Seilbahnunglück : Ermittlungen dauern an

Pressekonferenz zum Unfall der Seilbahn Mottarone in Stresa. Foto: epa/Tino Romano
Pressekonferenz zum Unfall der Seilbahn Mottarone in Stresa. Foto: epa/Tino Romano

VERBANIA: Mehr als eine Woche nach dem Seilbahnunglück in Norditalien ist immer noch unklar, warum das Seil riss. Alte Videoaufnahmen sorgten zudem für Aufsehen. Hatte der Seilbahnbetreiber schon früher getrickst?

Nach dem tödlichen Absturz der Gondel am Monte Mottarone in Italien dauern die Ermittlungen zum Riss des Seils weiter an. Für kommenden Montag ist laut der Nachrichtenagentur Ansa eine weitere Inspektion geplant. Die Staatsanwaltschaft in Verbania prüft zudem Videoaufnahmen, die aus den Jahren 2014 und 2018 stammen sollen. Das hatte die ermittelnde Staatsanwältin, Olimpia Bossi, den Nachrichtenagenturen Adnkronos und Ansa in der Nacht zum Mittwoch bestätigt.

Das ZDF hatte am Dienstagabend in der Fernsehsendung «Frontal 21» über die Aufnahmen berichtet, wonach sich der Verdacht erhärtet, dass schon vor dem Unglück am Pfingstsonntag Gabeln genutzt wurden, um die Notbremse an den Gondeln zu blockieren.

Die Aufnahmen stammen laut dem TV-Bericht von einem Mann aus der Schweiz, der aus Interesse an der Technik die Seilbahn filmte. Nach dem Absturz habe der Mann, der selbst in der Branche tätig gewesen sei, in seinen Aufnahmen gestöbert und darauf die Gabeln entdeckt. Für Wartungsarbeiten dürfen diese Vorrichtungen eingesetzt werden. In dem Bericht wurde jedoch auch eine Aufnahme gezeigt, auf der Menschen in der Gondel zu sehen sind. Staatsanwältin Bossi wollte die Aufnahmen zunächst nicht bewerten.

Am Donnerstag zitierte Ansa den Anwalt des unter Hausarrest gestellten technischen Leiters. Dieser erklärte mit Bezug auf den TV-Bericht und unter Berufung auf seinen Mandanten, dass die Gabeln bei Leerfahrten und für Wartungen verwendet worden seien, aber nie wenn Menschen an Bord waren. Sein Mandant habe gesagt, wenn man auf den Bildern Menschen in der Kabine sehe, handle es sich um Angestellte der Seilbahn oder Wartungspersonal.

Die Seilbahn westlich des Lago Maggiore in der Region Piemont war am Pfingstsonntag kurz vor der Bergstation abgestürzt und zerschellt. Nur ein kleiner Junge überlebte das Unglück und befindet sich noch in einem Krankenhaus in Turin. Aus bislang ungeklärter Ursache war das Zugseil der Seilbahn gerissen. Eigentlich hätten in diesem Moment die Notbremsen am Tragseil greifen und den Absturz verhindern müssen.

Drei Männer des Seilbahnunternehmens waren in der Folge festgenommen worden. Zwei kamen wieder auf freien Fuß. Nur der technische Leiter befindet sich in häuslichem Arrest. Laut Medienberichten hatte er zugegeben, zuletzt schon die Notbremsen deaktiviert zu haben. Diese sollen für Störungen im Betrieb der Seilbahn gesorgt haben. Im Zuge der Corona-Lockerungen durften Seilbahnen in Italien erst seit dem 22. Mai wieder Ausflügler transportieren. Einen Tag später geschah das Unglück.

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