Spiele-Verlierer Stockholm: Kein Bürger-Rückhalt oder Garantien

Foto: epa/Jean-christophe Bott
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LAUSANNE (dpa) - Stockholm ist der Verlierer der Wahl des Ausrichters für die Olympischen Winterspiele 2026. Die Niederlage bei der Vollversammlung des IOC in Lausanne gegen Mailand hat zwei Gründe: Die geringe Zustimmung der Bevölkerung und fehlende Finanz-Garantien.

Europa rückt wieder in den Blickpunkt des olympischen Sports. Nach den Sommerspielen 2024 in Paris werden die Winterspiele 2026 in Mailand und Cortina d'Ampezzo ausgetragen. Bei der Vollversammlung des Internationalen Olympischen Komitee am Montag in Lausanne hatte Italiens Bewerbung mit 47:34-Stimmen gegen Stockholm am Montagabend gewonnen. Was sind die Gründe für den klaren Sieg der Mailänder?

Öffentlich nannte IOC-Präsident Thomas Bach die «große Differenz in der Zustimmung für die Spiele als Grund: In Italien sprach sich 83 Prozent der Bevölkerung für die Bewerbung aus, in Schweden waren es lediglich 55 Prozent.

Andererseits erhielten sowohl Mailand als auch Stockholm großes Lob dafür, die erstmals voll wirksame IOC-Reformagenda 2020 in ihren Konzepten umgesetzt zu haben. «Stockholm und Are sowie Mailand und Cortina haben uns das gegeben haben, wonach wir gefragt haben: Spiele, die vollständig auf die olympische Agenda 2020 abgestimmt sind, mit bahnbrechenden Reformen das Bewerbungsverfahren neu zu gestalten», erklärte Octavian Morariu, Vorsitzender der Evaluierungskommission der Winterspiele 2026.

Das IOC habe bei den Städten eine Kosten-Reduzierung im Vergleich zu vorherigen Spielen und unter anderen die Nachhaltigkeit durch die maximale Nutzung existierender oder nur temporärer gebauter Sportstätten angemahnt.

Abgesehen von dem Rückhalt in der Bevölkerung ist Stockholm aber vor allem an der Weigerung gescheitert, dem IOC alle verlangten Garantien für mögliche Verluste der privatfinanzierten Winterspiele zu geben. Dass Stockholms Bürgermeisterin Anna König sich zudem geweigert haben soll, den sogenannten Host-Vertrag (Gastgebervertrag) zwischen IOC und Gastgeberstadt zu unterschreiben, dürfte die schwedische Bewerbung endgültig das Aus beschert haben.

Neben Mailand fühlt sich auch das IOC als Gewinner. «Der neue Kandidatenprozess hat den Erfolg der Agenda 2020 demonstriert», urteilte Bach. Trotz der gelungenen Agenda-Premiere, die sich erstmals vollumfänglich bei dieser Winterspiele-Bewerbung ausgewirkt hat, will das IOC den Reformprozess für eine leichtere Gewinnung von Olympia-Ausrichtern weiter entwickeln. Dies wird am Dienstag das große Thema bei der 134. Session.

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