Regierung reagiert zurückhaltend auf Puigdemonts Verhaftung

Kataloniens Separatistenführer Puigdemont in Italien verhaftet. Foto: epa/Gian Mario Sias
Kataloniens Separatistenführer Puigdemont in Italien verhaftet. Foto: epa/Gian Mario Sias

MADRID: Die spanische Regierung hat zurückhaltend auf die Verhaftung des ehemaligen Regierungschefs der Region Katalonien, Carles Puigdemont, in Italien regiert. Der Katalane, der am Donnerstag aufgrund eines spanischen Haftbefehls auf Sardinien festgesetzt worden war, müsse sich «wie jeder andere Bürger auch der Justiz unterwerfen», teilte die Regierung am Freitag mit. Die spanische Justiz wirft Puigdemont, der in Belgien lebt, wegen der 2017 versuchten Abspaltung Kataloniens unter anderem Rebellion vor.

Nach seiner Verhaftung wartet Puigdemont auf eine erste Anhörung vor einem Gericht in Sassari, wie sein Anwalt, Agostinangelo Marras, der Nachrichtenagentur Ansa sagte. Es sei noch kein Termin festgelegt worden.

Der Regierung von Ministerpräsident Pedro Sánchez kommt die Verhaftung ungelegen, weil sie den gerade erst begonnenen Dialog mit der Regionalregierung Kataloniens über ein Ende des jahrelangen Konflikts gefährden könnte.

Nicht viel anders dürfte es dem heutigen Regionalregierungschef Pere Aragonès gehen. Er steht wegen seiner Gespräche mit der Zentralregierung im Lager der besonders unnachgiebigen Separatisten um Puigdemont sehr unter Druck. Angesichts der Verhaftung übte Aragonès aber den Schulterschluss mit dem Rivalen und schrieb auf Twitter: «An Deiner Seite, Präsident.» Tatsächlich ist nicht Puigdemont, sondern Aragonès Präsident, wie der Regierungschef in Katalonien genannt wird.

Die konservative Opposition Spaniens hingegen begrüßte die Nachricht von der Verhaftung. «Puigdemont muss nun in Spanien wegen der Missachtung der Verfassung der Prozess gemacht werden. Und Sánchez muss sich verpflichten, keine Begnadigung zu gewähren», schrieb der Chef der Volkspartei PP, Pablo Casado. Er spielte damit auf die gerade erst im Juni ausgesprochene Begnadigung der 2019 zu langen Haftstrafen zwischen neun und 13 Jahren verurteilten Separatisten an.

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