Spahn will abgewanderte deutsche Ärzte zurück

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn. Foto: epa/Alexander Becher
Bundesgesundheitsminister Jens Spahn. Foto: epa/Alexander Becher

BERLIN (dpa) - Bundesgesundheitsminister Jens Spahn will die Abwanderung deutscher Ärzte und Pfleger in die Schweiz und andere Länder mithilfe neuer EU-Regeln eindämmen. Klar sei, «dass diese Fachleute in Deutschland fehlen», sagte er der Schweizer Zeitung «SonntagsBlick». «Bei uns arbeiten dann polnische Ärzte, die wiederum in Polen fehlen.» Das könne so nicht richtig sein. «Deshalb sollten wir darüber nachdenken, ob wir die Abwerbung von Fachleuten aus bestimmten Berufsgruppen innerhalb der EU nicht neu regeln müssen. Und das, ohne die Freizügigkeit in Europa grundsätzlich infrage zu stellen.»

Entsprechende Abkommen gebe es bereits in der Weltgesundheitsorganisation, sagte der CDU-Politiker. Das könnte Vorbild sein. Auf jeden Fall hätte er die in die Schweiz abgewanderten deutschen Ärzte und Pfleger «gerne zurück». Auch wenn er sie verstehe: «Die Schweiz ist ein schönes Land.»

Die Schweiz ist für deutsche Mediziner seit Jahren das mit Abstand beliebteste Auswandererland. Im Jahr 2017 gingen laut Bundesärztekammer 1965 ursprünglich in Deutschland tätige Ärzte ins Ausland, wobei der Anteil der deutschen Ärzte 59,3 Prozent betrug. Die beliebtesten Auswanderungsländer waren - wie in den Jahren zuvor - die Schweiz (641), Österreich (268) und die USA (84). Der Schweizer Ärzteverband FMH meldete Anfang 2017, dass 17,7 Prozent der in dem Land arbeitenden Ärzte einen deutschen Pass hätten, das seien mehr als 6.000 Personen, wie die «NZZ» damals berichtete. Ohne deutsche Ärzte wäre die medizinische Versorgung in der Schweiz mittlerweile gefährdet.

Überzeugen Sie sich von unserem Online-Abo:
Die Druckausgabe als vollfarbiges PDF-Magazin weltweit herunterladen, alle Artikel vollständig lesen, im Archiv stöbern und tagesaktuelle Nachrichten per E-Mail erhalten.

Leserkommentare

Für unabhängige Themen senden Sie einen Leserbrief an die Redaktion. Allgem. Kommentardiskussion

Pflichtfelder
Hermann Auer 13.01.19 22:57
@Thomas Sylten
Zitat: "genau so fehlen die aus anderen Ländern zu uns abgeworbenen Fachkräfte in deren Heimatländern". Richtig erkannt - von Ihnen. Leider fürchte ich, dass dieses Lehrstück nicht bei denen wirksam wird, die zum Thema "Immigration" in D und EU den Ton angeben.
Hermann Auer 13.01.19 22:56
@Jürgen Franke
Es geht schon damit los, dass in D die Parität bei den Krankenkassenbeiträgen wieder hergestellt werden sollte. Und wenn in D die Löhne und sonstige Arbeitsbedingungen wieder geradegezogen würden (z.B. Zeitarbeit, befristete Arbeitsverträge, irrwitziger Mindestlohn und kaputtgemachte Renten, wovon niemand leben kann!), wären auch höhere Krankenkassenbeiträge wieder realisierbar. Alles un(vorher)gesehene Nebeneffekte von Agenda 2010 und Neoliberalismus.
Thomas Thoenes 13.01.19 22:55
Arzt, Pfleger/in und Krankenschwester
sowie eigentlich alle Berufsgruppen im medizinischen und Pflegedienst habe unseren höchsten Respekt verdient und werden doch so schlecht bezahlt. Da muss man sich nicht wundern wenn diese Menschen sich bessere Ziele auswählen. Denn sie sind nicht nur fleißig sondern auch schlau.
Johann Riedlberger 13.01.19 22:55
Es sind nicht nur Ärzte
die aus dem für hohe Abgaben und nidrige Löhne berüchtigtem Deutschland abwandern. Hier lässt Spahn mal eben einen Versuchsballon starten, und man sieht sich die Reaktionen gespannt an. Die Argumentation ist sehr ähnlich wie zur DDR Zeiten, dort begründete man die fehlenden Reisemöglichkeiten genauso.
Walter Pfau 13.01.19 15:36
Arzt-Bezahlung @ Harry Thiel
Genau, Sie haben den Nagel auf den Kopf getroffen! In Deutschland ist gesundheitlich schon einiges aus dem Gelichgewicht geraten. Wir sind das einzige Land mit einer Zweiklassen Medizin. Die Herren Professoren berechnen den Privatversicherten das 3,5 - 6-fache als das in der GKV übliche. Die Assistenzärzte arbeiten in den Krankenhäusern für einen Hungerlohn und mussten ihr Studium selbst finanzieren. Also ist es doch ganz normal, dass sie dort arbeiten, wo die Bezahlung stimmt. Herr Spahn entwickelt sich immer mehr zum Populisten anstatt Problemlöser... schade.