Sieben Dinge zum G7-Gipfel

Die Vorbereitungen für den G7-Gipfel im Ferienort Borgo Egnazia. Foto: epa/Giuseppe Lami
Die Vorbereitungen für den G7-Gipfel im Ferienort Borgo Egnazia. Foto: epa/Giuseppe Lami

BARI: Der G7-Gipfel gehört zum alljährlichen Kalender der großen internationalen Polit-Spektakel. Dieses Mal trifft man sich im Süden Italiens. Mit einem Gast, den es noch nie gab. Einer wurde verbannt.

Alle Jahre wieder trifft sich die Gruppe der großen demokratischen Industrienationen (G7) zum Gipfel, immer abwechselnd in einem der sieben Länder. Anfangs, nach dem Auftakt 1974, war das für die Staats- und Regierungschefs Gelegenheit zum offenen Gespräch in kleinem Kreis. Inzwischen sind daraus viele Millionen teure Großveranstaltungen geworden, durchgetaktet bis ins Detail.

Dafür hat es sich die Siebenergruppe angewöhnt, fernab vom Volk zu tagen - meistens in strengstens abgesicherten Luxushotels. In diesem Jahr fiel die Wahl der italienischen Gastgeber auf das Ferienresort «Borgo Egnazia». An diesem Donnerstag geht es los, am Samstag ist Schluss.

Der Name

Mit dem Namen des Tagungsorts können wohl nur die wenigsten etwas anfangen. Die Stadt Gnathia (auf Italienisch: Egnazia) war eine antike Hafenstadt in Apulien - in etwa dort, wo am italienischen Stiefel der Absatz beginnt, auf halber Strecke zwischen Brindisi und Bari. Ihre Blütezeit erlebte sie in der frühen römischen Kaiserzeit. Im sechsten Jahrhundert wurde Ghnatia zerstört. Übrig sind nur Ruinen, die man heutzutage besichtigen kann. Daneben gibt es seit einiger Zeit ein gutes Museum.

Die Region

Apulien gehört zu Italiens schönsten Gegenden, aber auch zu den ärmsten. Dem Süden des Landes - auch: Mezzogiorno - geht es seit jeher schlechter als dem Norden. Immer noch ziehen viele weg, vor allem die Jugend. In jüngster Zeit hat sich Apulien mit seinen Stauferburgen wie dem rätselhaft achteckigen Castel del Monte, den weißen Barockstädten und den Stränden zum beliebten Reiseziel entwickelt. Vom Massentourismus, anderswo in Italien eine große Plage, ist man noch einigermaßen verschont. Dafür gibt es seit ein paar Jahren eine andere Plage: ein Bakterium, das Olivenbäume massenweise absterben lässt.

Das Hotel

Das Luxus-Resort «Borgo Egnazia» - 28 Villen sowie 63 Suiten oder Zimmer in traditionell apulischem Stil, dazu Restaurants, Pools, ein Golfplatz und ein Beachclub - ist noch keine 15 Jahre alt. Bislang las man darüber selten im politischen Teil, umso mehr in den Klatschspalten. Die US-Stars Justin Timberlake und Jessica Biel feierten hier 2012 groß Hochzeit, angeblich für mehrere Millionen Dollar. Zu den regelmäßigen Gästen gehört A-Prominenz wie Madonna oder die Beckhams. Tatsächlich ist das Resort auch zu herkömmlichen Zeiten eine Festung: Ohne Reservierung kommt man nicht hinein. Das «Borgo Egnazia» findet sich auch in den Ranglisten der besten Hotels der Welt. Die Preise sind entsprechend: Das Doppelzimmer kostet an manchen Tagen mehr als 2700 Euro.

Der Gipfel

Die meisten Staats- und Regierungschefs der G7 (und auch der eine oder andere sonstige Gast) werden auf dem Gelände wohnen. Aus Sicherheitsgründen ist das Resort für zehn Tage geschlossen. Rundum wurde eine «zona rossa» eingerichtet, eine rote Zone als Sperrgebiet: Hier ist kein Durchkommen mehr. Vor der Küste sollen Kriegsschiffe kreuzen. Zudem wurden die Straßen sehr großzügig neu asphaltiert, und das Militär legte ein Dutzend Hubschrauber-Landeplätze an. Die Fahrt über Apuliens Straßen, berüchtigt für ihre Schlaglöcher, möchte man solch hohem Besuch keinesfalls zumuten.

Die Gastgeberin

Italiens rechte Ministerpräsidentin Giorgia Meloni war schon im vergangenen Sommer für ein oder zwei Nächte zu Gast, um das Resort in Augenschein zu nehmen. Den eigentlichen Urlaub verbrachte sie ganz in der Nähe auf einem Landgut, damals noch mit dem Journalisten Andrea Giambruno an ihrer Seite und der gemeinsamen Tochter. Inzwischen haben sich die beiden getrennt. Seit Beginn der Woche hält sich Meloni nun wieder in dem Resort auf, um den Gipfel vorzubereiten und noch ein wenig auszuspannen. Ihre Tochter Ginevra hat sie wieder dabei, als «Talisman», wie die Zeitung «La Repubblica» am Mittwoch schrieb.

Der Extragast

Die Bezeichnung G7 führt ein wenig in die Irre. Nicht nur, weil die Führungsspitze der EU längst zu jedem Treffen dazu gehört (so wie eine Zeit lang, als die Weltlage noch besser war, auch Russland): Inzwischen werden stets auch Staats- und Regierungschefs aus anderen Ländern als Gäste eingeladen. Dieses Mal gibt es allerdings eine echte Premiere: Zum ersten Mal überhaupt nimmt ein Papst an einem G7-Gipfel teil: Aus dem 400 Kilometer entfernten Rom stößt Franziskus am Freitag für ein paar Stunden hinzu. Das Oberhaupt der katholischen Kirche soll über das Thema Künstliche Intelligenz sprechen. Als Themen der Arbeitssitzung stehen außerdem Afrika und das Mittelmeer auf dem Programm - schwer vorstellbar, dass er sich in dem Zusammenhang nicht zur Migration äußert. Möglicherweise will er mit den Politikern auch über das Thema Krieg reden, bei dem er ebenfalls eine eigene Meinung hat.

Das Denkmal

Russland ist bereits seit 2014 bei solchen Treffen nicht mehr dabei: Wegen der völkerrechtswidrigen Annexion der ukrainischen Schwarzmeer-Halbinsel Krim wurde Wladimir Putin damals aus der Gruppe verbannt. In Bari, der nächstgrößeren Stadt, ist der Kremlchef trotzdem präsent. Auf dem Vorplatz der großen Basilika San Nicola steht bereits seit 2003 ein von ihm gestiftetes Denkmal zu Ehren des Heiligen Nikolaus. Daneben hängt eine Bronzeplakette mit dem Wortlaut eines Briefes, in dem Putin Freundschaft und Zusammenarbeit gelobte. Wegen des Ukraine-Kriegs gibt es immer wieder Forderungen, die Plakette entfernen zu lassen - vergebens. Auch eine Unterschriftenaktion brachte keinen Erfolg.

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