Weltklasse-Duell im Finale der Nations League

Ronaldo gegen van Dijk

Foto: epa/Hugo Delgado
Foto: epa/Hugo Delgado

GUIMARÃES/PORTO (dpa) - Portugal und die Niederlande spielen am Sonntag im Finale der neuen Nations League. Für beide Teams besitzt der Titel aus unterschiedlichen Gründen einen großen Reiz. Wer ihn holt, dürfte maßgeblich von der Form zweier Weltklasse-Spieler abhängen.

Virgil van Dijk wusste, dass die Frage kommt. Der niederländische Weltklasse-Verteidiger wehrte sie so souverän ab, wie die Angreifer gegnerischer Mannschaften. «Wir spielen nicht nur gegen Cristiano Ronaldo», sagte der 27-Jährige vor dem Finale der Nations League am Sonntag (20.45 Uhr/ZDF und DAZN) gegen Portugal. Für van Dijk sollte das Thema mit der knappen Antwort erledigt sein.

Aber natürlich weiß er auch, dass im Endspiel um die 71 Zentimeter große Silbertrophäe des neuen Fußball-Wettbewerbs alle ganz genau hinschauen werden: auf ihn und Ronaldo - und ob der Superstar der Portugiesen der Erste in dieser für van Dijk herausragenden Spielzeit sein wird, der an ihm vorbeikommt.

Denn es gibt in Bezug auf den Champions-League-Sieger vom FC Liverpool eine Statistik, die kaum zu glauben ist: Laut dem Datenerfasser Opta ist es wettbewerbsübergreifend in den vergangenen 64 Spielen vor dem Final Four der Nations League keinem gelungen, per Dribbling an van Dijk vorbeizukommen. Auch beim 3:1-Sieg nach Verlängerung gegen England im Halbfinale der Nations League schaffte es niemand der Three Lions.

Man muss nun kein Prophet sein, um darauf zu kommen, dass es für Ronaldo einen besonderen Reiz darstellen dürfte, etwas zu schaffen, was lange keinem gelungen ist. Es wäre ja auch nicht das erste Mal während seiner glorreichen Karriere, dass der 34-Jährige unüberwindbare Hürden doch übersteigen würde. Selbst im fortgeschrittenen Alter bietet der Stürmer von Juventus Turin immer noch Aufführungen der Extraklasse an, so wie zuletzt mit dem 53. Dreierpack seiner Karriere beim 3:1-Halbfinalsieg gegen die Schweiz.

«Wir haben eine sehr gute Abwehr», sagte der niederländische Mittelfeldspieler Donny van de Beek. «Aber wir kennen auch Ronaldos Qualitäten. Du darfst ihm keine Chance geben.» Manchmal sei es sogar unmöglich, «Ronaldo zu verteidigen», sagte Bondscoach Ronald Koeman. Klar ist aber auch: Es dürfte im Weltfußball derzeit kaum ein besseres Innenverteidiger-Duo als das aus van Dijk und Supertalent Matthijs de Ligt geben, um den fünffachen Weltfußballer zu stoppen.

Van Dijk wurde durch den FC Liverpool nicht nur zum teuersten, sondern auch zum derzeit wohl besten Abwehrspieler der Welt. Selbst für die Wahl des Weltfußballers gilt er mittlerweile als ernsthafter Kandidat. Top-Torjäger wie Pierre-Emerick Aubameyang, Sergio Agüero oder zuletzt im Finale der Königsklasse Harry Kane verzweifelten in dieser Saison reihenweise am 1,93 Meter großen Vorzeigeathleten. In Ronaldo kommt zum Abschluss dieser Spielzeit die Meisterprüfung.

Zwar prägt der Routinier das Spiel seiner Mannschaften nicht mehr über 90 Minuten. Aber so wie früher schlägt er immer noch zu, wenn kaum jemand damit rechnet - wie bei seinem Dreierpack gegen die eigentlich besseren Schweizer. Bondscoach Koeman will sich daher lieber nicht allzu sehr auf seine Weltklasse-Abwehr, sondern auf seine Taktik verlassen. «Das Beste, was wir tun können, ist den Ball zu haben. Denn wenn wir den Ball haben, kann er uns nichts antun», sagte der 56-Jährige.

Ronaldo wird es trotzdem probieren, immer und immer wieder. Zum letzten Mal in seiner Karriere bietet sich ihm am Sonntag in Porto die Chance, mit der Nationalmannschaft einen Titel in der Heimat zu gewinnen. Zuletzt gegen die Schweiz kam er oft über die linke Außenbahn, gegen Ende der Partie verlagerte er seinen Schwerpunkt dann erfolgreich in den gegnerischen Strafraum. Es wird auch für van Dijk schwer vorhersehbar sein, was Ronaldo im Finale tun wird. Er wird aber trotzdem daran gemessen werden, ob es ihm gelingt.

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