Selbstmordrate nahm im Vorjahr um 20 Prozent zu

Die Corona-Krise wirkt sich auch auf die Psyche vieler Menschen aus. Geringe Einnahmen, Jobverlust und monatelange Isolation sind einige der Gründe, die immer mehr Menschen in den Suizid treiben. Foto: reewungjunerr/Adobe Stock
Die Corona-Krise wirkt sich auch auf die Psyche vieler Menschen aus. Geringe Einnahmen, Jobverlust und monatelange Isolation sind einige der Gründe, die immer mehr Menschen in den Suizid treiben. Foto: reewungjunerr/Adobe Stock

BANGKOK: Die Zahl der Selbstmorde in Thailand ist im Vorjahr nach Angaben der Behörde für psychische Gesundheit gegenüber 2019 um 20 Prozent gestiegen. Dafür verantwortlich gemacht werden Auswirkungen der Coronakrise, wie wirtschaftlicher Stress.

Während die Selbstmordrate in den vergangenen sechs Jahren relativ stabil bei sechs Fällen pro 100.000 lag, waren es 2020 7,3. Laut Dr. Phanphimol Wipulakorn beinhalteten die Anrufe auf der Hotline der Behörde für psychische Gesundheit 1323 im letzten Jahr am häufigsten Sorgen im Zusammenhang mit Covid-19. Allein im Januar dieses Jahres gab es 180.000 Anrufe, verglichen mit 700.000 im gesamten letzten Jahr. Die Gründe für einen Suizid bleiben die gleichen wie in den Vorjahren. An erster Stelle stehen Beziehungsprobleme mit engen Familienangehörigen, an zweiter Stelle chronische Krankheiten und an dritter Stelle wirtschaftliche und Geldsorgen. Emotionale Erschöpfung und Blackouts waren dreimal so häufig wie in der Allgemeinbevölkerung.

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Ingo Kerp 05.02.21 13:07
Unglaublich und erschreckend diese Entwicklung. Da derzeit in keiner Weise absehbar ist, wann eine landesweite Verbesserung der wirtschaftl. Lage erfolgen koennte, besteht die Moeglichkeit, das sich die Zahl der Suizide noch erhoehen koennte. Eine schlimme Vorstellung.
Thomas Sylten 05.02.21 12:52
Jeder einzelne Fall von Menschen, die für sich keine andere Möglichkeit mehr sehen als den Freitod, ist schrecklich - und eine Anklage an die Gesellschaft, offenbar gelegentlich keine andere Lösung bereitzuhalten.

Wer nun aber erwartungsgemäß diese Zahlen dahingehend interpretiert, dass die Coronamaßnahmen mehr Tote produzieren als Corona selbst, springt in seiner Logik zu kurz:
OHNE Maßnahmen läge die Zahl der Coronatoten unzweifelhaft deutlich höher,
ob aber die Selbstmordrate dafür niedriger läge (da durch die Maßnahmen indiziert) ist sehr zweifelhaft: Denn bei erheblich mehr Coronatoten gäbe es auch (noch) größere wirtschaftliche Verwerfungen, die ihrerseits möglicherweise zu noch viel mehr Suiziden führen könnten.

Es gibt sicher keinen Königsweg ohne Verluste - aber die konsequenten Maßnahmen gerade in Ostasien haben Schlimmeres (Beispiel Europa) zu verhindern geholfen. Europa steht diese bittere Erkenntnis noch bevor - verzögert durch die Schreihälse der Coronaleugner.