Speisen in der Luft und doch auf dem Boden

Bodengastronomie beschert Thai Airways Einnahmen in der Krise

Im „Royal Orchid Restaurant & Canteen“ kann man Flugfeeling auch am Boden genießen, in der Economy- und First Class. Fotos: epa/Diego Azubel
Im „Royal Orchid Restaurant & Canteen“ kann man Flugfeeling auch am Boden genießen, in der Economy- und First Class. Fotos: epa/Diego Azubel

BANGKOK: Nach monatelanger Aussetzung des internationalen Flugbetriebs als Folge der globalen Covid-19-Pandemie und mitten in der bitteren Sanierungsphase konzentriert sich die insolvente Fluggesellschaft Thai Airways International (THAI) auf ihre Dienstleistungen am Boden, um mit verschiedenen gastronomischen Angeboten Einnahmen zu generieren. 

An ihrem Hauptsitz in der Vibhavadi Rangsit Road eröffnete die Airline vor wenigen Wochen ein Café, das mit echter Bestuhlung und Gerätschaften aus Flugzeugen ihrer derzeit stillgelegten Flotte ausgestattet ist. Doch nicht nur die Möblierung, auch das Speiseangebot orientiert sich an den Mahlzeiten während des Fluges und wird von der Catering-Abteilung von Thai Airways zubereitet.

Nostalgisches Erlebnis für Fans

Auch wenn sich beim Thema Bordverpflegung bekannterweise die Geschmäcker scheiden, ist das Essen im Café am THAI-Firmensitz gut und schmeckt sogar besser als die Mahlzeiten, die man in 36.000 Fuß Höhe über dem Meeresspiegel serviert bekommt. Fairerweise sollte man bedenken, dass dies auch am Kabinendruck liegt, der die Geschmacksnerven beeinflusst, weshalb der fade Geschmack nicht unbedingt an der Qualität der Mahlzeiten liegen muss. So wird Herzhaftes und Süßes weniger intensiv wahrgenommen. Denn in der Höhe schmeckt man so, als hätte man Schnupfen.

Für diejenigen, die mit der Airline schonmal geflogen sind, kann ein Besuch in dem neuen Café auch ein nostalgisches Erlebnis sein. So finden THAI-Stammkunden hier alle ihre Lieblingsgerichte aus der Bordverpflegung wieder, darunter Huhn in schwarzer Pfeffersoße mit Reis (65 Baht), Yakisoba mit Meeresfrüchten (165 Baht) und Caesar-Salat mit angebratenem Thunfisch (99 Baht).

Natürlich bietet das neue Flugzeug-Café viele Möglichkeiten für das perfekte Selfie.
Natürlich bietet das neue Flugzeug-Café viele Möglichkeiten für das perfekte Selfie.

Wie auf einem Business-Class-Flug werden die Mahlzeiten im Café auf Thai Airways' eigenem Porzellan mit Edelstahlbesteck serviert. Die Flugbegleiterinnen in ihren unverwechselbaren Uniformen begrüßen die Gäste und posieren auch für Fotos mit ihnen. Für alle Fans der THAI (auch bekannt als TG, der Code der Fluggesellschaft), aber auch für Luftfahrt-Enthusiasten im Allgemeinen, ein freudiges Erlebnis. Abgerundet wird das Flugzeug-Café in Livemusik der TG-Crews mit der Gewissheit, dass die eine oder andere hübsche Stewardess zweifellos auch eine Karriere als Profisängerin bestreiten könnte, wenn sie im Zuge der Konzernsanierung ihren Job über den Wolken verlieren sollte.

Lächeln täuscht über Krise nicht hinweg

Doch auch im Café liegt ein Gefühl der Unsicherheit und der Angst in der Luft, angefangen bei den hübschen Flugbegleiterinnen in ihren prächtigen Seidenuniformen, die Sängerinnen-Jobs annehmen, bis hin zu den TG-Souvenirs, die zu stark reduzierten Preisen angeboten werden. So wird man das Gefühl nicht los, dass die singenden und stets lächelnden Stewardessen versuchen, sich selbst davon zu überzeugen, dass THAI als Fluggesellschaft immer noch lebt. Eine weitere Einsicht: Auch wenn das Speiseangebot sowie das Preis-Leistungsverhältnis insgesamt gut ist, wird die eigentlich einfallsreiche Geschäftsidee durch eine übermäßige Bürokratie konterkariert: Nachdem man ein Ticket für die Warteschlange erhalten hat, wartet man selbst in den Morgenstunden nicht selten 30 Minuten lang, um einen Platz zu bekommen, bevor man die Treppe hinauf in das Café zum imaginären Flug TG8922 hinaufsteigen kann.

Im „Flugzeug“ angekommen, muss man zu einem Schalter gehen, um seine Speisen zu bestellen sowie ein Essensticket entgegennehmen, um dann ca. 10 Minuten später auf Vorlage der Quittung seine bestellten Speisen abzuholen, die man dann selbst an seinen Platz bringt. Anders als die Werbung suggeriert, speist man hier auch nicht an den im Café installierten Economy-Class-Sitzen, sondern an normalen Kantinentischen. Denn das Speisen auf der Flugzeugbestuhlung setzt die Bestellung eines Set-Menüs für 699 Baht voraus. Um wiederum in der ersten Klasse zu sitzen, muss man bis zu 1.990 Baht bezahlen. Zudem herrscht große Verwirrung darüber, ob Wein und Champagner im Preis inbegriffen sind; verschiedene Mitarbeiter geben eine unterschiedliche Antwort…

Und jetzt kommt der Clou: Die Gäste müssen mindestens drei Tage im Voraus telefonisch reservieren. Das Café hat zudem nur von Montag bis Freitag von  9 bis 14 Uhr geöffnet, wenn die meisten Einwohner Bangkoks – Sie wissen schon – auf Arbeit sind! Reservierung unter der Rufnummer 02-356.1666.


Frittierte Krapfen vor dem THAI-Silom-Büro

Die frittierten Teigkrapfen „Pa tong go“ erfreuen sich bei den Hauptstädtern großer Beliebtheit
Die frittierten Teigkrapfen „Pa tong go“ erfreuen sich bei den Hauptstädtern großer Beliebtheit

​Nach dem großen Erfolg des „Royal Orchid Restaurant & Canteen“ in der Firmenzentrale in der Vibhavadi Rangsit Road wurde zwischenzeitlich vor dem THAI-Büro in der Silom Road ein Verkaufsstand errichtet, an dem in den Morgenstunden „Pa tong go“ angeboten wird. Auch mit den frittierten Teigkrapfen sollen Einnahmen während der Betriebssanierung generiert werden. Das „Pa tong go“-Set der THAI beinhaltet drei Krapfen und eine lila Kartoffel-Dip-Sauce und wird für 50 Baht angeboten. Am Eröffnungstag waren die Teigspeisen innerhalb weniger Stunden ausverkauft. 

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Hermann Hunn 19.10.20 03:55
bis zu 30 Minuten anstellen?
Normal ist doch, dass man sich mindestens 2 Stunden voorher zum "Check.In" einzufinden hat. Und die beanstandete "konterkarierte Bürokratie" ist doch ein Klacks gegenüber dem Visa- und Corona-und Body-Scanning-Prozedere, welches für internationale Flüge "Vorschrift" ist.

Für ein richtiges "Flight.Feeling" fehlt doch die obligate "DutyFree"-Zone, die ebenfalls lukrative Einnahmen generieren würde.

Oops... sind ja "Inlandflüge", da wird man nur auf mögliche Waffen "durchleuchtet" ... ;-)

Frank Matthias 18.10.20 23:37
Geschmack
über Sinn und Unsinn lässt sich genau so trefflich streiten wie über den Geschmack, aber die Idee ist so schlecht nicht.
Alles was hilft diese schwierigen Zeiten zu überstehen ist angemessen.
Man kann entscheiden ob man das Angebot wahrnimmt oder nicht.
Der Erfolg wird über die umgesetzte Idee entscheiden.
Guten Appetit
Wolfgang Dlapa 18.10.20 19:32
Flugkantine am Boden
Hr. Jahner, sie widersprechen sich selbst. So schlecht kann das Essen und das Service nicht sein, wenn man sich ob des Anfranges bis zu 30 Minuten anstellen muss um in das Lokal hineinzukommen.
Ich finde das eine gute Idee um Arbeitsplätze zu erhalten und Einnahmen zu lukrieren. Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass, wie auch der Farang berichtete, das Management durch Korruption mitbeteiligt war am heutigen finanziellen Zustand der Airline.
Harry Fischer 18.10.20 17:47
Speisen in der Luft
Ich kann mir nicht vorstellen, das jemand, der schonmal "essen" in einem Flieger zu sich nehmen durfte, sich hier freiwillig dies noch am Boden antut und das noch zu diesen Bedingungen.! Aber es gibt ja noch genügen Menschen die noch nicht in den Genuss eines Fluges in ihrem Leben gekommen sind, für die ist das sicherlich mal eine Abwechslung! P. S. Und bevor sich jetzt hier wieder oberschlauen melden und meinen sie müssten mir mitteilen, wie essen in Flugzeugen schmeckt: ich habe in meinem Leben rund 400! Flüge absolviert, mindestens die Hälfte davon auf langstrecke und die meisten davon wiederum in der Business, hin und wieder auch sogar mal in der First Class bei allen nur erdenklichen Airlines. Ich weiß also, wovon ich Rede! Und ja, sicherlich ist da ein Unterschied ob ich normales Essen und der Eco bekomme oder ein Rinderfilet in der Business, trotzdem würde ich mir dies Angebot hier doch ersparen. Da gibt es vielfach bessere Möglichkeiten! Und davon abgesehen ist es doch nur traurig, mit ansehen zu müssen, wie eine ehemals Top Airline, so würde ich sie zumindest bezeichnen, sich so verkaufen muss. Wo ist denn die neue Führung und warum fängt man nicht endlich wieder an Geld zu verdienen, nämlich mit fliegen, so wie es ja viele andere Airlines in TH auch schon des längeren machen?
Wilfried Stevens 18.10.20 17:37
Ideenreichtum
Meckern kann man über vieles, aber das ist doch eine schöne Idee. Vielleicht kommen noch mehr Filialen dazu. Man versucht das Beste aus der Situation zu machen und sichert paar Arbeitsplätze mehr.