!!! Bei einem Chemieunfall kann man ganz genau bestimmen, welches Ventil geöffnet wurde.
Wolfgang Dlapa 16.02.20 03:31
Medikamente
Medikamente im Rhein, verursacht durch Konsumenten, die diese in der Toilette entsorgen? Mehr als unglaubwürdig! Das müssten viele Tonnen sein, damit die Rückstände nachweisbar wären. Da würde ich eher meinen, dass die pharmazeutischte und chemische Industrie, die vom Bodensee bis Nordsee an den Ufern des Rheins angesiedelt ist, die Verursacher sind. Aber das will wohl kein Politiker zugeben und schon gar nicht die betroffenen Unternehmen.