Schiefer Turm in Bologna bekommt Hilfe aus Pisa

ie schiefen Türme von Bologna: Garisenda (l) und Asinelli. Der arg schiefe Garisenda-Turm bekommt jetzt Hilfe aus einer anderen italienischen Stadt mit ähnlichen Problemen: aus Pisa. Foto: Christoph Sator/dpa
ie schiefen Türme von Bologna: Garisenda (l) und Asinelli. Der arg schiefe Garisenda-Turm bekommt jetzt Hilfe aus einer anderen italienischen Stadt mit ähnlichen Problemen: aus Pisa. Foto: Christoph Sator/dpa

BOLOGNA: Stadt mit schiefem Turm bekommt Hilfe aus Stadt mit Schiefem Turm: Zur Rettung des Garisenda-Turms in Bologna soll jetzt ein Gerüst aus Pisa helfen. Die Sache wird dauern. Und teuer.

Der arg schiefe Garisenda-Turm von Bologna bekommt Hilfe aus einer anderen italienischen Stadt mit ähnlichen Problemen: aus Pisa. Das Gerüst, das den Schiefen Turm von Pisa bei Restaurierungsarbeiten in den vergangenen Jahrzehnten gestützt hatte, wird nun zwei Autostunden weiter im Norden aufgestellt.

Der Stadtrat von Bologna mietete das Gerüst am Donnerstag an, um die 48 Meter hohe Torre della Garisenda zu retten. Der Turm aus dem zwölften Jahrhundert gehört zusammen mit dem direkt daneben stehenden Asinelli-Turm (97 Meter) zu den Wahrzeichen der Universitätsstadt. Befürchtet wird, dass er einstürzen könnte. Zum Vergleich: Der Schiefe Turm von Pisa - ebenfalls aus dem zwölften Jahrhundert - ist 56 Meter hoch.

Vermutlich wird sich die Sanierung in Bologna etwa zehn Jahre hinziehen - so lange dauert auch der Mietvertrag für das Gerüst. Sollte es schneller gehen, darf es früher zurückgegeben werden. Die Kosten zur Rettung des Turms bezifferte die Stadtverwaltung jüngst auf mindestens 20 Millionen Euro.

Das Gebäude aus dem Mittelalter hat inzwischen eine Neigung von 3,20 Metern oder vier Grad. Unmittelbar daneben steht der Asinelli-Turm, der sich trotz seiner Größe deutlich aufrechter hält.

Wegen der Risse und ungewöhnlicher Schwankungen des Garisenda-Turms ist der Platz rund um die schiefen Zwillingstürme bereits seit Oktober vergangenen Jahres gesperrt. Daran wird sich so bald wohl auch nichts ändern. Die beiden sogenannten Geschlechtertürme prägen seit vielen Jahrhunderten das Bild der Hauptstadt in der norditalienischen Region Emilia-Romagna mit heute fast 400.000 Einwohnern. Aus der Luft betrachtet ragen sie wie Wolkenkratzer aus dem engen Stadtkern heraus.

Schon Italiens Nationaldichter Dante Alighieri schrieb in seiner «Göttlichen Komödie» über den Garisenda-Turm. Erbaut wurde er im Auftrag einer reichen Familie im Jahr 1109. Damals ging es in den wohlhabenden Schichten auch darum, den eigenen Geschlechterturm noch höher zu bauen als die Nachbarn.

Ursprünglich war er sogar 60 Meter hoch. Wegen erster Konstruktionsfehler musste er jedoch schon im 14. Jahrhundert abgesenkt werden. Als Gründe für die zunehmende Neigung nennen Experten heute das Fundament und die Absenkung des Grundwassers.

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