Duell der «Mentalitätsmonster»

​Showdown zwischen Klopp und Real  

Champions League, vor dem Finale FC Liverpool - Real Madrid, Training: Liverpools Virgil van Dijk (l) spricht während einer Trainingseinheit im AXA Training Centre mit Jürgen Klopp, Trainer des FC Liverpool. Foto: Peter Byrne
Champions League, vor dem Finale FC Liverpool - Real Madrid, Training: Liverpools Virgil van Dijk (l) spricht während einer Trainingseinheit im AXA Training Centre mit Jürgen Klopp, Trainer des FC Liverpool. Foto: Peter Byrne

PARIS: Im Champions-League-Finale zwischen Real Madrid und dem FC Liverpool begegnen sich sportlich zwei Teams aus Augenhöhe. Auch haben beide diese Saison schon zwei Titel geholt. Den Ausschlag wird auch die Mentalität geben. Und auch die haben beide oft bewiesen.

Am FC Bayern München hatte Xabi Alonso diese Saison in der Champions League wenig Freude, doch beim Studium seiner anderen beiden Ex-Vereine bekam der frühere Weltklassespieler glänzende Augen. «Ich liebe es, wenn Jürgen Klopp sagt, dass seine Spieler «Mentalitätsmonster» sind», sagt der 40-Jährige vor dem Finale der Königsklasse. «Aber im Finale muss Liverpool große Mentalität zeigen. Denn Real Madrid - das sind die anderen Mentalitätsmonster.»

Die Spanier um den 2014er Weltmeister Toni Kroos, die am Samstag (21.00 Uhr/ZDF und DAZN) im Endspiel von Paris auf Klopps FC Liverpool treffen, haben das in dieser Saison mehrfach bewiesen. Wie Real erst gegen Paris Saint-Germain, dann gegen Titelverteidiger FC Chelsea und vor allem im Halbfinale gegen Manchester City mit zwei Treffern in der Nachspielzeit die Spiele umbog, das hat auch Klopp tief beeindruckt.

«Wenn man die letzten zwei Minuten eines jeden Real-Spiels nimmt, dann sind sie unschlagbar», sagte Klopp, der als erster deutscher Trainer zum vierten Mal im Endspiel der Königsklasse steht: «Zum Glück gibt es noch 88 Minuten davor. Und wir stehen auch nicht durch Zauberei im Finale. Wir haben es uns auch verdient.»

Den Begriff «Mentalitätsmonster» brachte Klopp schon Anfang Mai in Spanien ins Spiel. Nach dem Final-Einzug beim FC Villarreal hatte er wieder mal von der Einstellung seiner Spieler geschwärmt und versucht zu übersetzen. Mit «mentalidad monstruoso» gelang ihm das leidlich. Einen Tag später zeigte Real gegen City, was es bedeutet.

Mit entsprechend mit viel Selbstvertrauen gehen die Königlichen ins Endspiel. «Ich persönlich spüre nur Vorfreude, weil wir uns ausschließlich nur positive Gedanken machen», sagte Kroos, der den 73,5 Zentimeter hohen und 7,5 Kilogramm schweren Henkelpott bereits einmal mit den Bayern und dreimal mit Real gewann. David Alaba, der ihn zweimal mit den Münchnern gewann und im Sommer nach Madrid wechselte, stellte im «Kicker» klar: «Wir sind Real Madrid. Mit diesem Selbstbewusstsein fahren wir nach Paris, eben um dort zu gewinnen.»

Sein Team habe in der K.o.-Phase einen speziellen «Spirit und Wettkampfcharakter» gezeigt, sagte der Österreicher: «Wir sind eine Mannschaft, die immer zurückschlagen kann, die nie aufgibt.» Aber auch Liverpool agiere «mit einer sehr großen Power». Und Klopp lebe diese Power «als Marschrichtung vor».

Bei aller fußballerischen Qualität, bei allen taktischen Finessen, ist also nahezu allen Beteiligten eines klar: Dieses Duell, sportlich auf Augenhöhe, wird am Samstag im Kopf entschieden. «Da treffen zwei tolle Mannschaften aufeinander. Und am Ende wird die Mannschaft mit mehr Mut und Persönlichkeit gewinnen», sagte Real-Trainer Carlo Ancelotti, von 2016 bis September 2017 auch beim FC Bayern.

Ancelotti steht als erster Trainer zum fünften Mal im Endspiel der Königsklasse, als erster könnte er den wichtigsten Europacup zum vierten Mal gewinnen. Und auch einige seiner Spieler jagen Rekorde. Gleich acht Spieler um Kroos könnten mit dem fünften Triumph alleine in der Champions League mit Rekordhalter Cristiano Ronaldo gleichziehen. Allerdings gewann Vereinsikone Francisco Gento die Trophäe sechsmal im Vorgänger-Wettbewerb. Seit der Europokal der Landesmeister 1992 in Champions League umbenannt wurde, stand Real sieben Mal im Finale, sieben Mal gewannen die Königlichen. Die letzte Endspiel-Niederlage für den Rekord-Gewinner (13 Titel) gab es noch in der alten Ära. 1981 - gegen Liverpool.

Doch auch die Reds kommen mutig. 13 Spieler waren schon beim Triumph 2019 gegen Tottenham dabei. Und Klopp hat seitdem längst sein Final-Trauma von sechs verlorenen Endspielen in verschiedenen Wettbewerben zu den Akten gelegt. «Es ist gut, dass ich nicht mehr über die sechs Niederlagen sprechen muss», sagte er dieser Tage: «Aber das ist meine Geschichte. Diese Reise war wichtig für mich. Man muss lernen, dass es nur einen Sieger gibt. Vielleicht war meine Lektion dabei etwas härter.» Dank großer Mentalität hat er sie bestanden.

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