Flüchtlinge dürfen nicht nur dank Twitter gerettet werden

Foto: epa/Justin Lane
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BRATISLAVA (dpa) - Die liberale slowakische Tageszeitung «Sme» erinnert nach dem Happy End für eine junge Saudi-Araberin, die dank einer international beachteten Twitter-Aktion Asyl in Kanada bekam, an das Schicksal der meisten anderen Flüchtlinge:

«Vergangene Woche verbarrikadierte sich die saudi-arabische Teenagerin Rahaf Mohammed al-Kunun auf der Flucht vor ihrer Familie und einer Zwangsheirat im Hotelzimmer eines Flughafens in Thailand und sandte von dort verzweifelte Hilferufe über Twitter aus. So zwang sie Thailand, ihr Kontakt zum UN-Flüchtlingswerk UNHCR zu ermöglichen, und erhielt schließlich Asyl in Kanada. (...)

Das Erfolgsgeheimnis solcher Aktionen liegt daran, dass die sozialen Netzwerke in Realzeit jene Emotionen in den Menschen wecken können, die sie zur Hilfe für Flüchtlinge veranlassen, indem sie deren Leiden und Angst mitfühlen. Zugleich ermöglichen diese Netze ein schnelles und greifbares Ergebnis, das scheinbar ohne große Anstrengung zustande kommt. Schließlich geht es einfach darum, dass möglichst viele Menschen das Ereignis verfolgen und damit öffentlichen Druck auf die betreffenden Regierungen erzeugen.

Doch gerade darin liegt auch ihre Gefahr. Wir sollten nicht vergessen, dass die überwältigende Mehrheit der Flüchtlinge keine Instagram- oder Twitter-Stars sind. Wir sollten nicht so weit kommen, dass die Rettung von Flüchtlingen davon abhängt, ob auf einem Flüchtlingsboot gerade jemand einen Twitter-Zugang hat und damit zur rechten Zeit genügend Follower erreicht.»

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