Sozialismus und Reparaturbetrieb

Foto: Orlando Bellini/Fotolia.com
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In Deutschland erleben die Menschen Ende Juni und Anfang Juli einen großartigen Sommer. Das Wetter ist herrlich, die Biergärten sind voll und der Krieg in der Ukraine schwindet langsam aus dem Bewusstsein vieler Menschen. Es lässt sich richtig gut aushalten in der alten Heimat. Fast so schön wie in Thailand!

Im Hintergrund baut sich gleichzeitig eine gehörige Welle auf, die sich nur noch schwer kanalisieren lassen dürfte. Es bleibt abzuwarten, wie lange der deutsche Michel noch Ruhe bewahrt, bevor die Herkules Keule zum Einsatz kommt.

Regierung hilflos und ahnungslos

Die Regierung wirkt hilflos und ahnungslos. Einige Regierungsmitglieder haben noch nicht einmal verstanden, dass die aktuellen wirtschaftlichen Schwierigkeiten die Angebotsseite und nicht die Nachfrage betreffen. Ergo verfängt die in den letzten Jahren liebgewonnene Standardmaßnahme nicht mehr, einfach Geld auf das Problem zu werfen. In der Bundesrepublik brennt es lichterloh: An den Flughäfen herrscht Chaos wegen Personalmangels bei allen Beteiligten. In der Gastronomie freuen sich die Wirte zwar über volle Restaurants, jammern aber auch hier über Personalmangel wie noch nie. Versuche der Bundesregierung kurzfristig Hilfe aus dem Ausland zu organisieren wirken eher peinlich, werden die Probleme in diesem Sommer jedoch schon aus zeitlichen Gründen nicht lösen.

Gleichzeitig verliert der Euro sogar gegen den US-Dollar zügig an Wert. Musste man vor einem Jahr noch 1.18 US-Dollar für einen Euro auf den Tisch legen, genügen am 6. Juli 2022 1.02 US-Dollar, Parität in Sicht. Durch die Politik der US-Notenbank dürfte sich dieser Trend weiter fortsetzen. Noch ärgerlicher für den Bürger ist jedoch die niedrige Zinserhöhung der EZB vor dem Hintergrund von stark steigender Inflation. Zwischen Juni 2021 und Mai 2022 ist die Inflationsrate in Deutschland von 2,3 auf 7,9 Prozent gestiegen. Nachdem die EZB offensichtlich ihrer einzigen Aufgabe für Preisstabilität zu sorgen, nicht nachkommt, folgt aus dieser Konstellation eine defacto Vermögensabgabe für die meisten Bürger. Beispiel: Rente. Falls Rentenansprüche nicht entsprechend der tatsächlichen Inflation angehoben werden, was nicht der Fall sein dürfte, wirkt dies wie eine Vermögensabgabe. Merken nur die wenigsten. Der Süden Europas genießt dafür weiterhin verhältnismäßig niedrige Zinsen.

Noch bedenklicher wird es, wenn man den Blick auf immer sozialistischere Problemlösungsansätze der Regierung richtet. Aktuell ist mit Uniper der erste Energieversorger in Deutschland aufgrund des Konflikts mit Russland in Schwierigkeiten geraten. Stark gedrosselte Gaslieferungen bringen das Unternehmen in Bedrängnis und inzwischen – fast reflexartig – folgt der Ruf nach Teilverstaatlichung. Es bleibt zu hoffen, dass den Regierenden bewusst ist oder wird, dass diese Art von Hilfe nur für eine sehr begrenzte Anzahl von Unternehmen eine Option sein dürfte.

Lippenbekenntnisse sind zu wenig

Insgesamt passiert einfach zu wenig, was das Schiff „Bundesrepublik Deutschland“ fit für die Zukunft machen würde. Wir hören zwar große Worte wie „Zeitenwende“, es passiert aber nichts oder fast nichts. Die G7 machen auf Einigkeit und sorgen für schöne Bilder aus Bayern, haben aber keinen Plan, außer den globalen Süden erstmals zur Kenntnis zu nehmen. Immerhin! Tipps vom Wirtschaftsminister kürzer zu duschen oder die Heizung ein paar Grad runterzudrehen, wirken hilflos. Jetzt wäre es Zeit für den großen Wurf! Bürokratieabbau und aktive Unterstützung des Mittelstandes sind gefragt wie nie. Deutschland wird es nicht einfach haben in den nächsten Jahren, aber noch ist alles offen. Die üblichen Lippenbekenntnisse der Politik sind zu wenig.

Fähige Politiker statt Flickschusterei

Jetzt ist die Zeit, sich zwischen dem Erfolgsmodell der sozialen Marktwirtschaft, das Wohlstand für alle in Deutschland über Jahrzehnte sicherte, und immer sozialistischerer Politikansätze zu entscheiden. Für alle, die ihren Wohlstand gerne behalten möchten, ist es notwendig, sich auf die Hinterbeine zu stellen und alle Möglichkeiten politischer Einflussnahme zu nutzen. Politik braucht einen langfristigen Plan und fähige Politiker, nicht schlecht ausgebildete Handwerker, die ein Leck nach dem anderen notdürftig stopfen.


Über den Autor

Christian Rasp ist Rechtsanwalt und seit 1992 in Thailand, Hong Kong und China tätig. Er leitet ein spezialisiertes Consulting Haus und ist seit 2016 als Chairman einer der ältesten digitalen Marketingagenturen in Südostasien tätig. Feedback zum Gastbeitrag per E-Mail erwünscht!

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