Schweiz übernimmt EU-Sanktionen gegen Russland

Schweizer Bundespräsident Ignazio Cassis. Foto: epa/Peter Schneider
Schweizer Bundespräsident Ignazio Cassis. Foto: epa/Peter Schneider

BERN: Es hat gedauert, doch jetzt schließt sich die Schweiz den EU-Sanktionen gegen Russland an. Die Verzögerung dürfte nicht nur mit der Neutralität, sondern auch der Bedeutung des Finanzplatzes für Russen zu tun haben.

Die Schweiz übernimmt nach längerem Zögern nun doch die EU-Sanktionen gegen Russland. Das beschloss die Regierung in Bern am Montag. Zudem verhängte das Land Einreisesperren für Menschen, die dem russischen Präsidenten Wladimir Putin nahe stehen. Vergangene Woche hatte die Schweiz noch unter Verweis auf ihre Neutralität darauf verzichtet, Sanktionen zu verhängen. Sie wollte zunächst lediglich sicherstellen, dass die Sanktionen über die Schweiz nicht umgangen würden.

Die Vermögen aller Unternehmen und Personen, die auf europäischen Sanktionslisten stehen, sind ab sofort gesperrt, wie Präsident Ignazio Cassis sagte. Auch die Finanzsanktionen gegen Putin, Premierminister Michail Mischustin und Außenminister Sergej Lawrow würden übernommen. Die Regierung habe sich die Entscheidung nicht leicht gemacht, weil es sich in diesem Umfang um einen einmaligen Schritt der Schweiz handele. «Das durften wir uns unter dem Aspekt der Neutralität nicht leicht machen», sagte Cassis. Aber: «Einem Aggressor in die Hände zu spielen, ist nicht neutral», sagte er.

Die Schweiz hatte den Einmarsch Russlands bereits auf das Schärfste verurteilt und der Ukraine volle Unterstützung zugesagt. Es würden umgehend 25 Tonnen Hilfsgüter in die Ukraine gebracht, hieß es.

In der EU habe der Kurs der Schweiz in den vergangenen Wochen für große Frustration gesorgt, sagte ein EU-Diplomat am Montag in Brüssel. Es sei unverständlich, wie man sich auf seine Neutralität berufen könne, wenn es um die Ahndung von Völkerrechtsbrüchen gehe. Auch Schweizer Medien zeigten Unverständnis. «Die Neutralität dient als Feigenblatt», kritisierte die «Neue Zürcher Zeitung».

«Ich begrüße von ganzem Herzen, dass die Schweiz die EU-Sanktionen gegen Putin und seine Unterstützer bei der Invasion in die Ukraine übernehmen und ihre Vermögenswerte einfrieren wird», schrieb der EU-Chefdiplomat Josep Borrell nach der Entscheidung auf Twitter. Man stehe geschlossen gegen den Angriff auf ein friedliches Land.

Die Schweiz ist ein wichtiger Finanzplatz für Russen. Nach Zahlen der Nationalbank lagen im vergangenen Jahr auf Schweizer Konten russische Vermögenswerte im Wert von rund 15 Milliarden Franken (14,5 Mrd Euro). Jedes Jahr sollen weitere Milliardenbeträge in die Schweiz fließen. Oligarchen wie der Putin-Vertraute Gennadi Timtschenko leben dort.

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Strauss 02.03.22 10:10
ja,hoffentlich endlich !
Lieber drei Oli Kahn. als einen Oli Garch
Frank Filser 01.03.22 13:39
Besser spaet als nie....
Bravo, dass diese Sanktionen auch von der Schweiz mitgetragen werden.

"Einem Aggressor in die Haende zu spielen ist nicht neutral"
ist eine Feststellung, die weitreichende Konsequenzen hat. Dies bezieht sich auf saemtlichen Warenverkehr und ein Beispiel sind die Gaslieferungen von Russland nach Deutschland gegen Bezahlung.

Es darf nicht sein, dass mit dem Geld fuer Gas Kriegsmaterial oder -handlungen in der Ukraine (oder anderswo) finanziert werden. Das ist ein Beitrag (indiskutabel ob direkt oder indirekt) zum Krieg und den Verbrechen dort.

Mein Vorschlag ist, dass alle Laender auch ihre Wirtschaftsbeziehungen mit Russland auf den Pruefstand stellen. Putin hat gelogen und daher sind in der Konsequenz alle Zusagen, Versprechen und Vertraege, die er zu verantworten hat, null und nichtig.

Putin muss weg damit Russland wieder vertrauensfaehig wird.
Hardy Kromarek Thanathorn 01.03.22 13:30
Bravo Schweiz!!!!
Das ist eine Finanzatombombe für Putin & Co. KG!!! EU-Schweiz, USA weiter so! Russland muß komplett isoliert werden! Putin und Lukaschenko können ja dann mit dem Iran eine Privatparty feiern?! Ob das auch bei den Oligarchen mit den feinen Gesellschaftsdamen so richtig ankommt?! Mehr als fraglich!!! Freiheit für die UKRAINE!!!
Ingo Kerp 01.03.22 12:30
Na also, geht doch. Besser spät als nie.