Schweizer Reeder zu fünf Jahren Freiheitsstrafe verurteilt

Foto: Adobe Stock
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BERN: Ein Schweizer Reeder ist unter anderem wegen Betrugs zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren verurteilt worden. Der Mann, der einst mit Bundesbürgschaften Frachter gekauft hatte, die unter Schweizer Flagge auf den Weltmeeren unterwegs waren, soll zudem 1,2 Millionen Franken (1,1 Mio Euro) an die Staatskasse zahlen, wie die Richterin am Wirtschaftsstrafgericht im Kanton Bern am Donnerstag bekanntgab. Privatklägern sprach sie Entschädigungen in Millionenhöhe zu. Der Mann hatte alle Vorwürfe zurückgewiesen und Freispruch gefordert. Ob er in Berufung geht, ließ sein Anwalt zunächst offen.

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der Reeder unter anderem frisierte Rechnungen mit einem höheren als dem tatsächlichen Preis einreichte und sich damit größere Bürgschaften und Kredite erschlich. Die Richterin bescheinigte dem Mann ein «recht hohes Maß an krimineller Energie». Er habe sich zwar nicht selbst bereichern wollen, aber «ohne Rücksicht auf Verluste» seine Firmengruppe erhalten wollen.

Die Reederei ging 2017 in die Liquidation. Die Banken zogen die Bürgschaften, deshalb wurden die Steuerzahler zur Kasse gebeten. In diesem und einem zweiten Fall einer Reederei, die unter Schweizer Flagge fuhr und Bundesbürgschaften erhielt, belaufen sich die Kosten bereits auf mindestens 300 Millionen Franken. Insgesamt sind noch 18 Hochseeschiffe auf den Weltmeeren unterwegs, die mit einer Bürgschaft des Bundes gesichert sind, teilte das Wirtschaftsministerium mit. Die wirtschaftliche Situation der zehn betroffenen Schiffsgesellschaften sei unter anderem aufgrund der Corona-Krise angespannt. Der Bund müsse deshalb mit weiteren Verlusten rechnen.

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