Sonnenstrom satt vom Botschaftsdach

Solarflugzeug und Photovoltaik: Schweizer Botschaft präsentiert sich grün

Stolz präsentieren Attaché Beat Schnüriger und seine Assis­tentin das Photovoltaik-Kraftwerk auf dem Botschaftsdach.
Stolz präsentieren Attaché Beat Schnüriger und seine Assis­tentin das Photovoltaik-Kraftwerk auf dem Botschaftsdach.

BANGKOK: Am 5. Februar lud die Schweizer Botschafterin Christine Schraner Burgener interessierte Eidgenossen und Thais zu einer Besichtigung des Photovoltaik-Kraftwerks auf dem Dach der Botschaftsresidenz in der North Wireless Road ein. Gleichzeitig wurde auf dem feierlichen Anlass über ein spektakuläres Schweizer Forschungsprojekt informiert: die Weltumrundung des Solarflugzeugs „Solar Impulse 2“, das von den Schweizer Luftfahrt-Abenteurern Bertrand Piccard und André Borschberg entwickelt wurde.

Die Referenten (v.l.n.r.): Prof. Dr. Dusit Kruangam, Botschafterin Schraner Burgener, Peter Sprenger und Patchanita Thamyangkit. Bildmitte: zwei Schüler des Swiss School.
Die Referenten (v.l.n.r.): Prof. Dr. Dusit Kruangam, Botschafterin Schraner Burgener, Peter Sprenger und Patchanita Thamyangkit. Bildmitte: zwei Schüler der Swiss School Bangkok.

Knapp 120 Besucher, darunter auch einige Schüler und Schülerinnen der Swiss School Bangkok, folgten der Einladung Ihrer Exzellenz und besichtigten die Solaranlage, die Anfang 2014 vom Unternehmen Aero Solar and Automation Co. Ltd. auf dem Botschaftsdach installiert wurde. „Die Anlage wurde in zwei Etappen gebaut und innerhalb von 5 Monaten fertiggestellt“, erklärt Attaché Beat Schnüriger. Wenn der Hausmeister von „seinem Baby“ spricht, dann glänzen seine Augen. Das Photovoltaik-Kraftwerk ging am 25. Februar 2014 in Betrieb und umfasst eine Fläche von 901,69 qm. Die 552 auf zwei Dächern installierten Solarpanels erzeugen eine Gesamtleistung von 149.04 Kilowatt Peak (kWp). „Die englische Bezeichnung „peak“ bezieht sich dabei auf die höchstmögliche Leistung der Anlage, die natürlich vom Stand der Sonne abhängig ist“, erklärt Schnüriger. „Morgens um 7 Uhr geht die Anlage in Betrieb und erreicht gegen 13 Uhr ihre höchstmögliche Leistung, die in den Nachmittagsstunden bis 19 Uhr wieder kontinuierlich abnimmt. Die besten Sonnenmonate sind März, April und Mai.“

Stromkosten und CO2-Ausstoß gesenkt

Über ein Gerüst stiegen die Besucher auf das Botschaftsdach.
Über ein Gerüst stiegen die Besucher auf das Botschaftsdach.

Er bezeichnet die Anlage als äußerst wartungsfreundlich. Alle drei bis vier Wochen müssen er und seine Mitarbeiterin Khiewkem Thitiya dennoch für Wartungsarbeiten aufs Dach steigen: „In Bangkok ist die Feinstaubbelastung relativ hoch, weshalb wir die Panels in der Trockenzeit regelmäßig reinigen, um die Performance zu verbessern. Denn wartet man zu lange, setzen sich die öligen Staubpartikel zu stark fest und lassen sich schwer entfernen.“ Da versteht es sich von selbst, dass sich der Attaché stets auf die Monsunzeit freut: „Der Regen wäscht den Schmutz dann einfach weg.“ Den gesamten Strombedarf der Schweizer Botschaft kann die Photovoltaikanlage nicht decken, weshalb noch Strom vom städtischen Stromwerk dazugekauft wird. Jedoch viel weniger, als zuvor. „Im vergangenen Jahr haben wir mit der Anlage 25 Prozent Stromkosten eingespart. Das klingt erstmal nicht viel, ist jedoch enorm, wenn man die Größe der Anlage bedenkt“, erklärt Schnüriger. „Zudem haben wir den CO2-Ausstoß um 100.000 kg gesenkt.“

Mit 17.200 Solarzellen um die Welt

Nachdem die Besucher vom Botschaftsdach heruntergeklettert waren und sich mit kleinen Snacks und kühlen Getränken gestärkt hatten, näherte sich die Veranstaltung ihrem nächsten Höhepunkt. Mit einer feierlichen Ansprache begrüßte Botschafterin Schraner Burgerner die Gäste und versprach einen Abend voller Innovationen und Ideen. Die Besucher wurden nicht enttäuscht. Aufmerksam verfolgten sie den Filmbeitrag, der über die geplante Weltumrundung  des Solarflugzeugs „Solar Impulse 2“ der beiden Schweizer Luftfahrtpionieren Bertrand Piccard und André Borschberg informierte. Für die Weltumrundung haben Piccard und Borschberg 20 Flugtage vorgesehen, verteilt über drei Monate. Allein für die Überquerung von Pazifik oder Atlantik müssen sie fünf Tage und fünf Nächte am Stück in der Luft sein. Für die Technik kein Problem. Denn das Flugzeug kann laut Borschberg einen Monat lang nonstop fliegen und auch kleine Wolkenschichten durchqueren. Die Schwachstelle ist vielmehr der Mensch am Steuerknüppel. Eine Autopilot-Funktion, eine Toilette und ein Business-Class-Sitz mit Neigefunktion sollen dem Piloten bei diesem Flugmarathon jedoch unterstützen.

Ein Abend voller Innovationen und Ideen

Das Photovoltaik-Kraftwerk umfasst eine Fläche von 901,69 qm.
Das Photovoltaik-Kraftwerk umfasst eine Fläche von 901,69 qm.

​Informativ gestalteten sich die darauffolgenden Fachvorträge. Besonders Peter Sprenger, Geschäftsführer von Kruthwong & Sprenger Co., Ltd., zog das Publikum mit viel Wortwitz sofort in seinen Bann. Voller Enthusiasmus überzeugte er selbst den letzten Skeptiker von den Vorzügen der Photovoltaiktechnik. Nüchterner, doch nicht weniger informativ, gestaltete sich der Vortrag von Professor Dr. Dusit Kruangam, Geschäftsführer des Unternehmens Thai Solar Future, Vorsitzender der Thai Photovoltaic Industries Association und Mitglied des Nationalen Reformrates, der über die anstehenden Änderungen in der Energiepolitik des Königreiches informierte.  Mit ihrer charmanten Art begeisterte die letzte Referentin des Abends, Patchanita Thamyangkot, die Zuhörerschaft. Die Juniorprofessorin der Fakultät für Chemie der renommierten Chulalongkorn-Universität informierte über ihre Arbeiten im Bereich der Photovoltaiktechnik und stellte ihr junges Forscherteam vor.

Zum krönenden Abschluss der Veranstaltung wurde mit finanzieller Unterstützung des Sponsors Bangkok Airways ein Flug nach Myanmar für zwei Personen verlost, um die Weltumrunder Piccard und Borschberg bei ihrem Zwischenstopp in Mandalay persönlich kennenzulernen. Die Schweizer starten mit ihrem Solar-Flugzeug im März in Abu Dhabi. 

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