Deutschland nach dem Hochwasser

Soforthilfe und schwindende Hoffnung 

Bundespressekonferenz zur Hochwasserhilfe des Bundes in Berlin. Foto: epa/Andreas Gora / Pool
Bundespressekonferenz zur Hochwasserhilfe des Bundes in Berlin. Foto: epa/Andreas Gora / Pool

BERLIN: Fast eine Woche ist es her, dass das Hochwasser Tausenden Menschen ihre Lieben, ihr Hab und Gut oder ihre ganze Existenz nimmt. Die deutsche Regierung beschließt nun Sofortmaßnahmen. An Geld werde es nicht scheitern, sagt der Bundesinnenminister.

Die deutsche Regierung hat eine Woche nach dem Beginn der Hochwasserkatastrophe im Westen des Landes konkrete Hilfen und Konsequenzen beschlossen. Unterdessen schwinden in den betroffenen Gebieten die Hoffnungen, noch Überlebende zu finden. Dutzende Menschen werden noch immer vermisst.

Der Bund beschloss am Mittwoch eine Soforthilfe von zunächst 200 Millionen Euro. Mittel in derselben Höhe sollen die betroffenen Bundesländer beisteuern, so dass insgesamt bis zu 400 Millionen Euro bereit stehen.

Finanzminister Olaf Scholz machte deutlich, der Bund werde bei Bedarf auch mehr Geld zur Verfügung stellen. «An Geld wird es nicht scheitern», betonte auch Innenminister Horst Seehofer. «Dafür zahlen die Leute ja Steuern, dass ihnen in solchen Situationen geholfen wird.»

Außerdem ist ein milliardenschwerer Aufbaufonds geplant. Der Aufbau werde Jahre in Anspruch nehmen, sagte Scholz. Über die genaue Höhe des Fonds soll erst entschieden werden, wenn das Ausmaß der Schäden besser absehbar ist. Der Bund werde auch in diesem Fall die Hälfte davon zur Verfügung stellen. Mit dem Wiederaufbau solle jetzt sofort begonnen werden. «Es gibt also nichts, womit man zögern muss. Die Zusage, die wir jetzt geben wollen, ist, dass diese Aufbauhilfe gleich beginnen kann.»

In den Katastrophengebieten schwinden derweil die Hoffnungen, noch Überlebende zu finden. «Wir suchen aktuell noch nach Vermissten, etwa beim Räumen der Wege oder Auspumpen der Keller», sagte die Vizepräsidentin des Technischen Hilfswerks (THW), Sabine Lackner, dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). «Zu diesem Zeitpunkt ist es aber leider sehr wahrscheinlich, dass man Opfer nur noch bergen kann, nicht mehr retten.»

Nach bisherigen Erkenntnissen kamen mindestens 169 Menschen bei der Hochwasser-Katastrophe ums Leben. Noch immer wurden Menschen vermisst - 155 von ihnen im besonders betroffenen Kreis Ahrweiler im Norden von Rheinland-Pfalz.

Nach Einschätzung des Deutschen Roten Kreuzes in Rheinland-Pfalz rückt nun im Katastrophengebiet auch die psychologische Betreuung in den Vordergrund. Auch die Infrastruktur ist vielerorts völlig zerstört: Straßen, Bahngleise, Brücken, Mobilfunkmasten, Strom-, Gas- und Wasserleitungen sind betroffen. Die Wassermassen haben nach Angaben der Deutschen Bahn allein sieben Regionalstrecken in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz so stark beschädigt, dass man sie neu bauen oder umfangreich sanieren muss. Gleise auf rund 600 Kilometern seien betroffen.

Wie ein Sprecher der Autobahngesellschaft des Bundes sagte, sind im Rheinland etwa 90 Kilometer Autobahn von Flutschäden betroffen. Dabei handele es sich um Schäden von unterschiedlicher Schwere. Auch Abschnitte, die nach dem Abfließen des Wassers intakt aussehen, könnten nicht sofort freigegeben werden. «Wir müssen zunächst prüfen, ob der Untergrund tragfähig ist», sagte der Sprecher.

Bundesinnenminister Seehofer versprach nach der Sitzung des Bundeskabinetts eine engere Zusammenarbeit von Bund und Ländern im Katastrophenschutz. Gleichzeitig stellte er in Aussicht, dass die deutsche Bevölkerung bei Hochwasser und anderen Gefahren künftig auch per SMS gewarnt werden soll. Der Präsident des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK), Armin Schuster, habe zur Warnung per Cell Broadcasting bereits im Frühjahr eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben. Schuster gehe davon aus, dass das noch vor der Bundestagswahl erwartete Ergebnis positiv sein werde.

Der Deutsche Wetterdienst kündigte unterdessen an, künftig noch präzisere Prognosen liefern und dabei vor allem die Pegelvorhersagen bei Sturzfluten optimieren zu wollen. «Gerade für die Sturzfluten haben wir ein Projekt ziemlich weit fortgeschritten namens Sinfony», sagte der Leiter der Vorhersage- und Beratungszentrale des DWD, Franz-Josef Molé, dem WDR. Dabei sollen in den nächsten zwei Jahren die beiden bisherigen Verfahren von aktuellen Radarmessungen und Modellvorhersagen besser aufeinander abgestimmt werden. So könnten aktuelle Starkregenvorhersagen künftig auch gut für Pegelvorhersagen der nächsten drei Stunden verwendet werden.

Auch am kommenden Wochenende könnte es nach DWD-Vorhersagen wieder Starkregen geben. Für eine genaue Einordnung der Niederschlagsschwerpunkte sei es zwar noch zu früh, hieß es in Offenbach.

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