Royal Mail sinkt tiefer in die roten Zahlen

Ein Royal Mail Briefkasten in London. Foto: epa/Tolga Akmen
Ein Royal Mail Briefkasten in London. Foto: epa/Tolga Akmen

LONDON: Der Mutterkonzern der Royal Mail hat die britische Regierung angesichts weiterer Verluste zu einer raschen Reform der bisher vorgeschriebenen Briefzustellung aufgefordert. «Es ist einfach nicht nachhaltig, ein Netzwerk aufrechtzuerhalten, das für 20 Milliarden Briefe ausgelegt ist, wenn wir nur noch 7 Milliarden zustellen», sagte der Chef von International Distributions Services (IDS), Martin Seidenberg, am Donnerstag bei der Vorlage der Halbjahreszahlen.

Der sogenannte Universal Service sieht vor, dass die Royal Mail jede Woche an sechs Tagen Briefe und an fünf Tagen Pakete zustellen muss. Schon vor einem Jahr hatte das Unternehmen um Erlaubnis gebeten, keine Briefe mehr an Samstagen austragen zu müssen.

Für das erste Halbjahr (24. September) meldete die Royal Mail einen Verlust von 319 Millionen Pfund (364,56 Mio Euro), nach einem Minus von 219 Millionen Pfund im Vorjahreszeitraum. Gründe waren demnach die schwierigere allgemeine Wirtschaftslage sowie geringere Paketmengen und höhere Kosten nach einer Tarifvereinbarung mit der Gewerkschaft CWU. Das negative Ergebnis riss auch IDS tiefer in die roten Zahlen. Der Mutterkonzern erwartet für das Geschäftsjahr nun nur noch ein ausgeglichenes Ergebnis, im Juli war er noch von einem Plus ausgegangen. Die Aktien gaben daraufhin nach.

Erst vor kurzem hatte die Aufsichtsbehörde Ofcom der Royal Mail eine Strafe von 5,6 Millionen Pfund auferlegt, weil der Dienstleister die vorgegebenen Lieferzeiten im vorigen Geschäftsjahr deutlich verfehlt hatte. Zuletzt verlor das seit einigen Jahren privatisierte Unternehmen zudem ein 360 Jahre altes Monopol: Kundinnen und Kunden können ihre Pakete nun an den Filialen auch über die Wettbewerber Evri, wie Hermes in Großbritannien heißt, oder DPD aufgeben.

IDS-Chef Seidenberg kündigte an, die Qualität zu verbessern. Um im Gegensatz zu den Vorjahren einen reibungslosen Lieferdienst zu gewährleisten, werden 16.000 Saisonkräfte eingestellt sowie übergangsweise fünf weitere Sortierzentren eröffnet. Mitarbeiter, die ihre Vorgaben erfüllen, sollen 500 Pfund Bonus erhalten.

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Ingo Kerp 17.11.23 12:40
Ach, was hatten N. Farange und seine Konsorten doch dem zerfallenen Empire für goldene Zeiten vorhergesagt, wenn erst der Brexit kommt. Leider, so stellte sich schon nach kurzer Zeit heraus, wurden die Zeiten nicht nur nicht gülden, sie wurden grau bis schwarz. Jetzt kämpft man an allen Fronten, um noch einen Teil der bisherigen Wirtschaftsmacht und des Wohlstands zu erhalten. Das EU Bedauern hält sich in Grenzen