Sieg und Niederlage für deutsche Handball-Teams

Länderspiel, Deutschland - Portugal, ISS Dome. Deutschlands Trainer Alfred Gislason sitzt auf der Bank. Foto: Marius Becker/dpa
Länderspiel, Deutschland - Portugal, ISS Dome. Deutschlands Trainer Alfred Gislason sitzt auf der Bank. Foto: Marius Becker/dpa

DÜSSELDORF: Im zweiten Länderspiel gegen Portugal binnen 48 Stunden ziehen die deutschen Handballer dieses Mal den Kürzeren. Dafür sorgen die DHB-Frauen für eine faustdicke Überraschung.

Dämpfer für die Männer, Jubel bei den Frauen: Der Tag des Handballs bescherte den deutschen Nationalmannschaften höchst unterschiedliche Gefühle. Während die jungen Wilden von Bundestrainer Alfred Gislason am Sonntag vor 5478 Fans in Düsseldorf eine 30:32 (17:17)-Niederlage gegen den EM-Sechsten Portugal kassierten, starteten die DHB-Frauen mit einem überraschenden 28:27 (14:16)-Sieg gegen den Olympia-Zweiten Russland in die WM-Vorbereitung.

«Ich bin natürlich unzufrieden, dass wir verloren und viele Fehler gemacht haben», sagte Gislason nach der Pleite gegen Portugal. «Aber ich habe viele wichtige Erkenntnisse gewonnen und bin mit allen Neuen sehr zufrieden. Sie werden viel Druck auf die Arrivierten machen.»

Nach dem gelungenen Neustart der DHB-Auswahl mit gleich sieben Debütanten beim 30:28 gegen die Portugiesen am Freitagabend in Luxemburg konnten die Gislason-Schützlinge den Fans keinen weiteren Sieg schenken. «Wir haben zu viele Schwankungen gezeigt, die für ein junges Team aber normal sind. Das muss man akzeptieren», sagte DHB-Sportvorstand Axel Kromer. «Es ist klar, dass wir unsere Gegner nicht konstant aus der Halle schießen.»

Beste Werfer im DHB-Team waren Kapitän Johannes Golla, David Schmidt, Marcel Schiller und Lukas Zerbe mit jeweils vier Toren. «Wir haben es nicht geschafft, in der Abwehr kompakt zu stehen. Das hat den Ausschlag gegeben», resümierte Rechtsaußen Timo Kastening. «Wir machen trotz eines schlechten Tages 30 Tore, das gibt Rückenwind. Wir geben weiter Gas und schauen bei der EM, was rauskommt.» Beim Kontinentalturnier im Januar kommenden Jahres trifft Deutschland in der Vorrunde auf Österreich, Belarus und Polen.

Den emotionalen Höhepunkt der Partie gab es in der Halbzeitpause, als Steffen Weinhold und der langjährige Kapitän Uwe Gensheimer, der in 204 Länderspielen insgesamt 921 Tore erzielte, unter dem tosenden Beifall der Zuschauer offiziell aus der Nationalmannschaft verabschiedet wurden. Für ein ähnliches Stimmungshoch konnten ihre Nachfolger an diesem Tag nicht sorgen.

Dabei lag das DHB-Team nach einer kurzen Warm-up-Phase beim 4:3 (8.) erstmals in Führung, die trotz einiger Schwächen in Abwehr und Angriff auf maximal vier Tore (15:11/23.) ausgebaut wurde. Großen Anteil daran hatten die Flügelspieler Lukas Mertens (links) und Lukas Zerbe (rechts). Der 25 Jahre alte Neffe des ehemaligen Nationalspielers Volker Zerbe traf in den ersten 30 Minuten viermal, der gleichaltrige Magdeburger dreimal. «Es hat sehr viel Spaß gemacht. Die Truppe ist super und man genießt es, auf dem Feld zu stehen», sagte Lukas Zerbe.

Mit Wiederbeginn wechselte Gislason bis auf Golla komplett durch. Die Folge: Beim 18:22 (36.) lag das DHB-Team plötzlich mit vier Toren hinten. Zwar gelang kurz vor Schluss noch einmal der Ausgleich zum 29:29, doch am Ende jubelten die Portugiesen.

Im Anschluss boten die DHB-Frauen im Duell mit Russland eine starke Vorstellung und bejubelten nach dem Abpfiff ausgelassen den ersten Sieg gegen den Olympiasieger von 2016 seit acht Jahren. «Gegen Russland zu gewinnen ist immer etwas Besonderes. Die Mannschaft hat mit Herz und Seele gekämpft und am Ende die richtigen Lösungen gefunden, den Sieg vor einer tollen Kulisse nach Hause zu bringen», lobte Bundestrainer Henk Groener und fügte mit Blick auf die WM hinzu: «Das gibt auf jeden Fall Auftrieb.» Beste Werferinnen im deutschen Team waren Amelie Berger und Alina Grijseels mit jeweils fünf Toren.

Dreieinhalb Wochen vor Beginn der WM, bei der Deutschland in der Vorrunde auf Tschechien, die Slowakei und Ungarn trifft, musste Groener auf etliche im Ausland beschäftigte Leistungsträgerinnen wie Kapitänin Emily Bölk oder Torfrau Dinah Eckerle verzichten. Dennoch wusste die deutsche Mannschaft zu überzeugen und tankte ordentlich Selbstvertrauen für die Weltmeisterschaft vom 1. bis 19. Dezember in Spanien. «Ich hoffe, wir können den Rückenwind mit in die WM nehmen», sagte Siegschützin Grijseels.

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