Schwarze Löcher

(Gedanken zum Totensonntag)

Schwarze Löcher saugen Sterne in sich hinein und nichts davon bleibt erhalten. Erst kürzlich ist es gelungen, diesen Vorgang zu fotografieren. So ähnlich stelle ich mir den Tod vor: Er saugt mich ein, lässt mich verschwinden und versenkt mich schließlich in einem schwarzen Loch, auf das die Überlebenden zum Gedenken Blumen legen. Aber ich bin dann mal weg.

Ein paar Verwandte und Freunde denken vielleicht manchmal noch an mich. Aber auch die sterben. Und dann bin ich wirklich weg. Macht nichts. Bei meiner Geburt stand schon fest, dass ich sterben würde. Wer weiß, vielleicht war dieses Leben ja nur ein Probelauf. So sehen es zumindest viele Thais und andere Religionen. Aber für was sollte dieser Probelauf gut sein? Für das ewige Leben, wie es einige Religionen zu erklären versuchen? Für Himmel oder Hölle? Alles Quatsch. Der Mensch neigt nun mal zur Angstmacherei. Der Tod ist die Erfüllung des Lebens, das glückliche Ende von Stress, Angst, Krankheit und Sorgen. Der Tod ist vielleicht der Beginn einer anderen Existenz, die für mich ins Nichts führt, für andere Auferstehung und ewiges Leben bedeutet. Jemand hat mal gesagt, wenn es im Jenseits so schrecklich ist, wäre der eine oder andere längst wieder zurückgekommen. Aber im Ernst: Keiner kommt zurück, weil es diesen Weg nicht gibt.

Einige Menschen behaupten, im vorigen Leben am Hofe eines ägyptischen Pharaos gelebt zu haben oder auf einem Gutshof in Preußen. Sie verfügen entweder über zu viel Fantasie oder leiden an Visionen und sollten einen Arzt aufsuchen. Das Leben hat sich in den letzten Jahrzehnten für die meisten Menschen verlängert. Damals wurden sie vielleicht vierzig oder fünfzig Jahre alt, heute kann man oft doppelt so lange leben. Aber dann setzt häufig die Lebensmüdigkeit ein. Schauen Sie sich um: Neunzigjährige möchten, vor allem, wenn die üblichen Alterserkrankungen ihnen zu schaffen machen, nicht noch einmal diese Lebenszeit verbringen. Angeblich werden Schildkröten am ältesten, aber die brauchen wahrscheinlich so lange, um darüber mit ihrem kleinen Hirn nachzudenken. Ich vermute, die Angst vor dem Tod ist den Menschen von Menschen eingeredet worden, die damit ihre Geschäfte machten und bis heute machen. Der Tod ist inzwischen teuer geworden. Manche können sich ihn gar nicht mehr leisten. Aber Ausreden gelten nicht. Unsere schwarzen Löcher sind Erdgruben, und wer seine Asche nicht ins Meer streuen lässt, der hat keine andere Chance. Es sei denn jemand macht es wie der Satiriker Georg Kreisler, der seine Zigarettenasche in die Urne seines Onkels Fritz versenkte, die über dem Sofa stand.

Wir können uns auf vielerlei Weise über den Tod lustig machen oder ihn fürchten. Keiner wird ihm deshalb entgehen. Auch nicht jene, die sich einfrieren lassen in der Hoffnung, in hundert Jahren als Schneemänner wieder zum Leben erweckt zu werden. Ihre Träume mögen unendlich sein, ihr Leben ist endlich. Eine Binsenweisheit, aber es gibt immer wieder selbst ernannte Propheten, die uns neue Wahrheiten verkünden über das Ende der Welt. Ganz zu schweigen von der Verschwörungstheorie, dass es auf dem Mars ein ewiges Leben gäbe. Na auf, Freunde, die Reise dorthin dauert nur ein paar Hundert Jahre. Aber was ist das schon im Vergleich zur erhofften Ewigkeit? Wer wie ich, dem Tod häufig begegnet ist, hat wahrscheinlich auch die Angst vor ihm verloren. Natürlich gibt es qualvolle und friedliche Arten des Sterbens. Leider kann man sich seinen Tod nur bedingt selbst aussuchen. Ich persönlich bekenne mich dazu, vorausgesetzt, dass dies unter Aufsicht und Assistenz von Ärzten geschieht. Alles was man machen kann, ist dafür vorzusorgen, wie man im Ernstfall behandelt werden will und ein Testament erstellen, um spätere Streitereien unter den Erben zu verhindern. Ansonsten habe ich nur den einen Rat: das Leben genießen, solange es genießbar ist. Es ist einmalig und kommt nie wieder. Gerade hörte ich im Fernsehen, dass viele Menschen zwischen 15 und 25 Jahren sterben, Selbstmord begehen, tödlich erkranken oder Unfällen zum Opfer fallen. Welches Leid hinterlassen diese Toten: Den Lokführer, der einen Selbstmörder überfahren hat, den Vater, dessen liebster Sohn sich den „goldenen Schuss“ gesetzt hat oder die Eltern, deren Jungs bei illegalen Straßenrennen mit ihren Motorrädern zu Tode kamen.

Schreckliche Vorstellungen. Umso wichtiger ist es, alle Freuden des Lebens, auch die Kleinigkeiten zu genießen, dankbar zu sein für ein ehrliches Lächeln, dankbar für ein freundliches Wort, dankbar für Freunde, die einem zur Seite stehen, wenn man sie braucht. Da sind die schwarzen Löcher fern, und das Leben ist eine Lust. Trotzdem frage ich mich: Ist den Eltern, Freunden oder Verwandten derjenigen, die sich auf einen Suizid vorbereiten, nichts aufgefallen, keine Veränderungen im Verhalten? Oftmals ist es ja auch gar nicht ernst gemeint, oft ist es einfach Einsamkeit oder das Gefühl nicht ernst genommen zu werden, vielleicht auch ein paar Pillen aus Liebeskummer, in der sicheren Überzeugung, rechtzeitig gefunden zu werden. Ich selbst bin, nach einer schweren Situation, in Deutschland mal einer Organisation beigetreten, die sich „Humanes Leben – Humanes Sterben“ nannte. Nach einjähriger Mitgliedschaft bekam ich eine kleine Broschüre mit einer Liste lebensverkürzender Mittel zugeschickt, inklusive Anweisung, auf welche Weise sie einzunehmen wären. Kurze Zeit später erfuhr ich, dass diese Organisation mit dem stärksten Gift, das es gibt, Handel treibt. Natürlich war dies ein Grund für mich, wegen außergewöhnlicher Umstände sofort zu kündigen, zumal mein Zustand sich auch verbessert hatte. Was hätte ich bei meinem vorzeitigen Ende alles versäumt! Heute bin ich ein lebensfroher Mensch und hoffe darauf, dass mir noch etwas Zeit bleibt, das Leben  zu genießen.

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Jürgen Franke 25.11.19 22:30
Herr Krüger, ich danke Ihnen für Ihren
Beitrag zum Totensonntag, der sicherlich für viele Leser ein Hinweis ist, auch über das Ende des Lebens mal nachzudenken. Aus gegebenen Anlaß möchte ich in diesem Zusammenhang darauf hinweisen, dass jeder Mensch sich auch auf seinen Tod vorbereiten sollte. Das bedeutet, dass ein Testament in jeder Familie vorhanden sein sollte, in dem alles eakt beschrieben werden ist, was nach dem Tod zu geschehen hat. Bekanntlich schließen alle Banken die Konten bei Tod des Kontoinhabers. Stirb der Haushaltsvorstand überraschend, ist nicht automatisch die Ehefrau der Alleinerbe, wenn Kinder vorhanden sind. Während meiner beruflichen Tätigkeit habe ich leider Unternehmen kennenlernen müssen, wo derartige Vorkehrungen bedauerlicherweise nicht gemacht wurden und zur Tragödie führten.
Hans-Dieter Volkmann 25.11.19 16:56
H.Bütler / M.Meier
Herr Meier, wie Sie selbst schreiben handelt es sich um Fantasie. Fantasieren ist keine solide wissenschaftliche Arbeit. Sie kann allenfalls Anregungen für wissenschaftliche Forschung geben. Herr Bütler, der von mir gebrauchte Ausdruck "materielle Energie" war nicht ganz korrekt. Ich berichtige mich. "Materie ist eine andere Form von Energie." Geistige Energie ist im Sinne der Naturgesetze für Menschen nicht vorhanden. Was als geistige Energie im Allgemeinen verstanden wird ist eine umgangssprachliche Floskel ohne jeden wissenschaftlichen Anspruch. Ich behaupte: Nicht der menschliche Geist benötigt Energie im Sinne der Naturgesetze sondern das materielle Gehirn. Die von den Sinnesorganen aufgenommenen Reize werden vom Gehirn (Synapsen) weiter verarbeitet. Hierbei wird messbare Energie im Sinne der Naturgesetze gebraucht. Noch etwas Grundsätzliches. Geist und Materie bzw. Energie ist nicht in Einklang zu bringen. Das Phänomen GEIST, sein Ursprung und Ende, ist wissenschaftlich nicht beweisbar. Dafür ist die Theologie zuständig.
Wilfried Stevens 25.11.19 14:21
Das Schiebetor fehlt noch 555
Mal wieder Schlagabtausch ; )
Hansruedi Bütler 25.11.19 11:57
Nachtrag zu schwarzen Löchern
Der Vergleich von Ce-eff ist gar nicht so abwegig und ging leider im Energie-Debakel unter. Für uns Sehende ist es so wie ein schwarzes Loch - ist man weg - so sieht man nichts mehr (nach rein optischer Sichtweise). Ist das aber ein Beweis, dass nichts vorhanden ist? Genau dafür bietet das schwarze Loch doch eine gute Erklärung. Die direkte Masse (z.B. unseren Körper) sieht man nach geraumer Zeit nicht mehr. Die Auswirkung des "Überbleibsels" (Masse und Energie) kann beim Übergang der Masse ins schw. Loch als Licht über die Akkretionsscheibe (ähnlich der Aura) sichtbar gemacht werden. Wenn Masse für den Beobachter verschwindet, heißt dies nicht, dass sie nicht mehr existiert. So versuche ich für mich den Übergang vom Leben in den Tod vorzustellen. Wissenschaftlich vermutet man ja, dass Masse aus schwarzen Löchern in sogenannten "weißen" Löchern wieder zu Tage tritt, also quasi wie ein Tor zu einer anderen Dimension. Für mich eine erstaunliche Ähnlichkeit mit Leben und Tod!
Michael Meier 25.11.19 11:56
Von Pontius nach Pilatus
Scharzen Löcher , geistige Energie ( was es auch immer sein soll ), Elektromotor für´s Schiebetor und Wiedergeburt . Bin gespannt wo diese Unterhaltung noch hinführt :-)))