Seltsames Reisen in langen Covid-Zeiten

Mein fünfter Covid-19-Test – Geisterflughafen – Euphorie in Zürichs Altstadt

Die Massen zieht es ins Zürcher Niederdorf am ersten warmen Sommerabend nach den großen Öffnungen. Fotos: hf
Die Massen zieht es ins Zürcher Niederdorf am ersten warmen Sommerabend nach den großen Öffnungen. Fotos: hf

Um von Thailand in die Schweiz reisen zu können, brauche ich einen frischen PCR-Covid-19-Test, das Bangkok Pattaya Hospital liefert ihn.

3.800 B kostet der Spaß dort – und das ist im Vergleich zur Schweiz auch noch günstig. Ich habe bereits eine gewisse Test-Routine, denn das ist bereits mein fünfter Test. Die Dame hantiert mit den Wattestäbchen übrigens sehr sensibel, und die vorgängige Beratung durch eine thailändische Ärztin war höchst professionell. Als ich das Ergebnis am Vormittag meines Abflugtages abholen kann, ist er auch wie erwartet negativ. Jetzt kann's losgehen!

Geisterflughafen fast ohne Leistungen

Rhabarber gibt es nun gerade im Überfluss.
Rhabarber gibt es nun gerade im Überfluss.

Kürzlich bin ich mal tagsüber von Udon Thani nach Suvarnabhumi geflogen. Ich war schockiert: Massenweise Flugzeuge der THAI standen da herum, die Triebwerke mit Überzügen gegen die Feuchtigkeit und Staub versehen. Man kann sich fast nicht vorstellen, dass die eines Tages wieder fliegen werden.

Beim Abflug in die Schweiz mit der SWISS ist es Nacht, dann ist dieser „Flugzeugfriedhof“ nicht zu sehen. Aber auch sonst ist alles mehr oder weniger verwaist, gähnende Leere überall. Das Einchecken ist rasch erledigt, da wird der negative PCR-Covid-Test tatsächlich verlangt und genau angeschaut, was bei der Ankunft in Zürich überhaupt nicht der Fall ist.

Spargel aus Deutschland steht im Angebot.
Spargel aus Deutschland steht im Angebot.

Durch die Immigration und den Sicherheitscheck in Rekordzeit. Viel Zeit bis zum Boarding. Ein einziges Restaurant ist auf, und auch das stellt ab 21 Uhr auf Take-Away um. Ich schnappe mir zwei kleine Chang und setze mich irgendwo hin. Die Atmosphäre ist noch grausiger als vor knapp einem Jahr, als ich dieselbe Strecke geflogen bin. Agonie.

Der Flug ist nur ca. 20 Prozent ausgelastet

Ich habe schon beim Buchen gesehen, dass dieser Flug ganz schlecht ausgelastet ist, so konnte ich mir den wohl besten Platz der Economy-Class sichern, 23 H, beim Notausgang, auf der Gangseite. Da herrscht Beinfreiheit vom Feins­ten, und ich kann während des Fluges auch fast durchschlafen.

Fondue, die Schweizer Käsespezialität, kann auch im Freien genossen werden, wie hier am Hirschenplatz.
Fondue, die Schweizer Käsespezialität, kann auch im Freien genossen werden, wie hier am Hirschenplatz.

Bei der Landung des Flugzeugs in Zürich regnet es. Doch als ich im Hauptbahnhof bin, scheint bereits wieder die Sonne. Ich habe mir in unmittelbarer Bahnhofsnähe, also extrem zentral, ein Zimmer in einem vormaligen Drei-Sterne-Hotel gesichert. Es wurde im Oktober 2020 geschlossen, als praktisch keine Touristen mehr nach Zürich kamen. Bis Dezember 2021 wird es „zwischengenutzt“, das heißt, man kann dort als Privatperson befristet ein Zimmer beziehen (Minimum 3 Monate, Maximum 7 Monate). Mein Zimmer ist recht groß, verfügt über Safe, Badezimmer mit Badewanne, Bett, Schreibtisch, Internet etc. und kostet nur 700 Franken im Monat. Vor Covid-19 war der Preis für dieses Zimmer 160 Franken pro Nacht.

Sechs Monate waren in Zürich die Restaurants im Innenbereich geschlossen, zwei Tage vor meiner Ankunft konnten sie wieder öffnen, mein Timing ist einmal mehr ausgezeichnet. Ich begebe mich am Freitagabend in die Zürcher Altstadt, das Niederdorf, zum Essen. Ich bin nicht der einzige, der diese Idee hatte. Die neuen Freiheiten genießen mit mir Hunderte oder Tausende. Die Stimmung ist ausgezeichnet und dennoch werden die Abstandsregeln eingehalten. Es ist wohl der erste Sommerabend in diesem Jahr, alle sind froh, endlich wieder Leute treffen zu können. Es herrscht die Hoffnung, dass Covid-19 nun wirklich langsam zu Ende geht.


Hans Fritschi, Jahrgang 1957, ist ehemaliger Journalist und Buchautor, er lebt seit 1991 in Thailand. Mehrere Monate des Jahres reist er in der Welt herum, den Rest verbringt der Hobbygärtner in Pattaya und Nong Khai. Falls Sie Fragen und Anregungen an unseren Gartenkolumnisten haben, oder seinen Garten mal anschauen möchten, schicken Sie ihm eine E-Mail an oder besuchen Sie die Dicovery Garden Webseite oder Facebook. Für unterhaltsame und interessante Gartengeschichten in Bild und Ton besuchen Sie Hans Fritschis YouTube-Kanal – Teilen, Liken & Abonnieren erwünscht!

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Tondidi 26.06.21 08:50
Seltsames Reisen
Ein schoener Artikel - mit einer sehr positiven Ausstrahlung, trotz aller Widrigkeiten.